Gradiva Award 2020 für internationales Forschungsnetzwerk Social Trauma

Die Forschungsgruppe um IPU-Professor Andreas Hamburger aus dem Netzwerk zum Sozialen Trauma hat für ihren Sammelband Forced Migration and Social Trauma den Gradiva Award 2020 von der National Association for the Advancement of Psychoanalysis erhalten. 

HerausgeberInnen des Sammelbandes (von links nach rechts): Andreas Hamburger, Camellia Hancheva, Saime Özçürümez, Carmen Scher, Biljana Stanković und Slavica Tutnjević

Aus dem internationalen Forschungsnetzwerk „Social Trauma“ sind bereits mehrere Veröffentlichungen hervorgegangen, nun wurde der Sammelband Forced Migration and Social Trauma: Interdisciplinary Perspectives mit dem Gradiva Award 2020 ausgezeichnet. Der Preis wird von der amerikanischen Vereinigung National Association for the Advancement of Psychoanalysis vergeben. 

Aus dem Geleitwort von Ivan Krastev, Leiter des Centre for Liberal Strategies in Sofia und des Schwerpunkts „Die Zukunft der Demokratie“ am Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien:

„Soziales Trauma erweist sich als Schlüssel zum Verständnis der vielschichtigen, miteinander verflochtenen und andauernden Prozesse des Überdenkens und der Neuplanung unserer eigenen sozialen Identitäten, der Politik und der globalen Veränderungen. […] Die Entdeckung des ‚Anderen‘, des ‚Fremden‘ im eigenen Inneren könnte der Schlüssel zur Wiederentdeckung der Solidarität in der neuen globalen und mobilen Welt sein.“

Für die Forschungsgruppe ist die Auszeichnung eine besondere Ehre, wie Prof. Dr. Andreas Hamburger betont: „Es ist alles andere als selbstverständlich, dass eine US-amerikanische Vereinigung ein Buch eines Londoner Verlags mit europäischen HerausgeberInnen und AutorInnen auszeichnet.“ An der IPU lehrt er Entwicklungstheorie und Intervention – herausgegeben hat er das Buch gemeinsam mit Camellia Hancheva, Saime Özçürümez, Carmen Scher, Biljana Stanković und Slavica Tutnjević.

Forced Migration and Social Trauma umfasstBeiträge und Dialoge aus Psychoanalyse, Geflüchtetenhilfe, Traumaforschung, Soziologie und Politologie aus Ländern entlang der Balkanroute. Erzwungene Migration ist eine traumatische Erfahrung, nicht nur in den Herkunftsländern, sondern auch in Transit- und Zielländern, oft bedingt durch die sozio-traumatische Geschichte dieser Länder. Das Buch zeigt, wie Fremdenfeindlichkeit in den Aufnahme- oder Transitländern eher durch Projektion als durch Erfahrung hervorgerufen wird und zu unbewussten institutionellen Abwehrhaltungen führt, wie z. B. mangelnder Kooperation zwischen medizinischen, psychotherapeutischen, humanitären und juristischen Institutionen.

Das Netzwerk zum Sozialen Trauma besteht seit 2012 unter der Leitung der IPU Berlin in Kooperation mit Universitäten aus dem Balkan und mit Unterstützung des DAAD.

Der Gradiva Award wird jährlich von der National Association for the Advancement of Psychoanalysis in verschiedenen Kategorien vergeben.

  • 2005 Martin S. Bergmann, Understanding Dissidence and Controversy in the History of Psychoanalysis
  • 2011 Jon Mills, Origins: On the Genesis of Psychic Reality
  • 2012 Donna Orange, The Suffering Stranger
  • 2016 Adrienne Harris; Steven Kuchuk, The Legacy of Sandor Ferenczi
  • 2018 Jill Salberg; Sue Grand, Trans-Generational Trauma and the Other