Die Rolle allgemeiner und spezifischer Wirkfaktoren bei Depressiven

Die Rolle allgemeiner und spezifischer Wirkfaktoren in Relation zur Bedeutung spezifischer Patient*innen-Merkmale bzw. der Interaktion zwischen Patient*innen und Therapeut*innen in der Behandlung von Depression: Allianz, Technik, Reflexionsfähigkeit und therapeutische Tests

2016 - 2022 / Leitung: Univ.-Prof. Dr. Sylke Andreas und Assoc. Prof. Dr. Sven Rabung

Kooperationsprojekt mit der Universität Klagenfurt

Projektbeschreibung

Psychotherapie-Prozessforschung gewinnt zunehmend an Bedeutung, da die Interaktion zwischen Therapeut*innen und Patient*innen von entscheidender Bedeutung für den Therapieerfolg ist. Das Wissen über spezifische Prozesse, die eine konkrete therapeutische Veränderung ermöglichen, ist jedoch nach wie vor sehr begrenzt.
Der Zusammenhang zwischen der therapeutischen Allianz und dem Ergebnis von Psychotherapie wurde in Hunderten von Studien bestätigt (Flückiger et al. 2018). Studien, die sich mit der Bedeutung bestimmter therapeutischer Techniken, bestimmter Patient*innencharakteristika oder bestimmter Patient*innen-Therapeut*innen-Interaktionen für diesen Zusammenhang beschäftigen, sind jedoch selten. Die vorliegende Studie zielt darauf ab, den Einfluss zweier vielversprechender Konstrukte, nämlich der reflektiven Funktionsfähigkeit der Patient*innen (Bateman & Fonagy, 2019) und des Umgangs der Therapeut*innen mit unbewussten Tests der Patient*innen (Weiss & Sampson, 1986) und ihrer Interaktion, zu untersuchen, während gleichzeitig Zusammenhänge zu bereits etablierten Wirkfaktoren in Gestalt der therapeutischen Allianz und Behandlungstechnik kontrolliert werden (z.B. Owen & Hilsenroth 2011).

Im Kontext der Münchner Psychotherapiestudie (Huber et al., 2012) werden Patient*innen untersucht, die mit analytischer, tiefenpsychologisch-fundierter oder kognitiv-behavioraler Therapie behandelt wurden. Für jeden Fall werden Sitzungen aus der Anfangs-, Mittel- und Endphase der Therapie analysiert. Das Niveau der reflektiven Funktionsfähigkeit der Patient*innen wird auf der Grundlage der Reflective Functioning Scale (Fonagy et al., 1998) bewertet. Der Umgang der Therapeut*innen mit den unbewussten Tests der Patient*innen wird mit der Planformulierungsmethode analysiert (Curtis & Silberschatz, 1991). Der Einsatz psychodynamischer und kognitiv-behavioraler Techniken wird mit der Comparative Psychotherapy Process Scale (Hilsenroth et al., 2015), die Allianz mit dem Working Alliance Inventory (Horvath & Greenberg, 1989) von unabhängigen Beobachtern bewertet. Das Behandlungsergebnis wurde u.a. mit BDI, SCL, IIP und INTREX erhoben (vgl. Huber et al., 2012). In einem letzten Schritt werden die verschiedenen Prozess- und Ergebnismaße korreliert, um den Zusammenhang zwischen der Interaktion von Therapeut*innen und Patient*innen und dem Erfolg der Therapie zu erhellen.
Die Befunde zum differentiellen Zusammenhang zwischen Behandlungsprozessen und -ergebnissen über verschiedene therapeutische Orientierungen und Therapiephasen hinweg sollen zu einem besseren Verständnis der Beziehung zwischen allgemeinen und spezifischen therapeutischen Wirkfaktoren in Relation zu spezifischen Merkmalen der behandelten Patient*innen und ihrer Interaktion mit den behandelnden Therapeut*innen beitragen.

Projektteam

IPU Berlin
Prof. Dr. Dr. Dorothea Huber
dorothea.huber(at)ipu-berlin.de

Imke Grimm, M.A. Psych.
Telefon: +49 30 300 117-776
imke.grimm(at)ipu-berlin.de

Universität Klagenfurt
Univ.-Prof. Dr. Sylke Andreas
sylke.andreas(at)aau.at

Assoc. Prof. Dr. Sven Rabung
sven.rabung(at)aau.at