Forschungsprojekte der IPU

Die klinische Praxis und die Forschung

Brust-Krebs-Schnitt: Mediale Inszenierungen der prophylaktischen Mastektomie Angelina Jolies

seit 2014 / Leitung: Prof. Dr. Insa Härtel

Ausgehend von Angelina Jolies Beitrag „My Medical Choice“ in der NYT (Mai 2013) werden in diesem Projekt Medienberichte zu ihrer prophylaktischen Mastektomie einem Close-Reading unterzogen. Im Fokus stehen nicht das „Subjekt Jolie“ oder dessen Beweggründe. Vielmehr werden kulturelle Versprechen, Ambivalenzen, Konflikte analysiert, wie sie sich in den medialen Inszenierungen zeigen.

In Jolies medienwirksamer Entscheidung scheinen sich Verheißungen der prädiktiven Gendiagnostik mit denen eines öffentlichen Sprechens über Krebs zu verdichten. Verschränkt mit dem Prominentenstatus der Figur Jolie ergeben sich anhand des Materials Fragen wie z.B. die nach der „heilenden“ Funktion des Leidens für die Familie. Kann man gerade im „Opfern“ der Brüste kein Opfer sein? Wie wird Sexualität in diesem Kontext verhandelt? Gelten die veröffentlichten prophylaktischen Maßnahmen als Zeichen nicht mehr menschlicher Machbarkeit und/oder gerade menschlicher Verwundbarkeit? Das Projekt zielt damit auf die Deutung der Rezeption von My Medical Choice als Austragungsort aktueller kultureller Dynamiken.

„Heil versprechen: Kulturelle Gefüge, Wünsche, Phantasmen“
Das dargestellte Projekt steht im Kontext eines 2015 gegründeten interdisziplinären Forschungsnetzwerks: „Heil versprechen: Kulturelle Gefüge, Wünsche, Phantasmen“. In diesem geht es um Heilsvorstellungen, wie sie sich an sehr unterschiedlichen kulturellen Phänomenen zeigen. Zu denken ist etwa an Bilder, Objekte und Ideen, die z.B. in Alltagspraktiken, Medien, medizinischen, religiösen, wissenschaftlichen, künstlerischen, technologischen, politischen oder ökonomischen Diskurse kursieren. In Wünschen nach Heil und Heilem geht es auf historisch wandelbare und kulturell spezifische Art immer auch um die Abwendung von Unheil. Gerade in der Heterogenität ihrer Erscheinungsweisen können die Inszenierungen des „Heilen“ als Austragungsorte kulturellen Widerstreits in den Blick genommen werden. Für welcherart gesellschaftlicher Dynamiken bieten sie einen Schauplatz – und mit welchen politischen Konsequenzen?

Prof. Dr. Insa Härtel
IPU Berlin
Stromstr. 3b
10555 Berlin
E-Mail: insa.haertel(at)ipu-berlin.de