Jahresrückblick von IPU-Präsident Jan-Hendrik Olbertz

IPU-Präsident Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz blickt auf ein ereignisreiches Jahr 2023 an der IPU zurück, das bestimmt war von sowohl wissenschaftlicher als auch räumlicher Weiterentwicklung.

Liebe Studierende, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Partner und Freunde der IPU,

ein erfülltes und erfüllendes Jahr liegt hinter uns, und auch im Namen von Birgit Stürmer und Rainer Kleinholz möchte ich Ihnen gleich zu Beginn dieses Rückblicks ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Übergang ins Neue Jahr wünschen, das uns allen Frieden, Glück, Gesundheit und persönliches Wohlergehen bringen möge!

Es sind erneut zwölf Monate vergangen, die unsere Kräfte in besonderer Weise herausgefordert haben.

War das vorangegangene Jahr international überschattet vom Krieg Russlands gegen die Ukraine, der weiter mit aller Brutalität anhält, hat uns in der zweiten Jahreshälfte 2023 überdies der bestialische Überfall der Hamas-Brigaden auf mehrere Kibbuzim im Süden Israels erschüttert. Dass der jüdische Staat seitdem versucht, den militanten Arm der Hamas auszuschalten, geschieht im Rahmen seines legitimen Selbstverteidigungsrechtes, und gerade wir Deutschen haben allen Grund, Israel unsere Solidarität zu bekunden und das Land zu unterstützen. Aber wir dürfen auch das Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung nicht vergessen. Möge im neuen Jahr ein Weg gefunden werden, den Konflikt beizulegen oder zumindest die Waffen ruhen zu lassen.

Im Vordergrund der ersten Monate des Jahres stand an der IPU die Fertigstellung des Antrages auf ihre Reakkreditierung unter Einschluss des Promotionsrechts. Schon gegen Ende des Vorjahres hatten wir die neue Promotionsordnung beschlossen, deren BerlHG-Konformität von der Senatsverwaltung bestätigt wurde. Hinzu kamen der von der AG Diversity erarbeitete Gender Equality Plan und die Ordnung zur „Qualitätsentwicklung und Evaluation“. Im Anschluss erarbeiteten die Mitglieder unseres Promotionsausschusses in den ersten Wochen des Jahres mit Hochdruck unser Nachwuchsförderkonzept, das am 23. März 2023 vom Senat verabschiedet wurde. Es folgte die Forschungskonzeption, mit der das Forschungsprofil der IPU mit seinen drei Schwerpunkten „Psychotherapieforschung“, „Transformationsforschung“ sowie „Konzeptforschung“ präzisiert und zusammenfassend dargestellt wurde. Daneben war eine Satzung zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis zu erstellen und eine Leitlinie zur Verwendung der Programmpauschale bei DFG-geförderten Projekten zu verabschieden.

Am 22. Mai 2023 schließlich haben wir alle Unterlagen zur Reakkreditierung beim Wissenschaftsrat eingereicht und parallel die Antragsstellung von Seiten der Senatsverwaltung ausgelöst, die am  7. Juni 2023 durch den WR-Generalsekretär bestätigt wurde. Mit einer Begehung ist in der zweiten Jahreshälfte 2024 zu rechnen.

Eine ganze Reihe von Drittmittelanträgen wurde 2023 bewilligt, von denen ich hier nur eine kleine, aber exponierte Auswahl nennen kann.

  • Prof. Dr. Gavin Sullivan setzte sich mit seiner Beteiligung an einem internationalen Konsortium zum HORIZON-Antrag „PLEDGE HORIZON-CL2-2023-DEMOCRACY-01-04 Politics of Grievance and Democratic Governance“ durch (15 Organisationen, darunter die IPU) und erhielt eine Bewilligung von über 250.000 € (rund acht Prozent der Gesamtfördersumme).
  • Prof. Dr. Andreas Hamburger warb fast 75.000 Euro für die Übersetzung des von Wolfgang Mertens herausgegebenen „Handbuch psychoanalytischer Grundbegriffe“ ein (gefördert durch die Köhler-Stiftung)
  • Der gleiche Betrag wurde Prof. Dr. Annette Streeck-Fischer und Prof. Dr. Lars Kuchinke mit dem interdisziplinären Therapiekonzept „Jugendliche mit Persönlichkeitsstörungen in der stationären Jugendhilfe“ („JuPiTher“) bewilligt. Hierbei handelt es sich um eine Anschubfinanzierung durch den Innovationsfond des Gemeinsamen Bundesausschusses, höchstes Gremium der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen Deutschlands, zur Vorbereitung des Hauptantrages.

Besonders wichtig war der IPU auch im Jahr 2023 die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Zum 1. Januar 2023 begann die Arbeit unseres gemeinsamen Graduiertenkollegs mit dem KKC Bochum. Die feierliche Eröffnung erfolgte am 29. Januar 2023, als Festredner hatten wir Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani (Universität Osnabrück) gewinnen können. Der Stiftung zur Förderung der universitären Psychoanalyse („unserer“ Stiftung) und der Köhler- Stiftung sind wir außerordentlich dankbar dafür, dass sie die insgesamt sechs Promotionsstipendien ermöglicht und damit den Grundstein für das wissenschaftliche Programm des Kollegs gelegt haben. Parallel lief kontinuierlich das IPU-eigene Promotionskolleg, mit weiteren Stipendien der Stiftung, einschließlich für Promovierende, die parallel zur Ausbildung ihre Doktorarbeit schreiben.

Neu gestartet wurden die Themenklassen des Deutschlandstipendiums: „Aggression und Gewalt“ (gefördert durch den Stiftungsfond „Priv.-Doz. Dr. Harald Leupold-Löwenthal“), „Zukunft“ (gefördert durch die Friedrich Stiftung Hannover sowie „Künstliche Intelligenz und Psychoanalyse“ (gefördert durch den Verein der Freunde und Förderer der IPU und die Stiftung zur Förderung der universitären Psychoanalyse).

Vom Sommersemester 2024 an wird für einen Zeitraum von zunächst fünf Jahren überdies ein neuer Nachwuchspreis vergeben, gestiftet von Dr. Ida di Pietro. Er ist für herausragende Masterarbeiten von Studierenden der IPU vorgesehen und rekurriert auf jährlich wechselnde Schwerpunktthemen, die von einer Jury vorab aus dem Œuvre des Wiener Psychoanalytikers Harald Leupold-Löwenthal (1926-2006) abgeleitet werden (z. B. Migration und Krieg, die Vertreibung der Familie Freud, Freud und Judentum). Außerdem hat ein neuer Studierendenrat seine Arbeit aufgenommen und spürbar frischen Wind in die studentische Selbstverwaltung und Mitbestimmung an der IPU gebracht.

Ein weiterer aufwändiger Schwerpunkt unserer Arbeit neben den täglichen Verpflichtungen in Forschung, Lehre und Selbstverwaltung war die Immobilienfrage. Wir haben eine Etage im Haus 91a neu angemietet, u. a. um der Hochschulambulanz im Haus 3b die Ausdehnung ihrer Nutzflächen zu ermöglichen. Parallel liefen die Verhandlungen mit unserem Hauptvermieter weiter, der uns künftig das vollständige Haus 3b zur Verfügung stellen soll, wofür aber beträchtliche Umbauarbeiten notwendig sind. Die Häuser 1 und 2 werden wir in absehbarer Zeit verlassen müssen. Ein Vorteil besteht darin, dass wir ein komplettes Haus beziehen werden, sodass die IPU auch einen wahrnehmbaren Korpus bekommt und nicht mehr, wie derzeit, nur auf im Campus verstreute Gebäude bzw. Gebäudetrakte verteilt ist. Wenn alles planmäßig verläuft, wird das Haus 3b auch mit einer eleganten und nutzerfreundlichen Eingangszone versehen, das sogenannte „Foyer“, das Raum für die EsBar bieten wird, also eine Cafeteria, aber auch Begegnungsflächen und insgesamt ein Entrée, das unserer Universität angemessen ist.

Die Vorbereitung der Reakkreditierung mitsamt Promotionsrecht auf der einen Seite und die Planungen zu unserer künftigen Unterbringung auf dem Campus auf der anderen waren in der Tat die beiden Hauptschwerpunkte des Agierens der Universitätsleitung und natürlich zahlreicher engagierter Mitwirkender aus den eigenen Reihen bzw. von uns dazu gebetener Fachleute. Das hat 2023 eine Menge Kraft und Zeit gebunden, denn all das erfolgte parallel zum täglichen Lehrbetrieb und zur wissenschaftlichen Arbeit in den in den Forschungsprojekten.

Denn daneben waren die periodischen Highlights im Veranstaltungskalender der IPU vorzubereiten, wie die IPU-Jahrestagung zum Thema „Trieb und Methode“ vom 4. bis 6. Mai, die Dritte Internationale Erich Fromm Research Conference zum Thema „Humanistic Transformation“ vom 8. bis 11. Juni,  die Lange Nacht der Wissenschaften am 17. Juni, der Universitätstag am 8. November, der Career Day am 24. November, die Erich Fromm Vorlesung mit Prof. Dr. Dr. Thomas Fuchs am 30. November, das bereits erwähnte Strategieforum zum Thema „Transformationspsychologie“ am 7. Dezember und vieles mehr. Parallel liefen unsere Abendvorträge, die Vorlesungsreihen, Library Talks der Bibliothek, Veranstaltungen der KrIPU (Studentische Gruppe für Psychoanalyse und Gesellschaftskritik an der IPU Berlin) sowie der Green IPU. Diese Initiative hat 2023 ein Green Office aufgebaut, in dem – eng abgestimmt mit dem Facility Management – alle Fäden zu einem klimafreundlichen Universitätsbetrieb zusammenlaufen.

Im Rahmen unserer internationalen Kooperationen sind diverse Förderanträge an den DAAD bewilligt worden, u. a.  Erasmus+ mit EU- und Nicht-EU-Ländern, PROMOS 2023 und 2024 (Förderung „Studium und Praktika im Ausland“), STIBET I (Förderung „Internationale Studierende“) und StuFen (Förderung „Flüchtlingshilfe“). Daneben könnten wir mit Prof. Dr. Mark Solms (University of Cape Town, Südafrika) von April bis Juli letztmalig den Horst-Kächele-Gastlehrstuhl besetzen. Bezüglich des internationalen Studierendenaustausches konnten wir bis einschließlich SoSe 2023 genau 91 Mobilitäten verwirklichen, zum Wintersemester 2023/24 lagen 48 Neubewerbungen vor. Noch nicht erfolgreich dagegen war unser Antrag zum Status Projekt Erasmus Mundus Joint Master, der zwar mit 76% (= sehr gut) bewertet wurde, angesichts über 91 eingegangener Anträge aber keine Bewilligung fand. Die Arbeit am Neuantrag läuft. In Vorbereitung befindet sich ein Antrag in der neuen DAAD-Programmlinie „Fit“ (= Förderung internationaler Talente zur Integration in Studium und Arbeitsmarkt). Eine Erfolgsmeldung ist der Start unseres neuen englischsprachigen Masterstudiengangs MA Psychology focusing on Organisation. Transformation Processes in Work, Society and Environment im Oktober dieses Jahres.

Beim Stichwort Kooperationen ist – neben der erfolgreichen wissenschaftlichen Neuausrichtung unserer Hochschulambulanz mit dem Schwerpunkt der Gruppenpsychotherapie sowie der Festanstellung weiterer Therapeutinnen und Therapeuten – die Psychoseambulanz zu nennen, die als Zusammenschluss unserer Ambulanz mit der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus Patientinnen bzw. Patienten mit schizophrenen und schizoaffektiven Psychosen behandelt, entsprechende Forschungsvorhaben verfolgt und Studierenden den Erwerb praktisch-klinischer Erfahrungen ermöglicht.

Im Zusammenhang mit unserem Bemühen, die kassenärztliche Zulassung zur Ausbildung von Psychotherapeutinnen und -therapeuten zu erlangen, ist der Zulassungs- bzw. Berufungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung vom Sozialgericht Berlin am 6. September zu einer Neubescheidung unseres Antrags auf der Grundlage einer qualifizierten Bedarfsprüfung verurteilt worden. Wir sind dagegen in Berufung gegangen, um eine unmittelbare Ermächtigung zur Ausbildung zu erwirken. Parallel arbeitet der WIPU-Vorstand intensiv an den Voraussetzungen zum Erhalt der Weiterbildungsbefugnis (neuen Rechts) für die IPU.

Im Team Kommunikation wurde weiterhin monatlich der beliebte psychoanalytische Podcast „50 Minuten“ produziert. Überdies ist auf der IPU-Website dem Thema Forschung neuer Raum gegeben worden, u. a. mit einem Link zur fortlaufenden Aktualisierung von Forschungsprojekten und einer Site „Junge Wissenschaft“ für erste Forschungsarbeiten Studierender. 

Geht es nun um einen Ausblick, dann liegen die Schwerpunkte des Jahres 2024 auf der Hand. Es ist das Jahr des 15-jährigen Bestehens der IPU, das wir gebührend feiern wollen. Für die Zeit vom 25. bis 27. April ist die nächste IPU-Jahrestagung vorzubereiten, bei der es mit dem Arbeitstitel „Affekt und Emotion“ um die politische Psychologie gehen wird. In der zweiten Jahreshälfte steht uns im Rahmen der institutionellen Reakkreditierung die Begehung durch den Wissenschaftsrat bevor, ein weiteres Strategieforum ist zu konzipieren, der erneute Antrag auf den Erasmus Joint Degree vorzubereiten. Wir werden alle Hände voll zu tun haben.

Es ist also gut, dass uns jetzt ein paar Tage zum Ausspannen und Durchatmen bevorstehen. Im Namen der Universitätsleitung wünsche ich Ihnen noch einmal geruhsame, schöne Feiertage, und im Anschluss daran einen gesunden und glücklichen Start in das Jahr 2024.

Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz
(Präsident)