Evaluation sozialpädagogischer Gruppenangebote bei Kindern und Jugendlichen in der ambulanten Jugendhilfe“ (Sozialpädagogische Gruppenangebote & Evaluation – „SOGREV“)

Seit 2020 (laufend) / Leitung: Prof. Tamara Fischmann (SFI/IPU)

Gefördert durch das IDeA-Zentrum (Individual Development and Adaptive Education of Children at Risk)

Projektbeschreibung

Im Projekt „SOGREV“ wird ein sozialpädagogisches Gruppenangebot für Kinder und Jugendliche umgesetzt und evaluiert, die sich bereits in einer ambulanten Einzelfallhilfe durch das Jugendamt befinden. Diese Kinder werden aufgrund bestehender Verhaltensweisen oder familiärer Probleme bereits mit durchschnittlich 6 Wochenstunden von einer pädagogischen Fachkraft betreut, eine hohe Schnittmenge zu den Kindern die im Projekt MuKi untersucht werden ist hier merklich. Bei diesen Kindern besteht besonders häufig der Fall, dass sie aufgrund unterschiedlicher Umstände (dysfunktionales Familiensystem, sozial prekäre Lebensbedingungen, psychische Auffälligkeiten) große Schwierigkeiten haben Kontakt zu Gleichaltrigen zu knüpfen, nach dem sie sich jedoch häufig sehnen. Probleme im sozialen Bereich werden durch soziale Ängste begünstigt, da diese besonders schnell zu einem Rückzug der Kinder führen können (vgl. de Ljister et al., 2018, Spence & Rapee, 2016). Eine besondere Schwierigkeit ist dabei, dass ein solcher Rückzug Unsicherheiten und Ängstlichkeit verstärkt, da die Kinder einem regelmäßigen sozialen Kontakt nun noch weniger ausgesetzt sind (vgl. Johnston & Iarocci, 2017). Auch zählen Angststörungen zu den verbreitetsten Störungsbildern in der Kindheit (Essau, NcNicol, Doubleday, 2006, zitiert nach Göttken, et al., 2014), denn mehr als 5% aller Kinder in Deutschland werden die Kriterien für ein solches Störungsbild mindestens einmal über einen gewissen Zeitraum erfüllen. Bei den Kindern, die das Projekt „SOGREV“ untersucht und unterstützt, dürfte dieser Anteil bedeutend größer ausfallen, da hier bereits problematische Verhaltensweisen oder familiäre Problemlagen bekannt sind.

Durch die Coronakrise und damit verbundene Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen wurden Ängstlichkeit und weitere Belastungen insbesondere in dieser Gruppe von Kindern erheblich erhöht, wie erste Ergebnisse der COPSY-Studie von Ravens-Sieberer et al. (2020) bereits zeigen konnten. Auf Grundlage dieser Ergebnisse argumentieren sie für zielgruppenspezifische und niederschwellige Angebote der Prävention (ebd., S. 829) um die entstandenen Belastungen schnellstmöglich abzufangen.

Durch die Frankfurter Wirksamkeitsstudie (Leuzinger-Bohleber & Fischmann, 2010) und das EVA-Projekt1 (Fischmann et al. 2020; Leuzinger-Bohleber et al., 2017) konnte bereits gezeigt werden, wie wirksam zielgerichtet Präventionsprojekte bei Kindern, Jugendlichen und Familien sein können, die bereits problematische Verhaltensweisen zeigen, unter denen nicht nur andere, sondern vor allem häufig auch sie selbst leiden. Auch wenn bei diesen wissenschaftlichen Evaluationen nur aggregierte Daten berichtet werden, stehen dahinter immer Familien- und Einzelschicksale in ihrer Summe. Aus unserer Sicht kann ein Angebot, das in einer Gruppe von Kindern & Jugendlichen stattfindet, ein besonders hilfreiches Mittel sein, um bestehende Jugendhilfen zu ergänzen und die Kinder und Jugendlichen zielgerichtet im Kontakt zu Gleichaltrigen zu fördern. Das pädagogische Konzept beinhaltet vor allem Freizeitangebote, die am Wochenende stattfinden. Die einzelnen Angebote haben dabei über- und untergeordnete Ziele, um die Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung zu unterstützen. Übergeordnete Ziele sind dabei die Reduktion von Ängstlichkeit und Verbesserung beziehungsrelevanter Aspekte zu Gleichaltrigen. Untergeordnete Ziele können dabei das Kennenlernen der Stadtteile, das Wecken neuer Interessen oder ein sicherer Umgang mit sozialen Medien sein. Alle Angebote sind so ausgelegt, dass sie den Kindern und Jugendlichen Freude im Umgang mit Gleichaltrigen und Sicherheit in der Gruppe vermitteln sollen. Dies beinhaltet z.B. Fahrradausflüge, Fifa-Turniere (digitales Fußballspiel), sportliche Aktivitäten, medienpädagogische Angebote und Kochwettbewerbe. Zusammenfassend ist das grundlegende Ziel des Angebotes die Herstellung eines besonders geschützten Rahmens in dem Kinder und Jugendliche soziale Beziehungen zu Gleichaltrigen möglichst angstfrei eingehen können. Dabei ist hervorzuheben, dass die Soziale Gruppenarbeit (nach §29 SGBVIII) besonders hohe Effekte bei der Förderung von Ressourcen wie sozialer Integration, Autonomie und Selbstsicherheit erzielt (Macsenaere & Knab, 2004; zitiert nach Macsenare 2019), in den neuen Bundesländern allerdings nur von 5 in 100.000 jungen Menschen in Anspruch genommen wird (Fendrich et al., 2016; zitiert nach Macsenare, ebd.). Das Jugendamt der Stadt Frankfurt bedient Hilfen nach diesem Paragraphen aktuell nicht.