Krise lehrt Denken: Klimawandel und Corona-Pandemie im interdisziplinären Gespräch

Veranstaltungsreihe mit fünf Vorträgen ab dem 16. April bis zum 9. Juli 2021

Der menschengemachte Klimawandel stellt eine globale Bedrohung dar: Wenn die prognostizierte Erderwärmung eintritt, geraten die Ökosysteme aus dem Gleichgewicht und es drohen immer mehr Wetterextreme. Umfassende politische Maßnahmen sind notwendig, um die Erderwärmung auf ein Minimum zu reduzieren und die daraus entstehenden Folgen einzudämmen.

Mit der Corona-Pandemie kommt eine zweite globale Krise hinzu: Die rasante Ausbreitung des Virus SARS-CoV-2 stellt eine gravierende Bedrohung für die Gesundheit dar und gefährdet aktuell die gesellschaftlichen Systeme. Mithilfe umfassender wirtschafts-, sozial- und biopolitischer Maßnahmen wird versucht, die Verbreitung und Auswirkungen des Virus zu kontrollieren.

Die beschriebenen Phänomene geben die inhaltliche Ausrichtung von „Krise lehrt Denken – Klimawandel und Corona-Pandemie im interdisziplinären Gespräch“ vor: In fünf Vorträgen sollen von Mai bis Juli 2021 die beiden globalen Krisen näher betrachtet und Hintergründe interdisziplinär beleuchtet werden. Mögliche Parallelen sowie Unterschiede sollen ebenso betrachtet werden wie die gesellschaftlichen Implikationen, die sie mit sich bringen. Hierzu laden wir Sie herzlich ein! Im Anschluss an die Vorträge gibt es die Möglichkeit, Fragen zu stellen und über das Gehörte zu diskutieren.

Die gesamte Veranstaltung findet online statt und ist kostenfrei. Es besteht die Möglichkeit sowohl an einzelnen als auch an allen fünf Vorträgen teilzunehmen. Eine Anmeldung ist aus technischen Gründen erforderlich.

Termine

16. April 2021, 18 Uhr: „Nachhaltigkeit aus einer universellen Sicht – eine Reise durch astronomische Dimensionen”

Prof. Dr. Kathrin Altwegg, Astrophysikerin und Weltraumforscherin aus Bern

Der Vortrag richtet die Aufmerksamkeit auf die Veränderungen und Wandlungen des Universums. Hat es einen Anfang und auch ein Ende? Was wird die Zukunft - astronomisch und nicht astrologisch gesehen - bringen?

Unsere Erde ist im Moment voll von Krisen und Kriegen und unsere Zukunft hat auch schon besser ausgesehen. Deshalb liegt es nahe, gerade jetzt aus einer neuen, universellen Sicht die Vorgänge auf der Erde zu analysieren und festzustellen: alles ist relativ! Ein astronomischer Beitrag mit Augenzwinkern zur Beurteilung der irdischen Lage.

7. Mai 2021, 18 Uhr: „Klimakrise, Corona und Kapitalismus als Gesellschaftskrise”

Dipl.-psych. Delaram Habibi-Kohlen, Psychoanalytikerin und Psychotherapeutin, praktizierend in Bergisch-Gladbach

Die Corona-Krise wie auch die Klimakrise konfrontieren uns mit der Tatsache unserer Verletzlichkeit und Abhängigkeit. Sie zeigen uns, wie illusionär unsere Vorstellungen von einem nicht endenden Paradies der verfügbaren Güter und des Glücks sind. Wissend, dass Neoliberalismus und Turbokapitalismus Pandemien und Klimakatastrophe begünstigen und beschleunigen, ist es dennoch schwer, sich eine Alternative zu diesem Wirtschaftssystem vorzustellen.

Corona und Klimakrise werden als Gesellschaftskrise mit ihren Transformationsmöglichkeiten diskutiert.

28. Mai 2021, 18 Uhr: „Der Ausnahmezustand und das Individuum – Erkenntnisse in und mit der Pandemie”

Prof. Dr. Joachim Küchenhoff, Psychiater und Psychoanalytiker aus Basel

Um die gesellschaftliche Situation in der Pandemie zu charakterisieren, wird das Konzept des Ausnahmezustandes genutzt und im ersten Teil erläutert. Der Ausnahmezustand greift in viele Lebensbereiche ein, die nachfolgend beschrieben werden. Die These der Überlegungen lautet, dass der Ausnahmezustand nicht bloss auf die Katastrophe folgt, sondern zugleich die Widersprüche der vorgängigen gesellschaftlichen Situation aufdeckt. Im dritten Teil geht es darum, wie Menschen mit dem Ausnahmezustand umgehen. Dies wird dargestellt anhand der Erfahrungen, die mir Menschen im psychotherapeutischen Gespräch mitgeteilt haben.

Einige Skizzen, wie Psychotherapie dabei helfen kann, die eigene Haltung und die eigene Sprache wiederzugewinnen, die in dem Ausnahmezustand verloren zu gehen droht, schließen den Vortrag ab.

2. Juli 2021, 18 Uhr: „Herausforderung Klimawandel”

Prof. Dr. Reto Knutti, Klimatologe und Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich

Der Klimawandel ist heute schon real, und der Mensch ist die dominante Ursache. Um die Klimaziele von Paris zu erreichen, müssen die Treibhausgase innert weniger Jahrzehnte auf Netto Null reduziert werden. Wie ist das möglich? Welche Auswirkungen sind nicht mehr zu verhindern? Und wie gelingt es, das Wissen über den Klimawandel und die möglichen Antworten darauf in die Politik einzubringen und eine gesellschaftliche Transformation einzuleiten?

9. Juli 2021, 18 Uhr: „Wie wir im Angesicht der Klimakrise unser Selbst schützen: ein Bedürfnis-orientierter Erklärungsansatz psychologischer Handlungsbarrieren für Umweltverhalten”

M.Sc. Marlis Wullenkord, Psychologin und Doktorandin der Umweltpsychologie an der Universität Koblenz-Landau

Trotz bereits spürbarer Folgen des Klimawandels und weit verbreitetem Wissen um dessen problematische Konsequenzen handeln wir als Gesellschaft nur unzureichend, um der Klimakrise proaktiv zu begegnen. In diesem Vortrag möchte ich aufzeigen, inwiefern die Befriedigung bzw. Frustration grundlegender psychologischer Bedürfnisse mit dem Nutzen von Selbstschutzstrategien zusammenhängt, die wir im Angesicht der Klimakrise nutzen. Selbstschutzstrategien sind dabei als Strategien zu verstehen, die das Selbst vor den negativen Konsequenzen bedrohlicher Informationen schützen, positiven Selbstwert aufrechterhalten oder negative Emotionen vermeiden sollen (bspw. Rationalisierung des Klimawandels, Verleugnung eigener Verantwortung und Schuld, bis hin zu buchstäblicher Klimawandelleugnung).

 

Anmeldung

Bitte melden Sie sich bis spätestens zwei Tage vor der jeweiligen Veranstaltung an unter: krise-lehrt-denken(at)ipu-berlin.de
Sie erhalten einen Tag vor der Veranstaltung eine E-Mail mit einem Link für die Online-Veranstaltung.

Hintergrund

Die Veranstaltungsreihe ist aus einem kulturtheoretischen Seminar von Professorin Susanne Lanwerd an der IPU hervorgegangen. Im Rahmen des Studium Generale fand im Wintersemester 2020/21 „Corona im Klimawandel – Psychoanalytische und gesellschaftliche Reflexionen“ statt. In diesem Kurs wurden die Krisen der Gegenwart und die mit ihnen in Zusammenhang stehenden Mechanismen sozialer Ungleichheit, Aspekte der Ökonomie und der Nachhaltigkeit diskutiert. Lösungsansätze und Reaktionen aus unterschiedlichen Feldern der Politik und Wissenschaft fanden dabei Beachtung.

Aufbauend auf den Diskussionen im Seminar bildete sich ein Arbeitskreis, der den organisatorischen Rahmen der Symposien setzt. Gemeinsam mit Referent*innen verschiedener Disziplinen sollen – im Sinne der Third Mission – die Herausforderungen unserer Zeit öffentlichkeitswirksam diskutiert werden. Die Veranstaltungen stehen allen Interessierten offen.