Therapeutische Präsenz, Traumaspuren, verkapselte Körperengramme

zur Arbeit mit der somatischen Narration

In der Behandlung schwer gestörter Patient:innen rückt das Thema des körperlichen Unbewussten, d.h. der Symbolisierungsstörung immer stärker ins Zentrum der psychoanalytischen Diskussion. Konzepte wie unrepräsentierte Zustände, Traumaspuren, Inconscient enclavé (Laplanche), autistischer Barrieren (Tustin) oder mein Konzept der verkapselten Körperengramme finden dabei Interesse. In meinem Seminar wird es, neben der Einführung in die Grundlagen des körperlichen Unbewussten, vor allem um die Frage gehen, mit welcher Haltung und welcher Methodik wir Analysand:innen begegnen, wenn wir die Symptome des körperlichen Unbewussten ansteuern und durcharbeiten.

 

In der klassischen Behandlungstechnik wird die Kompetenz von Analytiker:innen beschrieben, Deutungen angemessen und wirksam zu formulieren. Wenn in der Arbeit mit unrepräsentierten Zuständen das Symptom aber nicht symbolisch, sondern körperlich enkodiert ist, stellt sich die Frage, ob die Deutung das richtige Instrument des Durcharbeitens ist. Ich vertrete die Ansicht, dass im Umgang mit körperlich kodierten Symptomen die therapeutische Präsenz in den Vordergrund tritt und die Deutung eine eher motivierende und rahmende Funktion hat. Therapeutische Präsenz meint dabei eine Haltung der resonanten Offenheit gegenüber dem, was die Analysand:innen in ihrem Körper erleben. Dabei werden die Analysand:innen angeregt ihre Körperempfindungen zu verbalisieren, während die Analytiker:innen diese Schilderung resonant und nicht-deuten begleiten. Es entsteht ein Körper-zu-Körper-Dialog, den ich als somatische Narration bezeichne. Der zentrale Ort des Durcharbeitens liegt jetzt dort, wo auch das Symptom angesiedelt ist: im Körperselbst.

 

Dabei wird eine psychoanalytische Haltung weiterentwickelt, wie Winnicott sie als Umwelt-Mutter oder Bollas sie Als Transformationsobjekt beschrieben hat. Es geht darum, die innere Landschaft der Körperempfindungen zu erkunden und dadurch einen Transformationsprozess in Gang zu setzen. Der Körper als Ort der Einschreibung traumatischer Spuren ist hoch aversiv. Das Körpergedächtnis speichert Vernichtungsangst und traumatische Einsamkeit auf. Sie diesem Bereich anzunähern, erfordert eine diskrete, aber klare Präsenz. Gelingt dies, so neutralisiert die therapeutische Präsenz die im Trauma erlebte Einsamkeit und ermöglicht es, Vernichtungsängste durchzuarbeiten.

Das Seminar ist theoretisch und kasuistisch ausgerichtet. Grundkonzepte der Psychoanalyse werden vor dem Hintergrund von Leiblichkeit und Wahrnehmung neu befragt. Daneben wird eine Vielzahl von Kasuistiken dargestellt, die die einzelnen Indikationsbereiche abdecken. Klinische Erfahrungen der Teilnehmer:innen bilden einen eigenen Schwerpunkt der Diskussion.

 

Grundlage des Seminars sind die Bücher:

 

Das sinnliche Selbst – das Körpergedächtnis in der psychoanalytischen Behandlungstechnik. Sebastian Leikert, Brandes und Apsel-Verlag 2019.

Das körperliche Unbewusste in der psychoanalytischen Behandlungstechnik. Sebastian Leikert (Hrsg.) Brandes und Apsel 2021.

Dozent

Dr. en psychanalyse Sebastian Leikert ist Psychoanalytiker, Lehranalytiker und Supervisor (DGPT) und affiliiertes Mitglied der DPV. Er ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse und Musik und Redaktionsmitglied der Zeitschrift The Psychoanalytic Quaterly.

Webseite

Zielgruppe

Das Blockseminar ist konzipiert für Psychotherapeut:innen in Anstellung oder in eigener Praxis, sowie für Studierende der IPU im Masterstudiengang (klinisch) und MitarbeiterInnen der IPU-Ambulanz, sowie für KandidatInnen der psychoanalytischen und tiefenpsychologischen Institute.

Um eine gute Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten ist die Teilnehmerzahl auf 25 begrenzt.

Termine und Programm

Freitag, 16. Juni 2023


13:30 – 15:00 Uhr
Pause
15:30 – 17:00 Uhr
Pause
17:30 – 19:00 Uhr
 

Samstag, 17. Juni 2023

9:00 - 10:30 Uhr
Pause
11:00 – 12:30 Uhr
Pause
14:00 – 15:30 Uhr
Pause
16:00 – 17:30 Uhr

 

Programm


Die Teilnehmer:innen bekommen nach der Anmeldung vor Seminarbeginn eine Literaturliste zugeschickt. Es ist sehr willkommen, wenn Sie in die Seminare Erfahrungen aus eigenen Behandlungen einbringen.

Teilnahmegebühren

Die Teilnahmegebühr beträgt 380 € inkl. Kaffeepausen.

Kandidat:innen, Studierende und Mitarbeiter:innen der IPU-Ambulanz 190 €.

Um eine gute Arbeitsatmosphäre zu gewährleisten ist die Teilnehmer:innenzahl auf 25 begrenzt.

Anmeldung

Bitte melden Sie sich bis zum 02. Juni 2023 unter folgendem Formular an:
 

Anmeldeformular
 

Sollten Sie hierzu Fragen haben, wenden Sie sich gerne an folgende E-Mail-Adresse: fortbildung(at)ipu-berlin.de

Abmeldung/Rücktritt
Eine Abmeldung muss schriftlich bis zum Ablauf des 14. Tages vor Veranstaltungsbeginn erfolgen. Bis dahin können Sie Ihre Teilnahme kostenlos stornieren und erhalten die von Ihnen bereits gezahlten Teilnahmegebühren vollumfänglich erstattet. Nach Ablauf des 14. Tages ist eine Rückerstattung ausgeschlossen. Sie können jedoch eine Ersatzperson mit der erforderlichen Qualifikation benennen, die Ihren Platz einnimmt.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!