Vortragsabend der Freunde & Förderer der IPU
Der Vortrag beschäftigt sich mit psychisch erkrankten Instagram-Usern und deren konflikthaften Wünschen und Ängsten. Vielfach wird in der digitalen Sphäre Heilung von psychischen Leiden gesucht. Auf sogenannten Recovery-Accounts werden die persönlichen Krankheitsgeschichten multimedial anhand von Texten, Fotos und Videos inszeniert. Es soll sich auf die Spur der unbewussten Bedeutungs- und Bedürfnisdimensionen dieser digitalen Inszenierung von Leidensgeschichten und Heilungswünschen begeben werden. Ein besonderer Fokus liegt darauf, wie die spezifischen digitalen Funktionen mit psychischen Funktionen korrespondieren, diese womöglich prothesenartig restituieren oder gar degenerieren. Von besonderer psychischer Bedeutung scheint die Möglichkeit der technisch vermittelten Einflussnahme auf die Ab- und Anwesenheit von Objekten zu sein. Dabei zeigen sich nicht nur regressive Verschmelzungswünsche, sondern auch separative Expansionsbestrebungen. Es werden erste Ergebnisse aus der tiefenhermeneutischen Interpretation dreier themenzentrierter Forschungsinterviews mit Recovery-Account-Betreiberinnen vorgestellt, die abschließend gemeinsam diskutiert werden sollen.
Julia Degenhardt:
#BorderlineRecovery. Zur subjektiven Bedeutung von Recovery-Accounts auf Instagram