Forschungsprojekte der IPU

Die klinische Praxis und die Forschung

„Messie“ mit Methode: Wohnmüll im TV-Format

seit 2014 / Leitung: Prof. Dr. Insa Härtel

Im Mittelpunkt dieser kulturwissenschaftlichen Forschung stehen sogen. „Messie-Sendungen“ (etwa „Das Messie-Team – Start in ein neues Leben“, RTL II) im Vorher-Nachher-Gewand. Scheinen in diesen zunächst die wuchernden Dinge und Materialien nahezu selbst die „Regie“ zu übernehmen, so wird im Anschluss mit Hilfe von Entrümpelungs-Teams nicht nur die die „verwahrloste“ Wohnstatt, sondern auch das Leben aufgeräumt.

In diesem Projekt stehen die Formen jener episodisch offenbar fernsehtauglichen kulturellen Reinigungsrituale im Mittelpunkt (nicht die Schicksale betroffener Subjekte). Wie funktionieren und wirken solche Messie-Sendungen, welchen (Lust-)Gewinn versprechen sie? Ein Blick auf die Aussagen und Äußerungsweisen lässt dabei potentiell Konflikthaftes erkennen, z.B. im Wechselspiel von „kindlicher“ Bedürftigkeit und Verantwortungsübernahme, von Sich-Gehen-Lassen und Vorwärts-Kommen, Verbergen und Ans-Licht-Bringen, Festhalten und Neuanfangen. Nicht zuletzt geht es Folge für Folge immer wieder von vorne los mit dem Müll… Manifestiert sich in jenen raumbildenden TV-Formaten eine Spannung zwischen einer programmatischen Ordnung und dem sich darin einstellenden Schmutz als Grundlage deren Wirkens? Solchen Zusammenhängen soll in diesem Projekt exemplarisch nachgegangen werden. Dabei mitgedacht werden Entwürfe „unsauberer“ Methoden.

Dieses Projekt steht in einem Verbund mit dem Forschungsschwerpunkt:
Wohnseiten. Deutschsprachige Zeitschriften zum Wohnen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart und ihre medialen Übertragungen am Mariann Steegmann Institut, Bremen (dortige Leitung: Prof. Dr. Irene Nierhaus, Dr. Kathrin Heinz)
Der Forschungsprojektverbund Wohnseiten widmet sich dem Forschungsdesiderat der deutschsprachigen Medien zum Thema Wohnen in medienästhetischer und ideologiekritischer Perspektive. Gefragt wird, auf welche Weise Zeitschriften Diskurse des Wohnens produzieren und vermitteln, und inwiefern dadurch die seit der Moderne wirksamen Vorstellungs- und Subjektivierungsweisen konstitutiv mitgestaltet werden. Der Materialkorpus reicht von Familienblättern und Hausfrauenzeitschriften des 19. Jahrhunderts bis zu Zeitschriften, die sich ab der Wende zum 20. Jahrhundert mit Fragen der ästhetischen und sozialen Gestaltung von Wohnzusammenhängen auseinandersetzen, sowie auch an Formate des Fernsehens und dann des Internets seit dem 20. Jahrhundert. Der Bereich der eigentlichen Wohnzeitschriften überschneidet sich sowohl mit Formen der Ratgeberliteratur als auch mit Kunst-, Design- und Architekturzeitschriften.

Prof. Dr. Insa Härtel
IPU Berlin
Stromstr. 3b
10555 Berlin
E-Mail: insa.haertel(at)ipu-berlin.de