„Das psychoanalytische Paradigma zu fördern hat mich absolut überzeugt“

Mit Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz übernimmt ein erfahrener Hochschulmanager das Amt des IPU-Präsidenten. An der psychoanalytischen Universität ist sein Ziel „exzellente Wissenschaft“.

Das fachliche, wissenschaftliche Profil der IPU stärken, das Promotionsrecht erreichen, die wirtschaftliche Stabilität fördern und den Standort weiterentwickeln – das sind die zentralen Ziele des neuen Präsidenten der IPU. Zu seinem Amtsantritt betont Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz aber auch, dass ihm die Leitung der psychoanalytischen Universität ein inhaltliches Anliegen ist: „Kulturelle, wirtschaftliche, soziale Gegebenheiten miteinbeziehen und das, was uns Menschen ausmacht und entwickeln lässt, einzubetten in einen größeren gesamtgesellschaftlichen Kontext, ist im besten Sinne interdisziplinär.“ Damit setzt er am Gründungsgedanken der IPU an und sieht darin ein Potenzial mit wichtigen Entfaltungsmöglichkeiten: „Das psychoanalytische Paradigma zu fördern hat mich absolut überzeugt.“

Nach dem einstimmigen Beschluss des Akademischen Senats bereits im Dezember 2020 hat Prof. Dr. Jan-Hendrik Olbertz am 1. Juli das Amt des Präsidenten der IPU angetreten. Er folgt damit auf Prof. Dr. Lilli Gast, die für ein Jahr die IPU als Interimspräsidentin geleitet hat und ab August in den Stiftungs- und Aufsichtsrat der Trägerstiftung zurückkehrt. Jan-Hendrik Olbertz ist nach Jürgen Körner, Martin Teising und Ilka Quindeau sowie schließlich Lilli Gast der fünfte Präsident der IPU. Zum ersten Mal tritt das Amt ein Wissenschaftler an, der selbst nicht über eine psychologische oder psychoanalytische Ausbildung verfügt. Jan-Hendrik Olbertz ist Erziehungswissenschaftler, doch sieht er sich als „ausgesprochen affin“ gegenüber der Psychoanalyse: „Die Erziehungswissenschaft hat denselben Gegenstand, den Menschen, sein Empfinden, Werden, Fühlen. Insofern sind mir Psychologie und Psychoanalyse nicht fremd.“

Das Thema mache für ihn einen Reiz aus – insbesondere im Kontext der aktuellen Wissenschaftslandschaft. Mit Bezug auf die IPU sagt er: „Mich reizt ihre faszinierende Gründungsgeschichte, mich reizt auch ihr Anspruch, die Ausweitung und Wiedergewinnung psychoanalytischer Perspektiven in der Wissenschaft zu verkörpern.“ Er sieht die Leitung einer privaten Universität aber auch als Herausforderung. „Wenn in Berlin immer von einer reichen und pluralen Hochschullandschaft die Rede ist“, so Olbertz, „dann passt es nicht, dass die privaten Hochschulen aus der staatlichen Förderung weitgehend ausgeblendet sind.“

Olbertz ist ein erfahrener Hochschulmanager und in der Berliner Hochschullandschaft unter anderem durch seine Präsidentschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin von 2010 bis 2016 bekannt. Promoviert wurde er an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, wo er sich auch habilitierte, bevor er 1992 zum ordentlichen Professor berufen wurde. Als Gründungsdirektor war er von 1996 bis 2000 am Aufbau des Instituts für Hochschulforschung Wittenberg (HoF) beteiligt. Danach wechselte er von 2002 bis 2010 als Kultusminister (parteilos) des Landes Sachsen-Anhalt in die Politik.