Formative Evaluation des Frühpräventionsprojekts für Kleinkinder mit Migrationshintergrund „Gemeinsam stark!“

Seit 2016 (laufend) / Leitung: Prof. Tamara Fischmann (IPU) in Kooperation mit der Vivantes Klinik und dem Kindergesundheitshaus (Dr. Korinna Fritzemeyer)

Gefördert durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend(BMBFSJ) und die MAHLE-Stiftung

Projektbeschreibung

Ergebnisse des ERSTE SCHRITTE Projekts (Leuzinger-Bohleber & Lebiger-Vogel, 2016) zeigen, dass psychoanalytisch orientierte Präventions-angebote für Migrantinnen auch geflüchtete, zum Teil traumatisierte und sehr belastete Familien erreichen und die Entwicklung ihrer Kinder unterstützt (Lebiger-Vogel et al. im Druck, Fritzemeyer et al., 2019). Dies ist vor dem Hintergrund des Wissens um die Auswirkungen von transgenerativen Traumatisierungen relevant: Es zeigte sich, dass Mütter, die Krieg und Verfolgung erlebt haben, in der Interaktion mit ihrem Säugling weniger feinfühlig sind als solche, die nicht aufgrund von Krieg und Verfolgung migriert waren (Fritzemeyer et al., 2019).
 

Seit 2012 werden im Kindergesundheitshaus in Berlin-Neukölln migrierten (werdenden) Müttern und ihren Kleinkindern Unterstützung im Rahmen von verbindlichen Mutter-Kind-Gruppen angeboten. Aufbauend auf dem Konzept von ERSTE SCHRITTE für Kleinkinder mit Migrationshintergrund, welches in Frankfurt/Main entwickelt und durchgeführt wurde (vgl. Burkhardt-Mußmann, 2015, Leuzinger-Bohleber & Lebiger-Vogel, 2016), entwickeln wir seit 2016 Projekte, die vor allem geflüchtete Familien unterstützen (vgl. Fritzemeyer et. al., 2017, 2019).

Mit „Gemeinsam stark!“ werden aktuell 67 Familien mit über 100 Kleinkindern (0-3 Jahre) und älteren Geschwisterkindern erreicht, die meist aufgrund von Krieg, ethnischer/religiöser Verfolgung und anderweitigen kriegerischen Auseinandersetzungen gezwungen waren, ihr Heimatland zu verlassen und 2015/2016 nach Deutschland geflohen sind. Die Familien haben aktuell keinerlei Möglichkeit in ihr Heimatland zurückzukehren und dort in Sicherheit zu leben.

Elemente von „Gemeinsam stark!“:

  1. Wöchentliche, professionell geleitete psychoanalytisch orientierte Mutter-Kind-Gruppen (6-8 Frauen, feste Mitglieder, mit ihren Kleinkindern
  2. Monatliche, professionell geleitete Väter-Kind-Gruppen (ab 2020)
  3. Monatliche Schulung zu entwicklungs- und erziehungsrelevanten Themen im Rahmen der Gruppen
  4. Wöchentliche psychoanalytische Supervision der Gruppenleiter*innen


Im Rahmen der formativen Evaluation werden weitere Forschungsfragen untersucht, u.a.:

  • Können geflüchtete Väter erreicht und unterstützt werden?

  • Mit welchen Erwartungen und Fragen treten die Teilnehmer*innen der zusätzlichen Elternschulung entgegen? Wie wird diese angenommen?

  • Ist es möglich, die reflexiven Fähigkeiten der teilnehmenden Mütter im Exil zu untersuchen? Bzw. eignet sich der PRF-Q hierfür?