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MUTTiER

gefördert durch IPU Anschubfinanzierung

Leitung IPU

Prof. Dr. Dorothea von Haebler

Projektbeschreibung

Die Reihe MUTTiER beinhaltet die Auseinandersetzung mit der Sprachlosigkeit, die sich in der dilemmatischen Konstitution von Menschen mit Psychosen zeigt. Es werden insbesondere spezifische Fragen, die in existentiellen Krisen auftreten, wie beispielsweise Rollenbilder von Weiblichkeit, Mutterschaft, die Beziehung zwischen Mutter und Kind ins Zentrum gesetzt und aus künstlerischer, psychiatrischer und psychotherapeutischer Perspektive beleuchtet. An den Schnittstellen von Psychologie, Psychoanalyse, Kunst, Literatur, Gesellschaftspolitik und Psychiatrie wird ein Drittes in künstlerischer und partizipativer Weise entwickelt: Zum einen durch die öffentlichen partizipativen Performances und zum anderen durch Publikationen und Cinematographie. 

Projektbeteiligte

Dr. Irini Athanassakis (Interuniversitäre Einrichtung zu Wissenschaft und Kunst, Paris Lodron Universität Salzburg und Universität Mozarteum Salzburg)

Dr. Meredith Stone (Perinatal Psychiatry and Womens Mental Health, Royal Hospital for Women, Sydney, Australia)

Laufzeit

Projektbeginn: 04/2023
Projektende: 07/2027

Media

Kunst Frau Psychose. MUTTiER. Was nicht gesagt werden kann.
08. September 2023 


In der Vorlesung – einem Gespräch zwischen zwei Psychiaterinnen, einer Künstlerin und dem Publikum – wurden die Themen Kunst, Frau und Psychose gleichzeitig verwoben und entflechtet. Die 'psychotische Sprache' wurde anhand klinischer Beispiele dargestellt und mit psychoanalytischen Theorien zur Frau und Mutter in Verbindung gebracht. Die Mitgestalterinnen suchten ein Drittes – eine Alternative zur Psychose, und eine Brücke zwischen dem Konzept des außersprachlichen ,MUTTiERs' und dem lacanianischen ,Gesetz des Vaters'. Sie spielten mit Formen des Dritten, explorierten das Potenzial der Kunst und der ,écriture feminine', aber zeigten auch, wie ein Drittes im klinischen Raum, manchmal in den ungeahntesten Strukturen, entstehen kann. 

Es war nur im weitesten Sinne eine Vorlesung. Das Publikum wurde eingeladen mitzugestalten – Reparaturen vorzunehmen, einen Text zu schreiben, ein Spinnennetz zu spinnen. Es hat angeregt, Psychose weiter zu ‚denken und spüren‘, das Potenzial einer Psychose und einen Umgang damit zu erahnen.

MUTTiER I IPU 23 FILM

MUTTiER II – Reparaturen: Kinderwunsch Kunst und Psychose
Zu Kinder(Nicht)wunsch, Wunschkindern und Mutterrollen in Kunst und Klinik
15. November 2024


In der Veranstaltung wurden die Expertise einer deutschen Psychiaterin und Psychotherapeutin, einer internationalen Künstlerin und Autorin und einer australischen Perinatalpsychiaterin in den Diskurs gebracht. Aktuelle gesellschaftspolitische und psychologische Aspekte des Kinder(Nicht)Wunsches wurden in Zusammenhang mit Reparatur, Kunst und Psychose gebracht.

Anhand von Beispielen von Menschen mit Psychosen in existentiellen Krisen aufgrund eines unerfüllbaren Kinderwunsches, aufgrund von Mutterrollen und Psychose, bis hin zu den psychischen Implikationen einer Uterus Transplantation wurfen Irini Athanassakis, Dorothea von Haebler und Meredith Stone einen Blick auf Reparaturen, Kinderwunsch und MUTTiERschaft. Theoretische Erkenntnisse, Behandlungsansätze und Beispiele aus der Kunst - erneut anhand von Zeichnungen und Objekten von Louise Bourgeois bis hin zu zeitgenössischen Arbeiten - haben die Veranstaltung begleitet und strukturiert.

MUTTiER III. Wenn die Worte fehlen. 
Kind und Psychose. Die Entstehung von Sprache und Kunst aus der Angst.
16. September 2025

Das Fehlen von Worten kann eine Antwort sein auf Momente existentieller Bedrohung und Ohnmacht, die ein Mensch häufig schon in der frühen Kindheit erlitten hat. Oft verhindert so eine überwältigende Angst ein Finden von Worten, das Bilden von Gedanken. So kann Erlittenes (Winnicott) und auch das, was fehlte, nicht benannt und auch nicht gedacht werden, es fehlen die Worte, um Hilfe oder Abhilfe der Bedrohung zu bitten (Bion). So besteht auch keine oder nur eine stark eingeschränkte Möglichkeit zur Entwicklung eines nicht bedrohlichen zwischenmenschlichen Raumes. Psychosen, mit ihrem kreativen Potential, können dann Sinnzusammenhänge und Narrative generieren, die von anderen Menschen zwar schwierig nachzuvollziehen sein mögen, aber eine Transformierung der Realität schaffen, welche das Nicht-Ertragbare des Realen zeitweise überschreibt. Eine andere Möglichkeit des Schaffens von eigenen Realitäten sind Kunst und Dichtung.

Mit Beispielen dazu aus der Klinik und mit künstlerischen Praktiken im Umgang mit Textilien, Stoffen und Texten aus der Kunst (Louise Bourgeois, Yayoi Kusama und Kirsten Becken) wurden Wege, Metamorphosen bzw. Transformationen des Psychischen vorgestellt. Mit diesen Ansätzen: Bilden von Struktur, von Netzen, vom „Anderen“ und von Narrativen wurde zur Diskussion und zu performativen Handlungen eingeladen.

MUTTiER IV. Bilder sehen. Stimmen hören. 
Medien in Kunst und Klinik
25. September 2026


Halluzinationen und Visionen begleiten die Menschheit durch die Jahrtausende. Sie galten als heilig, satanistisch, visionär oder krankhaft.  Was sahen und sehen Menschen, wenn sie halluzinieren? Was hören sie? Was erzählen diese Bilder und Stimmen? Wie und warum entstehen Bilder und Stimmen, die für andere nicht wahrnehmbar sind? 

Halluzinationen werden oft als Krankheitssymptom verstanden und medikamentös behandelt: vor allem, wenn ein Mensch darunter leidet. Sie können andererseits auch Inspirationsquelle für künstlerische Ausdrucksformen wie Bilder, Musik oder Texte sein. Sie sind ein Ausdruck innerer Vorgänge, der Leid ausdrücken und Perspektive erzeugen kann. Als solches können Sie ein Medium zum Selbst sein.

Mit Hilfe von Beispielen aus Kunst und Klinik wurden unter Anerkennung der leidvollen und gefährlichen Aspekte des Halluzinierens in MUTTiER IV die Besonderheiten und kreativen und heilenden Potentiale erarbeitet und anhand kollaborativer Aktionen mit dem Publikum erlebbar gemacht.

Publikationen

  • Präsentation am 08.09.2023 an der Internationalen Psychoanalytischen Universität Berlin (Dokumentation in Arbeit)
     
  • von Haebler, D. (2026). “MUTTiER. Frau - Psychose – Sprache”, in: Mutige Worte. Ästhetik & Kommunikation. Heft 200/201.
     
  • Stone, M. (2026). „Salat ist eine Katastrophe! Mutlose Zeiten“, in: Mutige Worte. Ästhetik & Kommunikation. Heft 200/201, S. 113.
     
  • Athanassakis, I. (2026). „Kore revisited“, in: Mutige Worte. Ästhetik & Kommunikation. Heft 200/201, S. 44–46.
     
  • Athanassakis, I. (2026). „Hysteria Talks“, in: Mutige Worte. Ästhetik & Kommunikation. Heft 200/201, S. 34–43.
     
  • Athanassakis, I. (2025). POIESIS. Künstlerinnenbuch mit einem Essay von Thomas Ballhausen, gestaltet von Nik Thoenen. Wien: Verlag für moderne Kunst (VFMK).
     
  • Athanassakis, I., von Haebler, D., Stone, M. (2024). Research Diary MUTTiER. Was nicht Gesagt werden kann. To Aloni Edition.