Michael M. Dittmann

M.A., Wissenschaftlicher Mitarbeiter

IPU Berlin
Stromstr. 3b - Raum 1.48
10555 Berlin
Tel.: +49 30 300 117-736
E-Mail: michael.dittmann(at)ipu-berlin.de

Schwerpunkte in der Lehre

Von der Grundidee ausgehend, dass Psychologie Beobachtungswissenschaft (Buchholz, 2015) ist, ist es Ziel meiner Veranstaltungen, wissenschaftliches Arbeiten als beobachtender Psychologe kennenzulernen - und daraus eine Haltung mit dezidierten Handlungskonzepten abzuleiten.

Dabei ist eine Voraussetzung, dass wir uns nicht ‚in die Köpfe schauen‘ können und einem interpretativen Interaktionsparadigma (Blumer, 1981) folgend, Bedeutung lokal, also in der Situation realisiert wird und dabei durch das „Nadelöhr der Kommunikation“ hindurchmuss, „damit es in der Welt überhaupt relevant werden kann“ (Bergmann, 2000, S. 127). Daraus leitet sich die methodisch-empirische Konsequenz ab, dass sich die Herstellungsprozesse dieser kommunikativen Mittel (bspw. beim Austausch von Grüßen) über technische Fixierung (bspw. Audio- und Videographie und Transkription) nachzeichnen lassen und sich prinzipiell für quantitative Datenanalysen anknüpfbar machen. So rücken mikrozeitliche Prozesse in den Blick, die das Verhältnis von mikro=‘kleines Teil der Welt‘ umformen zu mikro=umfassend (was mit „einer Welt im Sandkorn“ metaphorisch-lyrisch aufgegriffen wird (Blake, 1972 [1801], S. 13)).

Theoretisch-methodologische Schwerpunkte sind Ethnomethodologie (Garfinkel, 1967), Konversationsanalyse (Sacks, Schegloff & Jefferson, 1974) und multimodale Videoanalyse (Goodwin, 2006) mit computergestützten Verfahren (Boersma & Weenink, 2014; Friese, 2018) aus psychoanalytischen und anderen psychodynamischen Perspektiven (Beebe & Lachmann, 2003).

Inhaltlicher Schwerpunkt sind grundlegende Forschungsbefunde zur Komplexität sozialer Interaktion in Alltag und Psychotherapie aus unterschiedlichen Perspektiven (Enfield & Levinson, 2006): i) Kultur, ii) (Entwicklungs-)Psychologie, iii) Linguistik, iv) Kognition und v) Evolution. Das Wie der Herstellung von sozialer Interaktion wird dabei eine zentrale Rolle einnehmen, wobei die Interaktion als eine multimodal verteilte deutlich wird, eingebettet in einem systematischen Spannungsverhältnis von Individuum und Interaktion.

Schwerpunkte in der Forschung

Aktuell bin ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Sozialpsychologie mit einer „Qualifikationsstelle“ neben Lehre v.a. in der Forschung an psychotherapeutischer Interaktion interessiert, was auch Gegenstand meiner Dissertation zu „rekurrenten psychotherapeutischen Interaktionsstrategien“ ist. Dabei untersuche ich mit einem linguistischen Fokus und anhand mehrerer Psychotherapie-Daten-Korpusse, wie Neues (bspw. im Umgang mit problematischen Erfahrungen) in der Psychotherapie hergestellt und prozessiert wird.
 

Ausgewählte Forschungsprojekte

08/2012 – 07/2013 Studentischer Mentor im Forschungsprojekt Förderung der Eltern-Kind-Beziehung in Kindergärten - Erwachsenenbildung/ Frühe Hilfen und Frühförderung in einer Hand

06/2014 – 02/2015 Studentischer Mitarbeiter im Forschungsprojekt Aporien der Perfektionierung in der beschleunigten Moderne

01/2015-12/2015 Studentischer Mitarbeiter im Forschungsprojekt Conversation Analysis of Empathy in Psychotherapy Process Research (CEMPP)

01/2015-01/2017 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt Konversationelle
Aspekte des Unbewussten

04/2016-04/2017 Wissenschaftlicher Mitarbeiter einer ergänzenden Untersuchung zum
CEMPP-Projekt über Typische Problematische Situationen

07/2016 – 07/2018 Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsprojekt des interdisziplinären Kompetenz-Netzwerks Gesprächsforschung PICOR (Psychoanalytic Interdisciplinary Conversation Research)

 

Weitere Informationen

Medienberichterstattung
Jakubowski und Schadwinkel (2017).
Ein Hashtag allein ist kein Zeichen für Mitgefühl (ZEIT ONLINE Artikel nach einem Interview mit mir): www.zeit.de/wissen/2016-12/empathie-mitgefuehl-anschlag-berlin-opfer/komplettansicht

Professionelle Publikationen
Dittmann, M.M.; Michaelis, D. (2015). Bericht von der 11. DPG Summer School 2015 in Potsdam. <http://www.dpg-psa.de/Summer-School.html>. 06.01.2016
Dittmann, M. M. (2015). Forschung und Forschen im Austausch. In: The Freudian Slip. Berlin. S. 13-14.
Dittmann, M.M. (2015). Was, wie und bei wem Forschen an der IPU?. In: The Freudian Slip. Berlin. S. 27-29.
Dittmann, M.M. (2016). Begegnungen. Ein Bericht anlässlich des zehnjährigen Abitur-Jubiläums des Jahrgangs 2005. In: Dahlemer Blätter, hrsg. von Freunde des Arndt-Gymnasiums e. V., Berlin.

"Die Erscheinung verbirgt nicht das Wesen, sie enthüllt es: sie ist das Wesen. Das Wesen eines Existierenden ist nicht mehr eine im Hohlraum dieses Existierenden steckende Fähigkeit, es ist das manifeste Gesetz, das die Aufeinanderfolge seiner Erscheinungen leitet, es ist die Regel [raison] der Reihe." (Sartre, 1943/1993, S. 11)