Das Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung

Informationen und Fragen zur bevorstehenden Gesetzesneuerung

Im Bundestag wurde am 26. September 2019 in zweiter und dritter Lesung das Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung verabschiedet. Wir beantworten Ihre Fragen rund um die anstehenden Veränderungen von Studium und Ausbildung.

Der Psychotherapeut_innenberuf ist geschützt und die Ausbildung nach dem sogenannten Psychotherapeutengesetz (PsychThG) aus dem Jahr 1998 geregelt. Seit Anfang 2019 existiert ein Entwurf zur Reform dieses Gesetzes, da die darin enthaltenen „Regelungen den Ansprüchen an eine moderne psychotherapeutische Versorgung nicht mehr in vollem Umfang gerecht“ würden. Aktuell bedarf es noch der Zustimmung im Bundesrat. Dort wird darüber voraussichtlich noch vor dem Jahreswechsel entschieden.

Als Hauptgrund für die Erneuerung des Gesetzes gilt die notwendige Angleichung der Qualifikation von Psychotherapeut_innen, die durch die Einführung des Bachelor-Master-Systems unklar geworden ist. Der zweite wichtige Grund sind die aktuellen Ausbildungsbedingungen von Psychotherapeut_innen, die für ihre praktische Tätigkeit teilweise nur sehr wenig Geld gezahlt bekommen, das zur Finanzierung der Lebenshaltungskosten häufig nicht ausreicht.

Mit der Neuauflage des Gesetzes soll sichergestellt werden, dass „Patientinnen und Patienten, die einer psychotherapeutischen Behandlung bedürfen, eine qualifizierte, patientenorientierte, bedarfsgerechte und flächendeckende psychotherapeutische Versorgung auf dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Verfügung“ gestellt werden kann.

Die Konsequenzen des neuen Gesetzes sind bislang nicht vollständig geklärt. Insbesondere fehlt die Approbationsordnung, in der die konkreten Details des Psychotherapiestudiums mit anschließender Weiterbildung geregelt werden wird. Die Präsidentin der IPU, Prof. Dr. Ilka Quindeau, versichert allen Studierenden der IPU, den Weg zur Approbation lückenlos zu gestalten. Über den aktuellen Stand und offene Fragen rund um die Gesetzesneuerung werden wir hier in nächster Zeit informieren. Nutzen Sie das untenstehende Formular, um Ihre Fragen zu ergänzen. Wir bemühen uns um zeitnahe Antworten.

Fragen und Antworten zum Reformgesetz

Nein. Der Bachelor wird aller Voraussicht nach polyvalent angelegt sein. Das heißt, es werden Inhalte gelehrt, die sowohl für einen Master Psychotherapie als auch einen Master Psychologie mit einem anderen inhaltlichen Schwerpunkt ausreichend vorbereiten. Die Entscheidung Psychotherapeut_in zu werden, wird mit der anschließenden Bewerbung auf einen Masterplatz getroffen.

Die neue Psychotherapieausbildung auf einen Blick:

  • Dreijähriger (polyvalenter) Bachelor mit darauf aufbauendem zweijährigem Master Psychotherapie
  • Approbation nach bestandener staatlicher Prüfung am Ende des Studiums (als Berechtigung zur Behandlung von Patienten im Rahmen der anschließenden Weiterbildung)
  • Weiterbildung als Psychotherapeut_in in stationären oder ambulanten Einrichtungen
  • Nach Abschluss der Weiterbildung: Eintrag ins Arztregister und Möglichkeit zum Antrag auf Zulassung zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung im System der gesetzlichen Krankenkassen

Durch das Reformgesetz beginnt die Ausbildung zum/zur Psychotherapeut_in bereits während des Studiums. Der Master in Psychotherapie endet dann mit einer staatlichen Approbationsprüfung, die bei Bestehen zur Behandlung von Patient_innen im Rahmen der an das Studium anschließenden Weiterbildung berechtigt. In dieser Weiterbildung folgt eine Spezialisierung auf ein psychotherapeutisches Verfahren (z. B. Psychoanalyse, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Verhaltenstherapie). Ebenso entscheiden sich die Masterabsolvent_innen mit der Wahl ihrer Weiterbildung, ob sie schwerpunktmäßig Erwachsene oder Kinder und Jugendliche behandeln wollen. Die Berufsbezeichnung wird jedoch vereinheitlicht: Psychotherapeut bzw. Psychotherapeutin. Ärzt_innen können sich als ärztliche Psychotherapeut_innen bezeichnen.

Der Status als Praktikant_in der Auszubildenden während der Praktischen Tätigkeit I im stationären Kontext soll mit der Gesetzesänderung abgeschafft werden. Künftig sollen die Weiterbildungskandidat_innen während dieser Tätigkeit in einem Angestelltenverhältnis vergütet werden. Genaueres über diese Vergütung ist noch nicht festgelegt. Die Weiterbildungsstätten müssen im späteren Verlauf der Ausbildung den Kandidat_innen mindestens 40% der Krankenkassenhonorare auszahlen, die für die Behandlung von Patient_innen gezahlt werden.

Aktuell ist der 1. Oktober 2020 als Datum für das Inkrafttreten des Gesetzes zur Reform der Psychotherapeutenausbildung geplant.

Ja. Es wird einen Übergangszeitraum geben, in dem die Ausbildung zum/zur Psychologischen Psychotherapeut_in im Rahmen der derzeitigen Gesetzeslage absolviert werden kann. Als Nachteilsausgleich wurde zudem beschlossen, dass Psychotherapeut_innen in Ausbildung (PiA) während ihrer 1.200 Stunden Praktische Tätigkeit I (PsychThG §2 Abs. 2 Nr. 1) mindestens 1000€ pro Monat gezahlt bekommen müssen. Diese Vergütung gilt für eine Vollzeitbeschäftigung und verringert sich bei Teilzeit entsprechend.

Das neue Psychotherapiestudium wird einen polyvalenten Bachelor beinhalten, der dem aktuellen Bachelor stark ähneln wird. Es ist daher davon auszugehen, dass der Übergang für aktuelle Bachelorstudierende oder Bachelorabsolvent_innen in den Master Psychotherapie ohne viel zusätzlichen Aufwand gelingen wird. Nicht erbrachte Leistungen, die nach dem neuen Gesetz gefordert sind, werden voraussichtlich in Brückenkursen angeboten.

Selbstverständlich werden alle bisher erbrachten Studienleistungen für das künftige Studium Psychotherapie angerechnet. Da der Master an der IPU bereits einen klinischen Schwerpunkt hat, sind IPU-Studierende gut für die Gesetzesreform vorbereitet.

Ja. An der Aufteilung für Vollzeitstudierende und berufsbegleitend Studierende in Teilzeit wird sich durch die Reform nichts ändern.

Ihre Fragen zum Reformgesetz