Prof. Dr. Reinhold Görling

Gastwissenschaftler

IPU Berlin
Stromstr. 3b
10555 Berlin
Tel.: +49 30 300 117-500
E-Mail: reinhold.goerling(at)ipu-berlin.de

Schwerpunkte in der Lehre
 

Mein Interesse gilt der Verflechtung von subjektivem Erleben, ästhetischer Erfahrung und soziokulturellen Prozessen. Die Psychoanalyse bietet dafür hoch komplexe Einsichten, der Film eine vielleicht nicht minder komplexe ästhetische Artikulation. Diese parallelen Bewegungen und ihr komplexes Ineinander sichtbar und auf ihre mögliche Relevanz auch in therapeutischen Zusammenhängen aufmerksam zu machen, gilt meine Lehre an der IPU.

Schwerpunkte in der Forschung

 

Die Frage der Figurabilität ist in den letzten Jahrzehnten zu einem zentralen Thema der Psychoanalyse und der Theorie des Films bzw. der Ästhetik überhaupt geworden. Bereiche und Dimensionen des Unbewussten, die nicht auf Verdrängungen konflikthafter Objektrepräsentationen beruhen, sondern durch ungedachte Gedanken (Bion), ein unthought known (Bollas), szenische Konstellierungen und primäre Phantasien (Pontalis, Laplanche) gebildet werden, bedürfen der Figuration (Lyotard, Deleuze, Dubois, Botella, Green), um in einen Prozess der Symbolisierung einzugehen, der selbst wiederum das Unbewusste transformiert. Dieses Ineinander von psychischer und ästhetischer Erfahrung zu verstehen, in der und durch die ein mentaler Raum (Bion) entsteht, ist das interdisziplinäre Feld und die thematische Fluchtlinie meiner Lehre und Forschung.

 

Damit verbunden sind meine Forschungen über die psychischen und kulturellen Folgen von Gewalt. Der Versuch, die unbewusste Tradierung traumatischer Erfahrung auf individueller wie auch kollektiver oder kultureller Ebene zu öffnen und Prozessen der Symbolisierung zugänglich zu machen, vereint Psychoanalyse und Kunst.

 

Zunehmend drängender erscheint mir darüber hinaus, die Prozesse der Veränderung der Subjektivität durch die neuen Medien und insbesondere die sozialen Plattformen zu analysieren. Medien haben seit jeher die menschliche Wahrnehmung und damit auch unser Denken und Fühlen verändert, mit den digitalen Medien sind wir aber eine Entwicklung eingegangen, in der die Medien selbst zu Akteuren geworden sind, die sich in die Strukturen der Subjektivität einschreiben. Im Rahmen eines 2020 ausgelaufenen DFG Projektes im Kontext des Schwerpunktprogramms “Ästhetische Eigenzeiten” habe ich begonnen, die zeitlichen Strukturen von Wahrnehmung, Erfahrung und Bewusstsein unter Bezug auf psychoanalytische, neuro- und kognitionswissenschaftliche sowie filmwissenschaftliche Einsichten zu diskutieren und zu erforschen, wie sich die digitalen Medien mit ihrer unbegrenzt anpassungsfähigen Geschwindigkeit in diese polychronen Prozesse einmischen und Prozesse der Figuration, des  Tagträumens und des Denkens überformen.