Forschungsprojekte der IPU

Die klinische Praxis und die Forschung

Multizentrisches Kooperationsprojekt in Berlin, Kassel, München, Wien (BEKAMÜWI-Studie)

2011–2018 / Leiterin: Prof. Dr. Dr. Dorothea Huber

Multizentrische Prozess-Outcome-Studie zur Wirkungsweise der Richtlinienpsychotherapieverfahren bei depressiven Patienten (BEKAMÜWI)

Drittmittelförderung durch die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG) und die Internationale Psychoanalytische Vereinigung (IPV)

Obwohl die Wirksamkeit einer Vielzahl psychotherapeutischer Verfahren bereits belegt werden konnte, gibt es vergleichsweise wenig einschlägige und robuste Forschungsbefunde hinsichtlich der zugrunde liegenden Wirkungsweise, die den (Miss-)Erfolg von Psychotherapien erklären könnten.

Auf der Grundlage der Daten der Münchner Psychotherapiestudie (MPS), einer vergleichenden Prozess-Outcome-Studie bei depressiven Patienten von analytischer, tiefenpsychologisch fundierter und kognitiv-behavioraler Psychotherapie (Huber et al., 2012, 2013), hat sich im Januar 2012 eine überregionale Psychotherapieforschergruppe zur Erfassung der Prozess-Outcome-Zusammenhänge gebildet.

Dieser gehören die folgenden Zentren an: Internationale Psychoanalytische Universität, IPU Berlin (Huber, Ratzek, Seybert), Psychologisches Institut der Universität Kassel (Benecke, Alhabbo, Zimmermann), Klinikum München-Harlaching und Klini-kum rechts der Isar München (Huber, Klug), Psychoanalytische Klinik des Universitätsklinikums Wien (Döring, Löffler-Stastka). Diese überregionale Forschergruppe bringt ein breit angelegtes Wissen bzw. Erfahrung in der Anwendung verschiedener Prozessinstrumente ein.

Bisher wurde erreicht:

  • Digitalisierung und z.T. Transkription von über 600 Therapiesitzungen, die auf Audio aufgezeichnet sind, wobei jeweils 3 Stunden am Beginn, in der Mitte und am Ende der Therapie ausgewertet werden.
  • Analyse von diesen Bändern mit den Psychotherapy Q-Sort (PQS; Ablon, 2000), ein Prozessmessinstrument, das sich sowohl auf Reaktionen des Patienten, die Interventionen des Therapeuten aber auch die Interaktionen zwischen beiden bezieht. Diese Analysen der Audioaaufnahmen wurden ausnahmslos in Wien, Klinik für Psychoanalyse von zertifizierten PQS-Ratern durchgeführt. Dies ermöglicht auch die den Münchner Therapeuten zugesicherte Anonymität.
  • Ergebnisse: Psychodynamische und kognitiv-behaviorale Prototypen-Scores sind stabil über drei Stunden (Cronbach’s Alpha > .7). Psychodynamische (PD) und kognitiv-behaviorale (CBT)-Prototypen-Scores differenzieren erwartungsgemäß zwischen tiefenpsychologisch/psychoanalytischen und verhaltenstherapeutischen Behandlungen, aber nicht zwischen tiefenpsychologischen und psychoanalytischen Behandlungen. Eine Replikation der Ergebnisse von Ablon und Jones stellt dar, dass in den verhaltenstherapeutischen Behandlungen PD-Technik positiv und CBT-Technik negativ mit dem Outcome korreliert. Die Überlegenheit in der Reduktion der depressiven Symptome von psychoanalytischen gegenüber verhaltenstherapeutischen Behandlungen hinsichtlich Stabilität des Outcomes wird nach diesen ersten Befunden eher durch die psychodynamische Technik und nicht durch die Sitzungsanzahl (Dosis) erklärt. Die Ergebnisse dieser vergleichenden Prozessuntersuchungen, sowie psychometrische Untersuchungen zum PQS (Faktorenanalysen, Validitätsuntersuchungen) wurden in Vorträgen und Postern auf verschiede-nen Kongressen vorgestellt; ein Manuskript wurde eingereicht (Zimmermann et al.). Forschungsförderungen durch die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG) und die Internationale Psychoanalytische Vereinigung (IPV).
  • Entwicklung eines Mikroprozessinstruments, das computergestützte Kasseler Mikroprozess-Instrument (KAMPI) zur Beurteilung von Transkript-, Audio- und Videomaterial psychotherapeutischer Behandlungen. Das KAMPI besteht aus 12 Modulen, die eine Sprachinhalts- und interaktionsanalytische Perspektive zu aktuell relevanten psychotherapeutischen Faktoren (z. B. Affekt, Beziehung, Konflikt, Gegenübertragung, Krankheitserleben, usw., angelehnt an die OPD) ermöglichen sollen. Die Auswertung kann qualitativ und/oder quantitativ erfolgen. Innerhalb der MPS findet eine erste Validierung des KAMPI anhand einzelner Äußerungen aus insgesamt 20-25 analytischen, tiefenpsychologisch fundierten und verhaltenstherapeutischen Sitzungen statt.
  • Entwicklung eines Adherence-Messinstruments, um zwischen analytischer Psychotherapie und tiefenpsychologisch fundierter Psychotherapie unterscheiden zu können. Förderung durch die Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft (DPG); siehe auch Projektbeschreibung „Untersuchung zur Ad-herence-Messung“ von M. Ratzek.
  • Auf einer Makroprozessebene werden Trajektoren und Mediatoren während der Behandlung bestimmt. Es gibt unterschiedliche Trajektoren der Veränderung für depressive Symptome und für interpersonelle Probleme in der analytischen, der tiefenpsychologisch fundierten und der kognitiv-behavioralen Therapie, die Hinweise darauf geben, dass die analytische und die tiefenpsychologisch fundierte Therapie von ihrer spezifischen Technik und ihrer längeren Behandlungsdauer profitieren. Die Daten weisen darauf hin, dass die kognitiv-behaviorale Therapie interpersonelle Probleme kaum beeinflusst. Das positive Introjekt ist ein Mediator für depressive Symptome in allen drei Therapieformen; für interpersonelle Probleme ist es nur in der tiefenpsychologisch fundiertenTherapie ein Mediator für Behandlungserfolg, die offenbar darauf mehr fokussiert. Das Arbeitsbündnis ist in allen drei Therapien kein Mediator. Förderung durch die Steger-Stiftung, München.
  • Zuletzt wurde eine Prozess-Outcome Studie zur Emotionalen Verarbeitung und Therapieergebnis in Langzeitpsychotherapien geplant, die mittlerweile von der Heidehofstiftung bewilligt wurde und gerade beginnt; siehe auch Projektbeschreibung „Emotionale Verarbeitung und Therapieergebnis in Langzeitpsychotherapien: eine Prozess-Outcome Studie“.

Zur Koordination der Aktivitäten der Gruppen fanden bisher (seit 1/2012) vier Treffen in München, Berlin oder Wien statt.

Projektzentren

International Psychonalytic University, IPU Berlin
Stromstraße 3b, 10555 Berlin
Prof. Dr. Dr. Dorothea Huber, dorothea.huber(at)ipu-berlin.de
Dr. Dipl. Psych. Melanie Ratzek, melanie.ratzek(at)ipu-berlin.de
Dr. Dipl. Psych. Carolina Seybert, carolina.seybert(at)ipu-berlin.de

Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, TU München
Langerstrasse 3, 81675 München
Dr. Günther Klug

Institut für Psychologie, Universität Kassel
Holländische Strasse 36-38, 43127 Kassel
Prof. Dr. Cord Benecke
Dipl. Psych. Sarah Alhabbo

Klinik für Psychoanalyse und Psychotherapie
Medizinische Universität Wien
Währinger Gürtel 18-20
A-1090 Wien
Prof. Dr. Stephan Doering
Priv. Doz. Dr.med. Henriette Löffler-Stastka