Forschungsprojekte der IPU

Die klinische Praxis und die Forschung

Förderung der Eltern-Kind-Beziehung in Kindergärten - Erwachsenenbildung/ Frühe Hilfen und Frühförderung in einer Hand

8/2012–12/2013 / Leiterin: Prof. Dr. Christiane Ludwig-Körner

Wissenschaftliche Mitarbeit: Ulla Stegemann
Finanziert durch: Drittmittelförderung der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur

In einem Berliner Brennpunktbezirk werden in vier Kindergartengruppen elf Kinder aus fünf Familien zusammen mit ihren Eltern von einer im Frühen Hilfebereich ausgebildeten Fachkraft begleitet. Dadurch, dass die Eltern in den Kindergartenalltag möglichst einbezogen werden, können sie modellhaft eine gute Erziehungspraxis erleben und tagtäglich Anregungen im Umgang mit ihren Kindern oder auch Hilfen bei persönlichen Problemen in Anspruch nehmen. Ziele sind eine Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung durch angeleitete Wahrnehmungs- und Spielsequenzen sowie Übungen zur Förderung der Empathie und Mentalisierungsfähigkeit.

In das Projekt wurden anfangs elf Studierende (Studiengänge Psychologie) eingebunden, die im Sinne eines „problem based learning“ wichtige Erfahrungen in einem konkreten Praxisfeld erwerben können. Sie unterstützen die Fachkräfte in ihrer Arbeit, indem sie gezielte Beobachtungen durchführen oder einzelne Kinder zusätzlich fördern.

Ziele des Pilotprojekts/Fragestellungen

  • Erprobung, ob Kinder mit Entwicklungsverzögerungen, Lernstörungen und/oder psychischen Belastungen zusammen mit ihren Eltern durch eine Fachkraft in einem Kindergarten so gefördert werden können, dass nur noch wenige zusätzliche Hilfen benötigt werden.
  • Erprobung einer mentalisierungsfördernden psychodynamisch orientierten Arbeit „im Feld“.
  • Können Studierende der Psychologie diese Arbeit unterstützen (z.B. durch teilnehmende Beobachtungen, Einzelförderungen von Kindern)?
  • Inwieweit profitieren die Kinder, Eltern, Erzieherinnen von der Mitarbeit der Studierenden? Worin liegt für die Studierenden der persönliche Gewinn?

Ergebnisse
Auf eine geplante Manualisierung der pädagogischen/ therapeutischen Arbeit musste aufgrund der sehr unterschiedlichen Einzelfälle verzichtet werden. Der Erfolg einer verbesserten Eltern-Kind-Beziehung hängt in hohem Maße von der elterlichen Kooperationsfähigkeit sowie ihrer Bereitschaft ab, ihre eigene erzieherische Grundhaltung zu hinterfragen und ggf. zu ändern. Bei einigen Familien konnte auf zusätzliche unterstützende Maßnahmen (wie z.B. Logotherapie oder Unterstützung durch Einzelfallhilfe) nicht verzichtet werden. Alle Kinder profitierten von der Maßnahme; Förderung der Sprachentwicklung, Verbesserung ihrer Aufmerksamkeitsspanne, sozialen Kompetenz, Lern- und Lebensfreude, Kreativität, verringerte Verhaltensauffälligkeiten, größere emotionale Stabilität. Das „Problem based learning“ erwies sich für die Studierenden der Psychologie als sehr motivierend und lernfördernd. Die Studierenden zeigten ein hohes Engagement und ihr Mitwirken wurde von allen Beteiligten sehr positiv beurteilt.