Studiengang

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Promotionsbegleitprogramm PSAID

Postgraduate Study Programme to Accompany Individual Doctoral Dissertations (PSAID)

Das PSAID-Programm wird in englischer Sprache durchgeführt, damit auch auswärtige Studierende teilnehmen können. Diskussionen finden in englischer Sprache statt, die Dissertation selbst kann in deutscher oder englischer Sprache verfasst werden.

Flyer PSAID

Das neue Promotionsbegleitprogramm PSAID an der International Psychoanalytic University (IPU) Berlin basiert auf der Grundüberzeugung, dass menschliches Handeln eine Dimension unbewussten Sinns artikuliert, der sich alltäglicher Beachtung und Beobachtung in aller Regel entzieht. Psychoanalytisch zu forschen heißt demnach, Instrumente und Methoden zu entwickeln und zu nutzen, die unbewussten Sinn vernehmbar machen. Unbewussten Sinn zu erkennen, zu verstehen und schließlich zu behandeln setzt voraus, seine Äußerungen und deren Formate zu kennen. Der Erweiterung dieses Wissens sollen die anzufertigenden Promotionen dienen, um in Klinik und Kultur Handlungshorizonte zu erweitern. Zur Anwendung kommen Methoden der empirischen Psychotherapieforschung, die sich international in zahlreichen Studien bewährt haben. Interventions- und Wirkungsforschungen müssen sich mit Untersuchungen des therapeutischen Prozesses verknüpfen; dies Geschehen ist v.a. durch Sprechen gekennzeichnet.

Die Untersuchung bestimmter Äußerungsformate, die Verwendung bestimmter rhetorischer Figuren, die multimodale Erweiterung der Konversation durch Gestik und Mimik im Sinne der Prozessforschung kann dabei die sozialwissenschaftlichen Methoden der Mikroanalyse von Gesprächsstrukturen nutzen; sie reichen von Inhaltsanalyse bis zur Konversationsanalyse, von der Untersuchung medialer Einflüsse bis zur Darstellung und Analyse biographischer Narrative.  

Solche traditionell als "qualitativ" bezeichneten Methoden haben sich erheblich verfeinert. Sie finden nicht nur bei der Analyse klinischer Gespräche Anwendung, sondern auch bei anderen Formen institutioneller Kommunikation. Die Untersuchung von Äußerungen unbewussten Sinns an institutionellen "Orten" wie zwischen Arzt und Patient, zwischen Ehepartnern oder vor Gericht, bei freundschaftlichen Dialogen, bei der Behörde,  beim Klatsch oder "beim Bier" soll durchaus zu den im Rahmen des Promotionsprogramms bearbeitbaren Themen gehören, aber auch die Analyse medialer "Events", die Äußerungsformate von Politikern – in welchen Metaphern wird "die Eurokrise" erläutert? –, TV-Dialoge, die Erzeugung von Gelächter in der Satire, die Produktion von Applaus durch „Appeal“ an unbewusste Zusammenhänge bei Talk-Shows usw. Die Psychoanalyse muss sich in ihren Untersuchungsinteressen keineswegs auf das Behandlungszimmer beschränken, sie kann auf alle Bereiche des Menschlichen ausgreifen. Und das sind dann immer auch kulturelle Formate.

Schwerpunkte des Promotionsbegleitprogramms PSAID

Im Programm sollen die folgenden Schwerpunkte gebildet werden.

1. Bindung und Diskurs
Säuglinge regulieren Nähe und Distanz körperlich, Erwachsene regulieren Nähe und Distanz mit Worten, mit Briefen über weite Entfernungen hinweg, mit Gesten ohne Berührungen, kurzen Blicken. Bei denselben Individuen haben sich vergleichbare Bindungsmuster stabil gehalten. Wie aber gelingt eigentlich der Übergang vom Vorsprachlichen ins Sprachliche? Und umgekehrt: In welche vorsprachlichen Tiefen reicht das gesprochene Wort? Denn wir wissen, dass kaum etwas so verletzen kann, wie eine Bemerkung, aber das richtige Wort an der richtigen Stelle heilt. Dies ist nicht nur klinisches, es ist uraltes Kulturwissen, aber wenig en detail erforscht.

2. Träume erzählen und Traumerzählung
Wann werden Träume erzählt? Gibt es narrative Formate für die Traumerzählung? Welcher Modus der "Person-Referenz" wird benutzt, um jemandem einen Traum zu erzählen? Werden Träume "adressatenorientiert" erzählt und welche Folgen hätte das für Träumen, Traum und Traumbericht? Welche Nähe zueinander haben Träume und die Figur der Metapher oder andere figurative Sprechformate?

3. Der Analytiker im Prozess
Freud hatte den Beruf des Psychoanalytikers als "unmöglich" bestimmt. Wie bewältigen Analytikerinnen und Analytiker ihren Beruf? Ihren Alltag? Wie kommen sie mit persönlichen Problemen (Scheidungen, Verlusten, Kindern etc.) zurecht? Wie werden sie verändert? Was lernen sie von ihren Patienten über sich selbst? Welche Entwicklungspfade lassen sich ermitteln, um von verschiedenen Ausgangspositionen zu einem "guten Analytiker" zu werden? Was heißt: "persönliche Integrität"? Gibt es "Typen" von Analytikern und was unterscheidet sie? Bevorzugen sie bestimmte Patienten und wenn ja: zu Recht?

4. Beratung durch Studierende
Studierende der IPU sollen eine praxisnahe Anschauung von psychoanalytischer Kompetenz in Zusammenarbeit mit Beratungsdiensten erwerben. Diese Kurztherapien sollen wiederum erforscht werden. Welche "natürlichen" Kompetenzen haben Studierende? Wer eignet sich für die Beratung durch Studierende? Welche Prozesse lassen sich beobachten?

5. Theoretische Psychoanalyse und psychoanalytische Subjekttheorie
In diesem Arbeitsfeld sind Untersuchungen angesiedelt, die die Psychoanalyse aus der Perspektive geistes-, kultur-, und sozialwissenschaftlichen Denkens betrachten und umgekehrt psychoanalytisches Denken in einen Dialog mit diesen Nachbarwissenschaften bringen. Im Zentrum stehen Theorien des Subjekts sowie die Generierung psychoanalytischer Forschungsmethoden. Welche Anschlußstellen sind zwischen der Psychoanalyse und anderen zeitgenössischen Subjekttheorien und Diskursen auszumachen? Wie lassen sich die Voraussetzungen für psychoanalytische Forschung wissenschaftstheoretisch und erkenntnistheoretisch bestimmen? Und wie können auf dieser Grundlage psychoanalytische Forschungsmethoden in nicht-klinischen Bereichen entwickelt werden?

Aufbau

Die Teilnehmer des Doktoratsprogramms treffen sich zu 2 bis 3 Wochenendterminen pro Semester; Gesamtdauer 6 Semester. Dabei werden sie von den Professoren der Universität in Methoden unterrichtet und diese stehen für die Diskussion der je eigenen Forschungsvorhaben zur Verfügung. Experten für bestimmte Methoden sollen zu Veranstaltungen eingeladen werden, damit die Teilnehmer ihrerseits Gelegenheit haben, ihre inhaltlichen und methodischen Fragen zu diskutieren. Bei eigenen Tagungen sollen interessierte Gäste eingeladen werden, denen die Promotionsvorhaben vorgestellt werden und die ihrerseits Anregungen geben und empfangen können.

Ziele

Anfertigung einer Dissertation mit dem Ziel der Erlangung eines Dr. phil. Dazu wird, solange die IPU noch kein eigenes Promotionsrecht hat, die Zusammenarbeit mit anderen Hochschulen eingerichtet; mit der Berliner Humboldt-Universität (Institut für Rehabilitationswissenschaften) besteht bereits eine Kooperationsvereinbarung, mit anderen Universitäten bestehen zugesicherte Möglichkeiten der Promotion. Ein weiteres Ziel ist, gut ausgebildete Forscher zu haben, die ihrerseits klinische Psychologie und Kulturwissenschaft bereichern können und die Psychoanalyse auf hohem wissenschaftlichen Niveau ausbauen und weiter entwickeln.

Kosten

Ab dem Sommersemester 2016 erhebt die IPU erhebt eine Verwaltungsgebühr von 700 Euro pro Semester; sie bietet den Studierenden des Promotionsstudiums die Möglichkeit, kostenlos an einer weiteren Lehrveranstaltung teilzunehmen. Für die Teilnahme an weiteren Lehrveranstaltungen werden lediglich die verringerten Gasthörer-Gebühren erhoben.