Forschungsprojekte der IPU

Die klinische Praxis und die Forschung

Prokrastination. Psychoanalyse und gesellschaftlicher Kontext

2015–2018 / Leiterin: Prof. Dr. Christine Kirchhoff

Wissenschaftliche Mitarbeit: Carolin Schnackenberg (M.A.), Tom Uhlig (11/15 – 14/16)

Gefördert durch: Stiftung für Psychoanalyse und Psychotherapie, Köhler-Stiftung

Dass nicht auf morgen verschoben werden sollte, was auch heute getan werden könnte, das weiß schon der Volksmund. Und diese Mahnung wäre nicht so verbreitet,  wenn nicht die Tendenz bestünde, es eben doch zu tun. Diese weitverbreitete menschliche Eigenheit avancierte zum psychologischen Fachbegriff; „Prokrastination“ (engl. procrastination) bezeichnet hier das unplanmäßige Aufschieben alltäglicher Aufgaben, welches im Übermaß mit einem subjektiven Leidensdruck einhergehen kann.

Als Gegenstand psychologischer Forschung ist Prokrastination ein recht junges Phänomen, das vormals eher in der Ratgeberliteratur behandelt wurde. Die akademische Psychologie nahm sich dem Thema erst in den 1980er Jahren an, wobei vor allem nach dem Zusammenhang mit bestimmten Eigenschaften der Persönlichkeit und der Aufgaben sowie motivationalen Bezügen der Handlungsplanung gefragt wurde.

Ziel des Forschungsprojektes an der IPU ist es, eine Perspektive zu eröffnen, die zum einen psychoanalytisch-psychodynamische Aspekte (das subjektive Erleben) und zum anderen den gesellschaftlichen Kontext (die gesellschaftliche Bedeutung) von Prokrastination fokussiert. Die Psychoanalyse verspricht einen erkenntnistheoretisch fundierten Zugang zum Unbewussten der Prokrastination und ihrer latenten Bedeutung innerhalb des Individuums und der Gesellschaft.

Gegenwärtig erheben wir im Rahmen unserer empirischen Studie themenzentrierte Interviews und werten diese im Kontext einer Interpretationsgruppe tiefenhermeneutisch aus. Weiterhin planen wir ein Themenheft zur Prokrastination, das im kommenden Jahr in der Zeitschrift psychosozial erscheinen wird. Neben einem Einblick in unsere Arbeit in Form eines "Berichts aus der Forschungswerkstatt" werden Beiträge weiterer AutorInnen, die auch auf unserer Auftakttagung waren, dazu beitragen eine interdisziplinäre Perspektive auf Prokrastination zu eröffnen.

Über Neuigkeiten aus dem Forschungsprojekt informieren wir auf diesem Blog: https://aufschieben.github.io