Der Züricher Psychoanalytiker Peter Widmer wird sich in seinem Vortrag unter anderem mit den von Lacan in Seminar IX verwendeten Begriffen Lexis und Phasis beschäftigen und sie in den Kontext seiner Diskurstheorien stellen, wie er sie vor allem im Seminar XVII, Die Kehrseite der Psychoanalyse ausgearbeitet hat.
In einer Zeit, die scheinbar zunehmend von Prozessen der Desintegration und Sehnsucht nach unterkomplexen Scheinlösungen geprägt wird, ist es an der Zeit, eine solche historische Scheinlösung zu beenden: die Vertreibung des politisch unkorrekten Lacan und seiner Denkweisen aus den deutschsprachigen Fachgebieten der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatischen Medizin.
Aus: Kuwert, P. (2017). Vorwort aus Sicht des stationären Klinikers. In P. Kuwert & M. Meyer zum Wischen (Hrsg.), Jacques Lacan. Eine Einführung in die therapeutische Praxis. Stuttgart: W., Kohlhammer GmbH.
Mit dem Konzept des Diskurses zielt Lacan in erster Linie nicht auf das Inhaltliche, nicht auf das, was im Diskurs, durch den Diskurs gesagt wird, sondern auf das Formale, auf die Gesetze der Sprache. Ihre Elemente, die Signifikanten, verwandeln das Unmittelbare in Mittelbares, verwandeln das mit sich Ungeschiedene in ein Nicht-Identisches, Benennbares, wobei etwas dabei verlorengeht, das Voraussetzung des Genießens ist. Lexis und Phasis, wie auch Gesetz und Begehren weisen unterschiedliche Bezüge zu den einzelnen Diskursen auf. Am Ende werden diese Zusammenhänge noch in einem fünften Diskurs akzentuiert, den Lacan spät ausgearbeitet hat und den er »Diskurs des Kapitalisten« nennt. Er wirft ein Licht auf das, was aktuell in der Weltpolitik geschieht.
Peter Widmer, Dr.phil., Psychoanalytiker in eigener Praxis bis 2024. Gastprofessor an der Universität Kyoto und Lektorat an der Columbia University New York. Initiant und Mitbegründer der Zeitschrift RISS, Mitbegründer des Lacan Seminar Zürich und der Assoziation für die Freudsche Psychoanalyse. Publikationen (Auswahl): Subversion des Begehrens , Turia+Kant, Wien, 1990. Der Eigenname und seine Buchstaben. transcript Bielefeld 2010. Destruktion des Ichs. Psychosozial, Gießen, 2021. Einführung der Deixis in die Psychoanalyse, Passagen, Wien, 2026 (in Vorbereitung). Zahlreiche Vorträge und Seminare im deutschsprachigen Bereich, in Japan, Südamerika und im Iran.

Wann? 22. Mai 2026, 18-20 Uhr
Wo? Hörsaal 4, Alt-Moabit 91b,10559 Berlin
Die Teilnahme ist kostenlos. Eine Anmeldung ist nicht nötig.
Die Veranstaltung wird von der Arbeitsgruppe Lacansche Psychoanalyse organisiert.
In einer Zeit, die scheinbar zunehmend von Prozessen der Desintegration und Sehnsucht nach unterkomplexen Scheinlösungen geprägt wird, ist es an der Zeit, eine solche historische Scheinlösung zu beenden: die Vertreibung des politisch unkorrekten Lacan und seiner Denkweisen aus den deutschsprachigen Fachgebieten der Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatischen Medizin. (Kuwert, 2017, 7)
Anfang 2026 haben Studentinnen der IPU die AG Lacansche Psychoanalyse gegründet, um die Auseinandersetzung mit dem Werk von Jacques Lacan (1901–1981) neu zu beleben und in der psychoanalytischen Community stärker zu verankern.
Die Arbeitsgemeinschaft versteht sich als offener Raum für Austausch, der neue Perspektiven eröffnet und Querverbindungen zwischen verschiedenen psychoanalytischen Ansätzen sichtbar macht. Ziel ist es, Interesse an alternativen Theorieansätzen zu wecken und Lacans Denken auch über spezialisierte Kontexte hinaus zugänglich und fruchtbar zu machen.
Die AG Lacansche Psychoanalyse wird StuRa der IPU finanziell unterstützt.