Psychoanalytisch orientiertes Psychodrama

Selbsterfahrungs-Workshop

Im Rahmen der Fort- und Weiterbildung an der IPU Berlin werden ab September 2019 regelmäßig Workshops in psychoanalytisch orientiertem Psychodrama angeboten, die den Studierenden der IPU und anderen, beratend oder psychotherapeutisch Tätigen, die Gelegenheit zur psychodramatischen Selbsterfahrung geben sollen, um so neue kreative Möglichkeiten im Umgang mit inneren Konflikten zu entdecken.

Psychodrama und Psychoanalyse beruhen auf sehr unterschiedlichen theoretischen Konzepten. In den letzten Jahrzehnten haben sich beide Methoden in verschiedener Hinsicht jedoch immer stärker angenähert. Dies gilt vor für die Rolle der szenischen Inszenierung, die im Psychodrama schon immer ganz im Zentrum stand. Innerhalb der Psychoanalyse galt das „Agieren“ innerer Konflikte demgegenüber lange Zeit hindurch als Flucht vor ihrer verbalen Reflexion und insofern als Widerstand par excellence. Heute stimmen Psychoanalytiker_innen und Psychodramatiker_innen darin überein, dass innere Konflikte von manchen Patient_innen aus strukturellen Gründen zunächst nur auf der szenischen Ebene dargestellt werden können, bevor sie im weiteren Verlauf der Psychoanalyse schließlich auch auf einer verbalen Ebene formuliert werden können. Hermann Argelander, ein bekannter deutscher Psychoanalytiker, hat in diesem Sinne bereits in den 1970er Jahren von einer „szenischen Funktion des Ich“ gesprochen, deren Wahrnehmung und Verbalisierung durch den_die Analytiker_in, unter Einbeziehung der eigenen Gegenübertragung, heute einen zentralen Bestandteil der psychoanalytischen Behandlung darstellt.

Das Psychodrama beginnt demgegenüber sofort mit dem Aufbau der entsprechenden Szene, die dann auch den Rahmen für das anschließende Psychodrama-Spiel bildet. Der_die Protagonist_in taucht dabei mit Unterstützung der Gruppenteilnehmenden, die als Hilfs-Ich am Spiel beteiligt sind, in der Regel tief in seine unbewussten Konflikte ein, die auf diese Weise oft erstmals eine Darstellung im Außen erfahren. Rollentausch und Doppeln sind dabei zusätzliche wichtige Hilfsmittel. In der anschließenden Aufarbeitung des Spiels wird der_die Protagonist_in in genau festgelegten Schritten wieder auf die reale Ebene zurückgeführt, von wo aus er_sie das im Spiel Erlebte aus einer dritten Position heraus betrachten kann. Oft wird auf diese Weise bereits ein spielerisch erarbeiteter, schöpferischer Neu-Anfang möglich. In manchen Fällen kann sich daran aber auch eine längere psychoanalytische Psychotherapie anschließen, in der der_die Proband_in das im Psycho-drama Erlebte weiter aufarbeiten kann.

Psychodrama als Monodrama
Die psychodramatischen Selbsterfahrungs-Workshops finden grundsätzlich in der Gruppe statt. Im Rahmen der Fortbildung an der IPU werden darüber hinaus auch Workshops angeboten, in denen die Technik des Psychodramas als Monodrama in der therapeutischen Zweierbeziehung vermittelt wird. Psychodramatisches Monodrama kommt vor allem in der Therapie schwer gestörter Patient_innen zum Einsatz, die ihre traumatischen Erfahrungen zunächst nur auf der Handlungsebene darstellen können. Mit Hilfe des Monodramas wird dann oft erstmals eine dritte Ebene geschaffen, die eine Beschreibung des Erlebten ermöglicht.

Zielgruppe

Eingeladen sind beraterisch und/oder therapeutisch Tätige und Studierende, die sich auf einen solchen Beruf vorbereiten und mit der Methode des Psychodramas auch sich selbst ein wenig näher kennenlernen wollen.

Lehrende

Weiterführende Informationen zu den Lehrenden finden Sie hier.

Termine und Programm

In allen Workshops haben die Teilnehmenden Gelegenheit, psychoanalytisch orientiertes Psychodrama über den Weg der Selbsterfahrung näher kennen zu lernen. Die Selbsterfahrung findet stets in der Gruppe statt. Im Workshop von Dr. med. Reinhard Krüger geht es um die Übertragung dieser Gruppenerfahrung auch auf das therapeutische Einzelsetting und den unmittelbaren Umgang mit sich selbst.

13./14. September 2019
Psychoanalytisch orientiertes Psychodrama – Selbsterfahrungs-Workshop
Prof. Dr. Christa Rohde-Dachser, Johannes Kaufhold

29./30. November 2019
Psychoanalytisch orientiertes Psychodrama – Selbsterfahrungs-Workshop
Prof. Dr. Volker Riegels, Berlin

10./11. Januar 2020 (tbc)
Die Anwendung psychodramatischer Techniken im Einzelsetting (Monodrama) – Selbsterfahrungs-Workshop
Dr. med. Reinhard Krüger, Großburgwedel b. Hannover

20./21. März 2020
Psychoanalytisch orientiertes Psychodrama – Selbsterfahrungs-Workshop
Dr. med. Susanne Kunz-Mehlstaub, Wil/Schweiz

22./23. Mai 2020
Psychoanalytisch orientiertes Psychodrama – Selbsterfahrungs-Workshop
Dipl.-Psych. Christian Stadler, Dachau

03./04. Juli 2020
Psychoanalytisch orientiertes Psychodrama – Selbsterfahrungs-Workshop
Dipl.-Psych. Martina McClymont-Nielitz, Neu-Anspach

Die Workshops finden jeweils freitags von 15:00 Uhr bis 21:00 Uhr sowie samstags von 09:30 Uhr bis 18:00 Uhr statt.

Teilnehmende an den psychodramatischen Workshops der IPU, die sich parallel dazu in der psychodramatischen Weiterbildung am Moreno Institut Edenkoben/Überlingen befinden oder eine solche anstreben, können die an der IPU absolvierten Workshops bei der Weiterbildung am Moreno-Institut Edenkoben/Überlingen angerechnet bekommen.

Teilnahmegebühren

250,00 € regulär,
150,00 € für Kandidat_innen und Studierende,
75,00 € für Studierende der IPU.

Die Kosten gelten pro Termin, die maximale Teilnehmendenzahl ist jeweils auf 12 Personen begrenzt.

Anmeldung

Bitte richten Sie Ihre Anmeldung frühzeitig für den jeweiligen Workshop an: fortbildung(at)ipu-berlin.de

Abmeldung/Rücktritt
Eine Abmeldung muss schriftlich bis zum Ablauf des 14. Tages vor Veranstaltungsbeginn erfolgen. Bis dahin können Sie Ihre Teilnahme kostenlos stornieren und erhalten die von Ihnen bereits gezahlten Teilnahmegebühren vollumfänglich erstattet. Nach Ablauf des 14. Tages ist eine Rückerstattung ausgeschlossen. Sie können jedoch eine Ersatzperson mit der erforderlichen Qualifikation benennen, die Ihren Platz einnimmt.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!