Das sinnliche Selbst. Die beiden Körper in der analytischen Beziehung - Übertragung und Gegenübertragung auf der Ebene des Körperselbst

Seminarzyklus und kulturtheoretische Vorträge: Die Arbeit mit leiblichen Aspekten in Übertragung und Gegenübertragung, die psychoanalytische Körperwahrnehmung als Ergänzung zur Deutungstechnik

Die Psychoanalyse als sprachlich orientiertes Verfahren hat eine Reihe von Konzepten zu unrepräsentierten Zuständen, psychosomatischen Symptomen und traumatischen Introjekten erarbeitet. Gleichzeitig wurden die behandlungstechnischen Konzepte nicht spezifisch auf die leibliche Form der Symptomatik ausgerichtet. In meinem Seminar geht es darum, die leiblichen Abwehrstrukturen zunächst deutlicher sichtbar zu machen. Erst wenn sie auf der Bühne der therapeutischen Beziehung angekommen sind, wird eine Behandlungstechnik möglich, die es erlaubt, sie zu transformieren. Dabei spielt die achtsame Wahrnehmung des Körperselbst beim Analysanden und beim Analytiker eine systematische Rolle und erhöht die Reichweite der freien Assoziation und der gleichschwebenden Aufmerksamkeit in die Strukturen des Körperselbst hinein. Die Wahrnehmungsarbeit innerhalb der analytischen Beziehung ist eine transformierende Aktivität und bietet eine Ergänzung zur Deutungstechnik. In der Arbeit mit Realtraumatisierungen, psychosomatischen Symptomen, vor allem aber mit Traumatisierungen in der Primärbeziehung, wie sie bei analytischen Patienten nicht selten sind, bietet dieses Konzept neue Aspekte.

Das Seminar ist theoretisch und kasuistisch ausgerichtet. Es werden Grundkonzepte der Psychoanalyse vor dem Hintergrund von Leiblichkeit und Wahrnehmung neu befragt. Daneben wird eine Vielzahl von Kasuistiken dargestellt, die die einzelnen Indikationsbereiche abdecken. Grundlage des Seminars ist das Buch: Das sinnliche Selbst – das Körpergedächtnis in der psychoanalytischen Behandlungstechnik. 

Kulturtheoretische Vorträge
Flankiert wird das Seminar jeweils durch einen öffentlichen kulturtheoretischen Vortrag, der die Rolle des sinnlichen Selbst im Feld moderner Zivilisation untersucht. Beim ersten Blockseminar wird es einen Vortrag über die Musik und ihre Funktion in biographischen Schwellensituationen geben, beim zweiten Termin wird das Werk von Michel Houellebecq untersucht, im dritten Seminarblock wird die Beziehung von Literatur und Psychoanalyse befragt und deren ethische Wesensverwandtschaft herausgearbeitet.

Das Blockseminar wird voraussichtlich mit 14 Fortbildungspunkten zertifiziert werden. TeilnehmerInnen, die an allen drei Seminaren des Zyklus teilgenommen haben, bekommen die erfolgreiche Teilnahme am Kurs „Das sinnliche Selbst – der Körper in der psychoanalytischen Behandlungstechnik“ bescheinigt.

Ihr Ansprechpartner zu inhaltlichen Fragen:
Dr. en psychanalyse Sebastian Leikert: s.leikert(at)web.de

Zielgruppe

Das Blockseminar ist konzipiert für PsychotherapeutInnen in Anstellung oder in eigener Praxis, sowie für Studierende der IPU und KandidatInnen der psychoanalytischen und tiefenpsychologischen Institute.

Lehrender

Sebastian Leikert, Dr. en psychanalyse, ist Psychoanalytiker, Lehranalytiker und Supervisor (DGPT) und affiliiertes Mitglied der DPV. Er ist Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Psychoanalyse und Musik.

Programm

Freitag, 28. Mai 2021

13:00 – 14:30 Uhr
Zusammenfassung, Vertiefung und Ausrichtung auf die intersubjektive psychoanalytische Situation. Die maligne Fusion von Selbst- und Objektanteilen im verkapselten Körperengramm (die Matroschka-Konstellation).


14:30 – 15:00 Uhr
Pause

15:00 – 16:30 Uhr
Bions Körper: Konzepte zur Körperlichkeit bei Bion, Beta-Element, Reverie, projektive Identifizierung Zielort Körper des Analytikers. Deutender Umgang mit der Gegenübertragung – entgiftender Umgang mit der Gegenübertragung.

16:30 – 17:00 Uhr
Pause

17:00 – 18:30 Uhr
Kasuistik: Der Kopf trennt sich vom Körper – Spezifische Probleme mit Übertragung/Gegenübertragung und dem Einsatz psychoanalytischer Wahrnehmungsarbeit bei einem Patienten mit unsicheren Selbstgrenzen.

18:30 – 20:00 Uhr
Pause

20:00 – 21:30 Uhr
Öffentlicher Vortrag
Die Geburt der Psychoanalyse aus dem Geist der Kunst – Zur Genealogie der Psychoanalyse


Samstag, 29. Mai 2021

9:00 - 10:30 Uhr
Der Körper des Analytikers: Projektive Identifizierung, Spiegelneurone, wie kommt der Körper des Analysanden in den Körper des Analytikers und wie kommt er wieder an seinen Ort – Differenzierung von sinnlichen Selbst- und Objektrepräsentanzen.


10:30 – 11:00 Uhr
Pause

11:00 – 12:30 Uhr
Rezeptive Technik, Deutende Technik: Wann machen Deutungen Sinn, wann sind Deutungen verfolgend oder überfordernd?

12:30 – 14:00 Uhr
Mittagspause

14:00 – 15:30 Uhr
Abschluss-Runde, entwickelt aus der Dynamik des Seminars.  

Teilnahmegebühren

tba


Der öffentliche Vortrag ist kostenfrei

Für die Veranstaltung werden Fortbildungspunkte bei der Psychotherapeutenkammer Berlin beantragt.

Anmeldung

Bitte richten Sie Ihre Anmeldung an: fortbildung(at)ipu-berlin.de

Abmeldung/Rücktritt
Eine Abmeldung muss schriftlich bis zum Ablauf des 14. Tages vor Veranstaltungsbeginn erfolgen. Bis dahin können Sie Ihre Teilnahme kostenlos stornieren und erhalten die von Ihnen bereits gezahlten Teilnahmegebühren vollumfänglich erstattet. Nach Ablauf des 14. Tages ist eine Rückerstattung ausgeschlossen. Sie können jedoch eine Ersatzperson mit der erforderlichen Qualifikation benennen, die Ihren Platz einnimmt.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme!