Dr. Frank Schumann

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

IPU Berlin
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10555 Berlin
Tel.: +49 30 300 117-743
E-Mail: frank.schumann(at)ipu-berlin.de

In der Lehre konzentriere ich mich hauptsächlich auf den Fachbereich Sozialpsychologie. Dabei stehen Ansätze im Vordergrund, die erklären, wie Menschen die soziale Umwelt erleben, diese psychisch repräsentieren und welche Rolle das im Verständnis der eigenen Person spielt. In meinen Seminaren geht es konkret etwa darum, wie soziale Klassifikationsschemata, Vorurteile und Stereotype entstehen, wie sich soziale Identitäten bilden und erhalten, oder was die psychischen Bedingungen von Autoritätsverhältnissen sind.

Phänomene wie diese werden dabei nicht allein als soziale Kognitionen behandelt, die sich isoliert im Kopf der Menschen abspielen. Es wird ebenfalls versucht, psychische Prozesse als Teil von sozialen Interaktionsbeziehungen begreiflich zu machen und so eine Verbindung zu den gesellschaftlichen Lebensbedingungen herzustellen. Daher finden sich in meinen Seminaren nicht selten Bezüge, die die Sozialpsychologie im engeren Sinne übersteigen – etwa auf Soziologie, gelegentliche aber auch auf Sozialphilosophie, politische Theorie oder Ethnologie. Auf diese Weise möchte ich ein Verständnis von Sozialpsychologie vermitteln, in der sie Teil einer multidisziplinären und -paradigmatischen Wissenschaftslandschaft ist. Das bildet sich auch in den behandelten methodischen Zugängen ab. Neben den üblichen quantitativen und experimentalen Methoden kommen hier auch qualitative Forschungsdesigns zu Wort.

Meine Forschungs- und Arbeitsinteressen sind ganz allgemein von der Frage bestimmt, was die subjektiven Bedingungen und Verarbeitungsweisen des Lebens in modernen Gesellschaften sind. Damit ist mein Forschungsinteresse an der Schnittstelle von Sozialpsychologie, Soziologie und Sozialphilosophie angesiedelt. Besonders beschäftigt mich, wie Menschen soziale Fehlentwicklungen oder Missstände wahrnehmen, was also so etwas wie ‚soziales Leiden‘ konstituiert und wie daraufhin Prozesse der Kritik einsetzen. Damit ist zum einen eine theoretische Fragestellung berührt: Was sind die normativen Grundlagen von Sozialkritik und was kann als soziale oder subjektive ‚Pathologie‘ verstanden werden? Zum anderen betrifft das aber auch die eher forschungspraktische Frage, wie Momente sozialen Leidens überhaupt registriert und rekonstruiert werden können – etwa im Rahmen einer therapeutischen Behandlung, aber auch in sozialpsychologischen oder sozialwissenschaftlichen Untersuchungen.

Aktuell gehe ich der Frage in einem eher politiktheoretischen Kontext nach und untersuche, wie Wahrnehmungen sozialer Problemlagen von Menschen politisch artikuliert werden und welche Logik in dieser Form der öffentlichen Kritik liegt; wobei hier besonders die Sympathie mit rechtspopulistischen Politikangeboten im Vordergrund der Erklärung steht. Vor dem Hintergrund politik- und sozialtheoretischer Überlegungen versuche ich hier sozialpsychologische Ansätze zur sozialen Kognition mit der französischen Soziologie der Kritik zu verbinden.