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Vom Stier des Phalaris zum Doom-Scrolling

Ästhetische und psychoanalytische Überlegungen zum Sog des Schreckens

In ihrem Vortrag untersucht die IPU-Promovendin Nora Kühnert am 28. November das Phänomen des Doom-Scrollings aus psychoanalytischer und ästhetischer Perspektive. Der Abend wird organisiert vom Verein der Freunde und Förderer der IPU Berlin e. V.

Das Kompositum aus „Doom“ – Düsternis, Unheil oder Weltuntergang – und „Scrollen“ bezeichnet im psychologischen Diskurs die suchtartige Beschäftigung mit negativen Nachrichten – insbesondere mit Darstellungen von Gewalt. Doom-Scrolling wird als eine Alltagspraxis betrachtet, die von einer Lust am Schrecken herrührt. Ausgehend von Sigmund Freuds Unterscheidung von Angst, Furcht und Schreck verbindet der Vortrag psychoanalytische Überlegungen mit Klaus Heinrichs historischer Typologie der Schreckensverarbeitung. Doom-Scrolling wird dabei als eine neue, digitale Stufe der Schreckensverarbeitung verstanden, die durch die Wiederholung überwältigender Augenblicke auf deren ästhetische Zähmung abzielt. In Anknüpfung an Klaus Heinrich bezeichnet Sog, ähnlich der Sucht, die Gegenbewegung zu einer aufklärerischen Vorstellung von Begehren, die nicht auf ein Ziel gerichtet ist, sondern in der Auflösung jeden Ziels besteht. Die Metaphorik des Sogs ist laut Heinrich die des Meeres und kulturell wie mythologisch weiblich konnotiert.

Im Anschluss an eine Recherche im Rahmen des Klaus-und-Renate-Heinrich-Stipendiums soll der Versuch unternommen werden, den Sog des Schreckens anhand Heinrichs faszinationsgeschichtlicher Deutungen mythologischer Figuren – wie Medusa oder der Stier des Phalaris – auf unterschiedliche Konstellationen von Blick, Körper, Gewalt und Selbstauflösung zu analysieren und anhand von Dias aus den Dahlemer Vorlesungen zu illustrieren. Mit Blick auf die Gegenwart stellen sich schließlich die Fragen: Lässt sich Doom-Scrolling als eine spezifische Form ästhetischer Subjektivität in der digitalen Ära verstehen? Zeichnet sich darin möglicherweise die Gestalt eines neuen ästhetischen Subjekts ab, das den Schrecken nicht bewältigen kann und sich stattdessen in der endlosen Bewegung des Scrollens ewig an ihn bindet? Inwiefern ist diese Form der Schreckensverarbeitung selbst geschlechtlich konnotiert?

The Lecturer

Nora Kühnert ist Psychologin und Psychoanalytikerin in Ausbildung (DGPT/DPV). Sie promoviert an der Internationalen Psychoanalytischen Universität Berlin (IPU) zum Thema Doomscrolling und ist Stpendiatin der Klaus und Renate Heinrich-Stiftung.

Nora Kühnert ist Psychologin und Psychoanalytikerin in Ausbildung (DGPT/DPV). Sie promoviert an der Internationalen Psychoanalytischen Universität Berlin (IPU) zum Thema Doomscrolling und ist Stpendiatin der Klaus und Renate Heinrich-Stiftung.

Informationen und Anmeldung

Termin
Samstag, 28.11.2026

Wann
19.30 bis 21.00 Uhr Vortrag, im Anschluss findet ein kleiner Empfang statt

Wo
Hörsaal 1, 3. Etage, Stromstraße 2, 10555 Berlin

Bitte melden Sie sich bis zum 22.11.2026 per E-Mail (freunde@ipu-berlin.de) an.

Die Veranstaltung wird organisiert vom „Verein der Freunde und Förderer“ der IPU Berlin e. V., Dr. Anna Krewani, Giovanni Peduto, and Benedikt Salfeld