Das sinnliche Selbst in Zeiten von Corona – Leiblichkeitsorientierte Behandlungstechnik unterstützt die Nutzung der Videosituation

Seminarzyklus und kulturtheoretische Vorträge (Online-Seminar): Die Arbeit mit leiblichen Aspekten in Übertragung und Gegenübertragung, die psychoanalytische Körperwahrnehmung als Ergänzung zur Deutungstechnik

Die Psychoanalyse als sprachlich orientiertes Verfahren hat eine Reihe von Konzepten zu unrepräsentierten Zuständen, psychosomatischen Symptomen und traumatischen Introjekten erarbeitet. Gleichzeitig wurden die behandlungstechnischen Konzepte nicht spezifisch auf die leibliche Form der Symptomatik ausgerichtet. In meinem Seminar geht es darum, die leiblichen Abwehrstrukturen zunächst deutlicher sichtbar zu machen. Erst wenn sie auf der Bühne der therapeutischen Beziehung angekommen sind, wird eine Behandlungstechnik möglich, die es erlaubt, sie zu transformieren. Dabei spielt die achtsame Wahrnehmung des Körperselbst beim Analysanden und beim Analytiker eine systematische Rolle und erhöht die Reichweite der freien Assoziation und der gleichschwebenden Aufmerksamkeit in die Strukturen des Körperselbst hinein. Die Wahrnehmungsarbeit innerhalb der analytischen Beziehung ist eine transformierende Aktivität und bietet eine Ergänzung zur Deutungstechnik. In der Arbeit mit Realtraumatisierungen, psychosomatischen Symptomen, vor allem aber mit Traumatisierungen in der Primärbeziehung, wie sie bei analytischen Patienten nicht selten sind, bietet dieses Konzept neue Aspekte.

Das Seminar ist theoretisch und kasuistisch ausgerichtet. Es werden Grundkonzepte der Psychoanalyse vor dem Hintergrund von Leiblichkeit und Wahrnehmung neu befragt. Daneben wird eine Vielzahl von Kasuistiken dargestellt, die die einzelnen Indikationsbereiche abdecken. Grundlage des Seminars ist das Buch: Das sinnliche Selbst – das Körpergedächtnis in der psychoanalytischen Behandlungstechnik. 

Kulturtheoretische Vorträge
Flankiert wird das Seminar jeweils durch einen öffentlichen kulturtheoretischen Vortrag, der die Rolle des sinnlichen Selbst im Feld moderner Zivilisation untersucht. Beim ersten Blockseminar wird es einen Vortrag über die Musik und ihre Funktion in biographischen Schwellensituationen geben, beim zweiten Termin wird das Werk von Michel Houellebecq untersucht, im dritten Seminarblock wird die Beziehung von Literatur und Psychoanalyse befragt und deren ethische Wesensverwandtschaft herausgearbeitet.

Das Blockseminar wird voraussichtlich mit 14 Fortbildungspunkten zertifiziert werden. TeilnehmerInnen, die an allen drei Seminaren des Zyklus teilgenommen haben, bekommen die erfolgreiche Teilnahme am Kurs „Das sinnliche Selbst – der Körper in der psychoanalytischen Behandlungstechnik“ bescheinigt.

Zielgruppe

Das Blockseminar ist konzipiert für PsychotherapeutInnen in Anstellung oder in eigener Praxis, sowie für Studierende der IPU und KandidatInnen der psychoanalytischen und tiefenpsychologischen Institute.

Lehrender

Sebastian Leikert, Dr. en psychanalyse, ist Psychoanalytiker, Lehranalytiker und Supervisor (DGPT) und affiliiertes Mitglied der DPV. Er ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse und Musik.

Termine und Programm

Bitte beachten, dass es sich um ein Online-Seminar handelt!

 

Freitag, 22. Januar 2021

13:00 – 14:30 Uhr
Welche Aspekte sind zu berücksichtigen und inwiefern hilft eine leiblichkeitsorientierte Behandlungstechnik, den Verlust an Unmittelbarkeit bestmöglich zu kompensieren?

14:30 – 15:00 Uhr
Pause

15:00 – 16:30 Uhr
Beispiele aus der eigenen Arbeit und aus den Erfahrungen der Teilnehmer unter dem Gesichtspunkt der Kompensation des Unmittelbarkeitsverlustes und Hilfestellungen durch eine leiblichkeitsorientierte Behandlungstechnik

16:30 – 17:00 Uhr
Pause

17:00 – 18:30 Uhr
Freud, Die allgemeine Verführungstheorie nach Laplanche und ihre Weiterentwicklung bei Dejours. Das Gegeneinander von Hemmung und Überstimulation in süchtigen Kontexten.

18:30 – 20:00 Uhr
Pause

20:00 – 21:30 Uhr
Öffentlicher Vortrag
Morbus Houellebecq – Hemmungsprozesse und der süchtige Gebrauch sexueller Stimulation im Werk von Michel Houellebecq

 

Zugang zum Online-Vortrag


Samstag, 23. Januar 2021

9:00 - 10:30 Uhr
Kasuistik:Durch die Couch fallen – Arbeit mit einem Analysanden mit kumulativer Traumatisierung in der Primärbeziehung.

10:30 – 11:00 Uhr
Pause

11:00 – 12:30 Uhr
Bedeutung der Couch für die Arbeit mit Körperrepräsentanzen, Arbeit in anderen Settings. Psychogenetische Bedeutung der Couch, Konzept Haut, Haut-Ich. Körpertherapien, bei Reich, bei Pesso, bei Gendlin im Vergleich zur psychoanalytischen Haltung, Psychoanalytische Orientierungspunkte für die Arbeit mit Körperassoziationen (Wie orientiere ich mich außerhalb des sprachlichen und szenischen Rahmens).Indikation zur psychoanalytischen Wahrnehmungsarbeit: Kumulative Traumatisierung, Realtraumatisierung, Sucht, Psychosomatik, Psychose, Schmerzpatienten

12:30 – 14:00 Uhr
Mittagspause

14:00 – 15:30 Uhr
Deutung vs. Wahrnehmungsarbeit, was fördert den Prozess der Übertragung und Verarbeitung? Analysieren der Gegenübertragung, Entgiften der Gegenübertragung, verarbeiten körperlicher Gegenübertragungsimpulse in eine Deutung.

Teilnahmegebühren

300 € regulär
150 € für KandidatInnen und Studierende
Der öffentliche Vortrag ist kostenfrei

Für die Veranstaltung werden Fortbildungspunkte bei der Psychotherapeutenkammer Berlin beantragt.

Anmeldung

Bitte richten Sie Ihre Anmeldung an: fortbildung(at)ipu-berlin.de

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bekommen nach der Anmeldung vor Seminarbeginn Literatur zugeschickt. Es ist sehr willkommen, wenn Sie in die Seminare Erfahrungen aus eigenen Behandlungen einbringen.

Abmeldung/Rücktritt
Eine Abmeldung muss schriftlich bis zum Ablauf des 14. Tages vor Veranstaltungsbeginn erfolgen. Bis dahin können Sie Ihre Teilnahme kostenlos stornieren und erhalten die von Ihnen bereits gezahlten Teilnahmegebühren vollumfänglich erstattet. Nach Ablauf des 14. Tages ist eine Rückerstattung ausgeschlossen. Sie können jedoch eine Ersatzperson mit der erforderlichen Qualifikation benennen, die Ihren Platz einnimmt.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!