Wissenschaftler

Wissenschaftliches Personal

Christine Kirchhoff

Jun. Prof. Dr. phil., Psychoanalytische Kulturwissenschaften

1. Welche sind Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre?
Meine Arbeitsschwerpunkte sind psychoanalytische Konzeptforschung und psychoanalytische Kultur- und Subjekttheorie. Generell interessiere ich mich für Fragestellungen an der Schnittstelle von Psychoanalyse und Kultur- bzw. kritischer Gesellschaftstheorie. Gegenwärtig interessiert mich das Verhältnis der Psychoanalyse zu ihren naturwissenschaftlichen Nachbardisziplinen, insbesondere zu den Neurowissenschaften. Gemäß eines psychoanalytisch-kritischen Forschungsansatzes frage ich dabei nicht nur nach den konzeptionellen Veränderungen, Schwierigkeiten und Herausforderungen, sondern auch nach den Wünschen und Ängsten, die einen solchen Grenzgang antreiben und begleiten.

2. Welche Inhalte vermitteln Sie in Ihrem Modul?
Ich vertrete im Studiengang psychoanalytische Kulturwissenschaften den psychoanalytischen Zugang. Im Modul "Grundlagen der Psychoanalyse" versuche ich eben diese zu vermitteln, wobei hier natürlich sofort die Frage auftaucht, was denn die Grundlagen der Psychoanalyse sind. Ich versuche zu vermitteln, was für mich die Grundlagen der Psychoanalyse sind und transparent zu machen, wie sich das begründet. Dabei gebe ich eine Einführung in psychoanalytische Begriffe und in psychoanalytisches Denken und versuche für den kulturellen Gehalt der psychoanalytischen Konzepte zu sensibilisieren. Den Studierenden möchte ich dabei die Eigenheiten der Psychoanalyse nahebringen: Als Wissenschaft vom Unbewussten, als Methode, die aus der Klinik in die Forschung übersetzt wurde, als Beitrag zur Erkenntnistheorie und als Subjekt- und Kulturtheorie.

3. Was können Studierende von Ihnen lernen?
Dass Denken Spaß macht, Theorie nicht trocken ist, und dass niemand ohne Theorie auskommt. Theorie ist der Versuch, Erfahrung begrifflich zu fassen, man hat es also mit der Ver- und Bearbeitung von Empirie zu tun. Dieser Versuch gelingt mal mehr und mal weniger, ist mal leicht zugänglich und manchmal sperrig, kann viel Spaß machen aber auch mächtig ärgern - und genau dies zu reflektieren, kann extrem interessant sein. Generell geht es mir darum zu zeigen, dass Psychoanalyse und Kulturwissenschaft nicht zwei getrennte Gebiete sind, die dann inter-disziplinär zusammenzuführen wären, sondern dass in psychoanalytischen Konzepten kulturelle Implikationen enthalten sind, dass die Psychoanalyse transdisziplinär ist und eine wunderbare Möglichkeit bietet kulturelle Phänomene zu untersuchen.

4. Was begeistert Sie an der Psychoanalyse?
An der Psychoanalyse begeistert mich genau das, was sie auch manchmal sehr zur Herausforderung macht: Dass es mit ihr nie langweilig wird und dass sie Leiden beredt werden lassen kann - in der Klinik wie in der Kultur. Und das ist der Anfang von Veränderung.

5. Haben Sie einen Lieblingsspruch?
Meine Lieblingssprüche wechseln. Mein derzeitiger Favorit ist gleichzeitig einer der gelungensten ersten Sätze eines Buches, nämlich: "Theorie ist etwas, das man nicht sieht" von Hans Blumenberg. Und: "Das ist leider alles anders in der Psychoanalyse" von Sigmund Freud. Und von Karl Marx: "Umgekehrt." Und auch schön: "Wir haben Mütter, Mütter/Die bringen uns nach vorn/Die kann sich keiner aussuchen/Die sind angeboren" von Funny van Dannen.

Christine Kirchhoff ist vom Akademischen Senat berufene Vertrauensperson (Mediation) gem. §15 Grundordnung.

Foto Christine Kirchhoff