Forschungsprojekte der IPU

Die klinische Praxis und die Forschung

Metaphernanalyse

2013 / Leiter: Prof. Dr. Dr. Michael B. Buchholz

Die Metaphernanalyse basiert auf den Konzepten und Entwicklungen der sog. "Kognitiven Linguistik", wie sie von dem ehemaligen Chomsky-Schüler George Lakoff in zahlreichen Arbeiten mit enormer Resonanz entwickelt worden ist.

Ich selbst konnte die Metaphernanalyse in Deutschland publik machen. Meine erste umfangreiche Publikation dazu erschien 1993. Hier waren einige der - von heute aus: klassischen - Texte der Metaphernanalyse versammelt, die nicht nur für Psychoanalytiker interessant, sondern teils auch von Psychoanalytikern verfasst worden waren. Kein Wunder, denn die Metapher ist eine höchst interessante rhetorische Figur, deren Rang schon Freud herausgestellt hatte.

In einer 1996 geschriebenen Arbeit ("Metaphern der Kur"; 2003 neu aufgelegt) konnte ich die Metaphernanalyse ausführlich methodisch explizieren und zeigen, dass sie als Instrument der qualitativen Forschung nicht nur zur Analyse von Interviews, sondern auch zur Analyse naturalistischer Konversationsssituationen geeignet ist. Letzteres habe ich an der vollständigen Analyse einer 30-std. Kurztherapie im genannten Buch vorgeführt. Zahlreiche weitere Arbeiten sind dazu erschienen, die sich mit Themen wie "Metaphern des Ich", "Metaphern des Unbewussten", "Metaphern im therapeutischen Dialog" befassen und Verbindungen zwischen Psychoanalyse und ihrer hochentwickelten Theoriekonstruktion mit den "embodiment"- Konzepten der cognitive sciences knüpften.

Die Kombination der Metaphernanalyse mit entwickelten linguistischen Instrumentarien wie der aus der Ethnomethodologie entstandenen Konversationsanalyse und den qualitativen Verfahren der Narrationsanalyse gelang überzeugend in einer großen Studie über Sexualstraftäter (zus. mit Franziska Lamott und Kathrin Mörtl 2008). Die besonderen, der psychodynamischen Abwehr dienenden rhetorischen Sprechweisen dieser Menschen konnte in vieler Facetten demonstriert werden. Weltweit war diese Studie die erste, die an den Sprech- und Darstellungsformen ansetzte und auf linguistische Marker hinarbeitete, die als Indizien verwendet werden konnten, ob ein Sexualstraftäter eine angemessene Verarbeitung erkennen lässt oder nicht. Die Kombination der drei genannten Methoden als KANAMA erwies sich als in der Lage, Hinweise auf seelische Verarbeitung zu geben, die bei einer Entlassungsprognose berücksichtigt werden können. KANAMA ist seitdem in mehreren Handbuchartikeln als autonome Methode der qualitativen Forschung anerkannt.

Nachdem seit der ersten Publikation 1993 mittlerweile 20 Jahre vergangen sind, bietet es sich an, einen weiteren Herausgeberband zu publizieren; v.a. die Befunde der neurowissenschaftlichen Metaphernforschung verdienen Integration. Der Band, zu dem u.a. Arthur Jacobs (Neuropsychologe und Sprachpsychologe der FU Berlin) als Autor gewonnen werden konnte sowie Vertreter der sog. multimodalen Metaphernforschung neben psychoanalytischen Klinikern wird im Frühjahr 2014 erscheinen. Er wird derzeit zusammengestellt, die Beiträge gesichtet und redigiert, die Lektoratsarbeiten stehen ebenfalls noch aus. Fast alle Beiträge sind schon bei mir als dem Herausgeber eingeliefert.

Die Arbeiten befassen sich, teils in originärer Erstpublikation, mit der Einbettung von Metaphern in Stimmungen während laufender Gespräche, sie beschreiben in entwicklungspsychologischer Perspektive den Erwerb metaphorischer Kompetenz und verbinden diese Sichtweise mit den Befunden der Mentalisierungskonzeptionen (Fonagy) und den neuen Theorien der evolutionären Anthropologie (Tomasello). Sie dokumentieren neurowissenschaftliche Forschungen zur Metapher ebenso wie klinische Beiträge.