IPU-Jahrestagung - Conditio humana in Zeiten künstlicher Intelligenz: Psychische, soziale und kulturelle Grenzverschiebungen
12.11. bis 13.11.2026
Die nunmehr bereits dritte Jahrestagung der IPU stellt die Conditio humana im Spannungsfeld zwischen Anwendungen künstlicher Intelligenz in psychologischer Diagnostik und Psychotherapie bis hin zu digitalen Kulturen und Fantasien von Human Enhancement durch das Digitale in den Mittelpunkt. Chancen, Folgen und (un)begrenzte Möglichkeiten künstlicher Intelligenz gilt es auszuloten.
Harald Baumeister, Elfriede Löchel, Natascha Adamowsky und André Kerber werden sich im Rahmen von Vorträgen diesen Themenfeldern widmen mit Repliken von Kolleginnen und Kollegen der IPU. Die Jahrestagung schließt mit einem von Christian Uhle moderierten Podiumsgespräch.
Programm
12. November
18:00 – 19:30 Uhr Auftaktvortrag, anschließend Empfang
Harald Baumeister: „Künstliche Intelligenz in Psychodiagnostik und Psychotherapie“
Prof. Dr. Harald Baumeister (Universität Ulm): „Künstliche Intelligenz in Psychodiagnostik und Psychotherapie“
Der Vortrag „Künstliche Intelligenz in Psychodiagnostik und Psychotherapie“ beschäftigt sich mit dem Einsatz KI-basierter Verfahren in der Durchführung, Unterstützung und wissenschaftlichen Erforschung psychotherapeutischer Prozesse. Zu Beginn wird erläutert, was unter künstlicher Intelligenz zu verstehen ist und welche technischen Ansätze für den Bereich der psychischen Gesundheit besonders relevant sind. Darauf aufbauend werden verschiedene konkrete Anwendungsfelder vorgestellt.
Dargestellt wird die aktuelle Evidenz zu KI-basierten Dokumentationshilfen, die therapeutische Fachkräfte beispielsweise bei der Erstellung, Strukturierung und Auswertung klinischer Notizen unterstützen. Als Schwerpunkt werden Mental-Health-Chatbots betrachtet in Hinblick auf deren Evidenz sowie insbesondere die Nutzung der unregulierten großen Sprachmodelle bei psychischen Belastungen und Störungen. Weitere Themen sind Clinical Decision Support Systeme, die Fachpersonen bei diagnostischen und therapeutischen Entscheidungen unterstützen, sowie Just-in-Time Adaptive Interventionen, kurz JITAI. Diese passen Interventionen möglichst genau an die aktuelle Situation, den Bedarf und den Zustand einer Person an.
Der Vortrag fasst den gegenwärtigen wissenschaftlichen Forschungsstand zu diesen Anwendungen zusammen und diskutiert sowohl ihre Potenziale als auch ihre Grenzen. Dabei werden mögliche Vorteile wie Qualitätssicherung, personalisierte Behandlungsangebote und optimierte Nutzung der therapeutischen Zeit ebenso thematisiert wie Herausforderungen in den Bereichen Datenschutz, Zuverlässigkeit, Transparenz, ethische Verantwortung und klinische Sicherheit.
13. November
09:30 – 10:15 Elfriede Löchel: „Digitale Kränkung, Human Enhancement und Prometheische Scham“
10:15 – 11:00 Replik & Debatte: Christine Kirchhoff
11:00 – 11:30 Kaffeepause
11:30 – 12:15 Natascha Adamowsky: „Unheimliche Lebendigkeit“
12:15 – 13:00 Replik & Debatte: Benigna Gerisch
13:00 – 14:00 Mittagspause
14:00 – 14:45 André Kerber: „Psychotherapie im digitalen Wandel: Von verordnungsfähigen DiGAs bis zur generativen KI“
14:45 – 15:30 Replik & Debatte: Lars Kuchinke
15:30 – 16:00 Kaffeepause
16:00 – 17:30 Podiumsgespräch mit Christian Uhle (Moderation), Georgia Böckel (Master-Studentin, IPU), Marina Palazova (WiMi, IPU), Katarina Busch (SFI), Tamara Fischmann (Professorin, IPU)
17:30 – 18:00 Tagungsresümee
18:00 Empfang