Forschungsprojekte der IPU

Die klinische Praxis und die Forschung

Ethical Dilemmas due to Prenatal and Genetic Diagnostics – EDIG

seit 2008 / Leiterin: Prof. Dr. Tamara Fischmann

2005–2008; seit 2008–laufend (Konsiliartätigkeit)
EU-Projekt: „Ethical Dilemmas due to Prenatal and Genetic Diagnostics – EDIG“. Specific Targeted Research Project, FP6-2004-Science-and Society-9: 016716.
Projektverantwortlich: M. Leuzinger-Bohleber; Methodische Leitung: T. Fischmann
Gesamtfördersumme: 1.1 Mio. €

Kurzbeschreibung

EDIG ist ein von der EU gefördertes Projekt, dessen Fokus auf der Untersuchung der Auswirkungen von Pränatal- und Genetischer Diagnostik auf Frauen, ihre Partner und deren Beziehung liegt, wobei besonderes Augenmerk auf interindividuelle und kulturelle Unterschiede gelegt wird. An dem Projekt sind interdisziplinäre Forscherteams aus Deutschland, England, Griechenland, Israel, Italien und Schweden beteiligt.

Das Projekt soll dazu beitragen, in der breiten und der wissenschaftlichen Öffentlichkeit ein stärkeres Bewusstsein für ethische Dilemmata im Rahmen moderner Biotechnologie zu schaffen und damit die Wahrscheinlichkeit zu verringern, dass ungelöste gesellschaftliche Problemstellungen an einzelne Individuen wie Schwangere und ihre Partner delegiert werden. Ein weiteres Ziel der Studie ist es, zu einem sensiblen und hilfreichen Umgang mit Paaren in Konfliktsituation beizutragen und adäquate Beratungsangebote in verschiedenen Ländern und Kulturen zu entwickeln und anzubieten.

Die Studie gliedert sich in zwei Teile: In der Studie A werden Frauen nach einer Pränataldiagnostik (Fruchtwasseruntersuchung, Ultraschalluntersuchung, Chorionzottenbiopsie etc.) zu 5 verschiedenen Messzeitpunkten mittels Fragebögen untersucht. Die Fragebögen bestehen aus einer Kombination von standardisierten Testverfahren und eigens im Rahmen der Studie entwickelten Items. Gemessen werden unter anderem soziodemographische Daten, soziale Beziehungen, Optimismus, Befindlichkeit, ethische Einstellungen, Verlauf des Prozesses der Entscheidungsfindung und Zufriedenheit mit der gesundheitlichen Versorgung. Ferner werden halbstandardisierte Interviews durchgeführt und ausgewertet.

In der Studie B werden Interviews mit Psychoanalytikern geführt, die Patientinnen/Patienten in Behandlung hatten, die Dilemmata im Rahmen von PND oder eines Schwangerschaftsabbruchs aus anderen Gründen zu bewältigen hatten. Ziel ist es, Einsichten in den Umgang mit den ethischen Dilemmata sowie in mögliche Langzeitfolgen der getroffenen Entscheidung zu gewinnen.

Nach Abschluss des Projektes werden Frauen nach positiver PND-Befundung (am Nordwestkrankenhaus Frankfurt) weiterhin konsiliarisch betreut. Die Dokumentation dieser Kurzzeittherapien ist für weitere Publikation geplant.

Publikationen

  • Marianne Leuzinger-Bohleber, Eve-Maire-Engels, John Tsiantis (eds.) The Janus Face of Prenatal Diagnosis: A European Study Bridging Ethics, Psychoanalysis and Medicine London: Karnac Books, 2008
  • Leuzinger-Bohleber, M., Fischmann, T., Pfenning, N., Läzer. K.L. (2009): Ambivalenz des medizinisch-technischen Fortschritts: eine Untersuchung zu ethischen Dilemmata bei pränataler und genetischer Diagnostik. Psyche – Z. Psychoanal., 63, 189-213.
  • Fischmann, T., Pfenning, N., Läzer, K.L., Rüger, B., Statham, H., Dimavicius, J., Tzivoni, Y., Vassilopoulou, V., Ladopoulou,, K., Bianchi, I., Fiandaca, D., Cirillo, I., Sarchi, F. (2008): Empirical Data Evaluation on EDIG (Ethical Dilemmas due to Prenatal and Genetic Diagnostics). In M. Leuzinger-Bohleber, E.-M. Engels, J. Tsiantis & Consortium of EDIG (Ed.): The Janus Face of Prenatal Diagnostics – a European Study bridging Ethics, Psychoanalysis and Medicine. Karnac Books, 89-135
  • Fischmann, T., Hildt, E. (2011): Ethical Dilemmas in Prenatal Diagnosis. Springer-Verlag
  • Fischmann, T. (2011): Distress and Ethical Dilemmas Due to Prenatal and Genetic Diagnostics – Some Empirical Results. In: T. Fischmann and E. Hildt (Eds.): Ethical Dilemmas in Prenatal Diagnosis. Springer, 51-64