Bilder, Bewältigung & Erinnerungskulturen

Interdisciplinary event series

 

Under the title »Bilder, Bewältigung und Erinnerungskulturen«, the IPU Berlin and AMCHA Germany e. V. are inviting participants to a joint lecture series this year, following on from “Encountering Transgenerational Trauma” (2024). The series will examine the interactions between transgenerational trauma, memory culture, and psychosocial responsibility in the context of collective violence. This year's series will open with a lecture by Dr. Juliette Brungs on 15 July 2025.

 

Vortrag von Prof. Dr. Lena Inowlocki

Erinnerung und psychosoziale Verantwortung. Der Vortrag stellt unterschiedliche Ansätze aus Forschung und Praxis vor, die sich auf „Erinnerung“ an Gewalterfahrungen und Verfolgung beziehen, und diskutiert ihre Relevanz für „psychosoziale Verantwortung“ in der Gegenwart. Im Zentrum steht die Frage nach der Bedeutung von Kollektiva, also kollektiven Identitäten, für Erinnerung einerseits und psychosoziale Verantwortung andererseits. Erörtert wird, inwiefern kollektive Identitäten Bedingungen eines möglichen Dialogs zwischen diametral unterschiedlicher Erinnerung der Beteiligten sind – und inwiefern sie diesem entgegenstehen. Abschließend wird gefragt, was es bedeutet, die Identifikation mit kollektiven Identitäten zu „suspendieren“.

Lena Inowlocki ist Soziologin, außerplanmäßige Professorin am Fachbereich Gesellschaftswissenschaften, Goethe-Universität Frankfurt und Professorin i. R. am Fachbereich Soziale Arbeit und Gesundheit, Frankfurt University of Applied Sciences. Schwerpunkte ihrer qualitativ-interpretativen Forschung sind Migrationsprozesse, die biographische Bedeutung von Geschichte und Erinnerung, Tradition und Tradierung zwischen Generationen nach der Shoah, Rhetorik und Mitgliedschaftsprozesse der extremen Rechten.

The IPU Berlin is organizing this series together with Amcha Deutschland e. V. For more than 35 years, Amcha Deutschland e. V. has been supporting the psychosocial services provided by its sister organization Amcha in Israel for survivors of the Shoah and their descendants. In 2025, Amcha Germany will address key challenges in psychosocial care, international networking, and society's engagement with the transgenerational consequences of collective violence. In light of the significant rise in anti-Semitism and anti-Gypsyism, the intergenerational consequences of violence must be made more visible and firmly anchored in public debate. Against the backdrop of the 80th anniversary of the end of the war in Europe and the rapidly declining number of eyewitnesses to historical events, the understanding of the significance of transgenerational trauma will be deepened and social responsibility for a sustainable approach to the issue will be strengthened.

Information and registration

When?
Tuesday, 21 October 2025, 7 pm

Further dates: 

  • Tuesday, 18 November 2025, 7 pm
  • Tuesday, 16 December 2025, 7 pm


Where? 
Lecture hall 4 at the IPU Berlin at Alt-Moabit 91b, 10557 Berlin (2. floor)


Please register for the event on Tuesday, October 2025, at 7 pm using the following form:

Vergangene Vorträge in der Reihe

1964. Zum Soundtrack von Quincy Jones spielt Rod Steiger den Sol Nazermann in Sidney Lumets „Pawnbroker“. Mit Wucht durchlebt ein bestürztes Publikum die Qualen des Traumas durch die Augen der Hauptfigur. Unmittelbar wird dieser Film zum Maßstab für visuelle Darstellung und filmische Umsetzung von Trauma und Gewalterfahrung. Zeitgleich sind längst Nazi-Porn-Hefte populär geworden: von Überlebenden gezeichnet, kursieren sie unter dem Ladentisch. Dieser Vortrag diskutiert und analysiert ausgewählte Beispiele künstlerischer und populärer Arbeiten und ihre Auseinandersetzung mit traumatischen Erfahrungen. Wie gelingt es Künstler*innen Traumata in visuelle Sprache zu überführen? Welche Metaphorik nutzen sie und welche Verschiebungen manifestieren sich im Vergleich der Arbeiten Überlebender und der ihrer Nachfolgegenerationen? Der Vortrag bietet einen Einblick in die facettenreiche Forschung zu künstlerischen Produktionen und Techniken der Konfrontation von Gewalterfahrung und Trauma.

 

Dr. Juliette Brungs hat Germanistik, Kunstgeschichte und Film- und Medienproduktion studiert, 2013 zum Thema "Performance-Kunst jüdischer Künstlerinnen in Deutschland" an der University of Minnesota in Minneapolis (USA) promoviert und war vier Jahre Fellow und Mitglied der psychoanalytischen Association APSA. Sie ist Vorstandsmitglied von AMCHA Deutschland e.V., Mediatorin, systemische Beraterin und politische Bildnerin. Zurzeit arbeitet sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule Magdeburg-Stendal und forscht zu jüdischem Leben in Sachsen-Anhalt.

1959. Auf dem vorläufigen Höhepunkt einer antisemitischen Welle spricht Theodor W. Adorno vor einer „Erzieherkonferenz“ der Gesellschaften für christlich-jüdische Zusammenarbeit in Frankfurt/M. über die damaligen Herausforderungen einer „Aufarbeitung der Vergangenheit“. 2025 sind die gesellschaftlichen Verhältnisse zwar andere, aber bei weitem nicht besser. Mit Wucht ist die mehrfache Zeitenwende auch „im deutsch-jüdischen Gedächtnistheater“ (Bodemann, Czollek) angekommen stellt zeitweilig sicherer geglaubte Standards erreichter „Reife“ in Frage. Aber: „Reife ist eine Kategorie für Melonen, nicht für Menschen“ (Hans Keilson). Das „Unbehagen an der Erinnerungskultur“ greift Raum in der „erinnerungskulturellen ,Volksgemeinschaft‘“. Welche Folgen haben der 7. Oktober 2023 und die parlamentarischen Erfolge einer explizit rechtsextremistischen Partei in Deutschland für die erinnerungskulturelle Praxis? Und was können gesellschafts- und psychoanalytische Perspektiven zum Verständnis des aktuellen Überforderungsszenarios beitragen? Der Vortrag bewegt sich gleichermaßen assoziativ wie seriös zwischen „wilder Analyse“ und „Memory Punk“, zwischen Kritischer Theorie und psychoanalytischen, tiefenhermeneutischen Deutungen. Eine „Zumutung“, die vor Ort entsteht.

Dr. Matthias Heyl hat Geschichte, Psychologie und Erziehungswissenschaft studiert und wurde 1997 mit einer Arbeit zum Thema “Erziehung nach Auschwitz. Eine Bestandsaufnahme. Deutschland, Niederlande, Israel, USA” an der Universität Hamburg promoviert. Seit 2002 ist er Leiter der Bildungsabteilung der Gedenkstätte Ravensbrück. Letzte Veröffentlichung: Vermischte Schriften. Erziehung nach/über Auschwitz. Bildung nach Ravensbrück. Berlin 2025. Metropol Verlag.

A Journalist’s view: The ongoing trauma of 7th of October 2023 in Israel. The talk presents personal reflections on traveling to Beeri and to Israel after October 7, reporting and witnessing the daily war news since then, and linking these experiences to past visits to warzones as an Israeli journalist. It also reflects on how the speaker’s family Holocaust traumas remain “alive” and influential in shaping these experiences.

Assaf Uni is an Israeli journalist reporting from Berlin as a European correspondent for the daily newspaper Globes. He has been living and reporting as a correspondent from Berlin and abroad for various Israeli media, including Haaretz and Ynet, and has been writing as a free-lancer for various European & American publications including NZZ, Welt and Newsweek. He is also PhD candidate in the Hebrew University, focusing his research on German-Israeli relations and media. He has a BA in Philosophy & Economics and an MA in German studies. He lives in Berlin and (once in while in) Jaffa.