PD Dr. Pradeep Chakkarath und Prof. Dr. Jürgen Straub diskutieren Amy Allens Überlegungen zum »Ende des Fortschritts«
In ihrem Buch zeigt Amy Allen, dass selbst emanzipatorische Theorien der westlichen Moderne oft eurozentrische Maßstäbe reproduzieren und in unkritischer Weise koloniale Machtverhältnisse ausblenden. Besonders die Kritische Theorie bei Jürgen Habermas und Axel Honneth wird daraufhin befragt, ob ihre Fortschrittsvorstellungen wirklich universell gelten können. Statt einer linearen Fortschrittserzählung plädiert Allen für eine selbstkritische, postkolonial sensible Form der Gesellschaftskritik. Emanzipation bleibt dabei möglich, aber ohne die Annahme eines historischen Endziels. Braucht politische Kritik vielleicht gar keine Idee von Fortschritt? Wie kann man universelle Werte vertreten, ohne dabei eurozentrisch zu argumentieren? Und welches Potential haben solche Fragen für die Entwicklung einer neuen Art von Sozialtheorien?
Amy Allen ist Professorin für Philosophie, Frauen-, Gender- und Sexualwissenschaften an der Pennsylvania State University. Sie ist eine der bedeutendsten feministischen Theoretikerinnen der Vereinigten Staaten von Amerika. Ihr Buch The End of Progress: Decolonizing the Normative Foundations of Critical Theory erschien 2016 in New York bei der Columbia University Press (Das Ende des Fortschritts: Zur Dekolonisierung der normativen Grundlagen der kritischen Theorie. Frankfurt a. M.: Campus 2019).