Wissenschaftler

Wissenschaftliches Personal

Michael B. Buchholz

Prof. Dr. phil. Dr. disc. pol., Sozialpsychologie, Promotionsbegleitprogramm

1. Welche sind Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre?
Als zuständiger Vertreter des Modul 2 bin ich verantwortlich für die Lehre in Grundlagen der Psychoanalyse, also zu den Themen Trieb und Affekt, Wahrnehmung, Denken, Sprechen, Gedächtnis. Dafür haben sich die Psychoanalytiker von Freud an interessiert, daran haben die nachfolgenden Generationen gearbeitet, damit haben sich vielfältige Verzweigungen zu anderen Wissenschaften ergeben. Meine Forschungsinteressen liegen im Bereich der sog. qualitativen Psychotherapieforschung, insbesondere Konversations- und Metaphernanalyse sowie Analyse (biographischer) Narrationen. Die Nützlichkeit und Durchführbarkeit dieser Methodenkombination konnte in einer Studie über Sexualstraftäter gezeigt werden. Weltweit erstmalig gelang es, die besonderen Sprech- und Erzählformen solcher Menschen während einer sozialtherapeutischen Gruppentherapie zu analysieren.

2. Welche Inhalte vermitteln Sie in Ihrem Modul?
Das Studienfach bzw. das Modul 2 enthält eine Darstellung der Biographie Freuds in Verbindung mit den historischen Strömungen eines großen "melting pot" wie es die Stadt Wien seiner Zeit war, eine Darstellung seiner beruflichen Interessen, eine genaue Analyse der Fallgeschichte der Katharina und eine Einführung in seine Behandlungstechnik am Beispiel der Traumdeutung. Hinzu kommt eine Beschäftigung mit den Fehlleistungen, der Theorien von Angst und Sexualität und seine Rehabilitierung der Intentionalität, wenn der - was eine große Leistung war - den Symptomen einen Sinn zuspricht. Thematisch geht die Veranstaltung weiter zu modernen Befunden der Säuglingsforschung und zur kulturellen Vererbung menschlichen Denkens, wie es Michael Tomasello beschrieben hat.

3. Was können Studierende von Ihnen persönlich lernen?
Die Liebe zum Detail - denn nur die Details einer Erzählung entzünden unsere wirklichen Affekte.
Die Liebe zur Theorie - denn nur, was man einmal wirklich durchdrungen hat, erkennt man in seiner therapeutischen Praxis.
Die Liebe zur Praxis - denn sie motiviert uns, weiter nachzudenken und genauer zu hören.
Analytische Vernunft kommt von Vernehmen.

4. Was begeistert Sie an der Psychoanalyse/Psychologie?
Die Psychoanalyse ist eine Lehre des ganzen Menschen, die es erlaubt, von der Tiefe bis in die Höhen zu gehen. Sie scheut sich nicht, von den menschlichen Niederträchtigkeiten zu sprechen, aber sie findet auch Anschlußmöglichkeiten an spirituelle Höhen und vergißt dabei die Mitte nicht, die soziale und kulturelle Dimension, von der wir alle bestimmt sind. Ich finde diese Integration in den Paradigmen der akademischen Psychologie nicht, obwohl ich mich dort etwas auszukennen meine.

5. Haben Sie ein Lebensmotto oder ein Lieblingszitat?
"Geh bis an Deiner Sehnsucht Rand" (Rilke)

Foto Michael B. Buchholz