Was hat sie davon? Trad Wives, faschistische Frauen und die Lust an der Unterwerfung
Ein Vortrag von Nina Zimnik
Rechtsextreme Frauen treten verstärkt und eigenständig in der Öffentlichkeit auf. Seit Beginn der 2020er-Jahre erlebt die Tradwife-Bewegung (Kurzform für traditional wife, zu Deutsch „traditionelle Ehefrau“) einen weltweiten Durchbruch als viraler Social-Media-Trend. Ästhetik, Ideologie und Strategien der Inszenierung beider Gruppen bewegen sich teils auf einem Kontinuum oder überlappen sich.
Der Vortrag analysiert weibliche Subjekte auf dem rechten Spektrum, die konservative bis rechtsextreme Geschlechterrollen vertreten. Was reizt Frauen an solchen Positionen? Mit Bezug auf das Spätwerk von Jacques Lacan und anschliessende lacanianische Ideologiekritik wird argumentiert, dass sie einen Gewinn aus der Unterwerfung ziehen, die die Ideologie von ihnen fordert, nämlich eine Stabilisierung. Ideologie ihrer sinthomatischen Dimension ermöglicht eine Form der Bindung des Geniessens (jouissance).
Zur Referentin
Nina Zimnik ist Kulturwissenschaftlerin mit besonderen Schwerpunkten in Psychoanalyse, kontinentaler Philosophie, visueller Kultur und Kommunikation. Sie ist Hauptamtliche Dozentin im Department Architektur und Technik der Hochschule Luzern (Schweiz) und hatte Gastprofessuren in den USA und in Frankreich inne. Ihre wissenschaftliche Arbeit wurde durch zahlreiche Stipendien und Auszeichnungen gefördert, u. a. vom DAAD, der Deutschen Forschungsgemeinschaft, dem National Endowment for the Humanities (The Writer`s Room), der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Baden-Württemberg-Stipendium. Sie promovierte in Vergleichender Literaturwissenschaft an der State University of New York at Buffalo und erwarb ihren M.A. in Germanistik an der University of Massachusetts Amherst.