Das Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung

Informationen und Fragen zur bevorstehenden Gesetzesneuerung

Das Gesetz zur Reform der Psychotherapeutenausbildung ist beschlossen und die Approbationsordnung wird vorbereitet. Wir beantworten Ihre Fragen rund um die anstehenden Veränderungen von Studium und Ausbildung.

Der Psychotherapeut_innenberuf ist geschützt und die Ausbildung nach dem sogenannten Psychotherapeutengesetz (PsychThG) aus dem Jahr 1998 geregelt. Nun ist eine Reform dieses Gesetzes beschlossen und eine neue Approbationsordnung auf den Weg gebracht. Als Hauptgrund für die Erneuerung des Gesetzes gilt die notwendige Angleichung der Qualifikation von Psychotherapeut_innen, die durch die Einführung des Bachelor-Master-Systems unklar geworden sei. Als zweiter wichtiger Grund werden die aktuellen Ausbildungsbedingungen von Psychotherapeut_innen angeführt, die für ihre praktische Tätigkeit meist nur sehr wenig Geld gezahlt bekommen, das zur Finanzierung der Lebenshaltungskosten nicht ausreicht.

Mit der Neuauflage des Gesetzes soll sichergestellt werden, dass „Patientinnen und Patienten, die einer psychotherapeutischen Behandlung bedürfen, eine qualifizierte, patientenorientierte, bedarfsgerechte und flächendeckende psychotherapeutische Versorgung auf dem aktuellen Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse zur Verfügung“ gestellt werden kann. Allen Studierenden der IPU versichern wir, den Weg zur Approbation lückenlos zu gestalten.

Mit der Gesetzesreform ändern sich die Bedingungen für die Ausbildung zum/zur Psychotherapeut_in. So wird ein Bachelor und ein Master in Psychologie notwendig sein, um die Approbation abschließen und die Weiterbildung beginnen zu dürfen. Zudem wird der Ausbildungsgang per Direktstudium zur einzigen Möglichkeit, um Psychotherapeut_in zu werden. Das zeigt sich auch in der Berufsbezeichnung, die mit Ausnahme von Ärzt_innen künftig ausschließlich „Psychotherapeut“ bzw. „Psychotherapeutin“ lauten wird. Mit anderen Studienabschlüssen beispielsweise die Ausbildung in Kinder- und Jugendpsychotherapie zu absolvieren, ist dann nicht mehr möglich.

Der Master Klinische Psychologie und Psychotherapie nach der Gesetzesreform startet an der IPU zum Wintersemester 2021/2022, der Bachelor bereits ein Jahr früher ab dem Wintersemester 2020/2021. Bewerben können Sie sich auf den Master, wenn Sie Ihren Bachelorabschluss nach den Vorgaben des neuen Gesetzes erlangt haben. An der IPU können Sie dafür ab Wintersemester 2020/21 in die neu einzuführende Studien- und Prüfungsordnung des B.Sc. Psychologie wechseln, sofern sie aktuell im laufenden B.Sc. Psychologie eingeschrieben sind.

Über den aktuellen Stand und offene Fragen rund um die Gesetzesneuerung informieren wir auf dieser Seite. Um Sie auf die anstehenden Veränderungen bestmöglich vorzubereiten, haben wir drei Beispiele zusammengestellt, die Situationen repräsentieren, in denen Sie sich aktuell befinden können. Ob Sie aktuelle Bachelorstudierende bzw. -absolvent_in im Fach Psychologie, Masterstudierende der Psychologie oder gar Bachelorstudierende in Studiengängen mit psychologischen Anteilen sind: Lesen Sie nach, was in Ihrer individuellen Lage zu beachten ist. Zudem beantworten wir Ihre Fragen und ergänzen die Antworten fortwährend. Nutzen Sie daher gerne das untenstehende Formular, um weitere Fragen zu ergänzen. Wir bemühen uns um zeitnahe Antworten.

Hinweis für alle englischsprachigen Studieninteressierten: Der Master nach dem neuen Gesetz wird nur auf Deutsch angeboten. Wenn Sie an unserem englischen Master Psychologie interessiert sind, besuchen Sie bitte https://psychology-berlin.com/. Dort finden Sie auch ein Formular für Ihre Fragen und um in Kontakt mit dem International Office zu treten.

Gesetzestext als PDF (Stand: 22. November 2019)
Approbationsordnung für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten (Stand: 12. März 2020)

Beispielsituationen

Die wichtigste Änderung durch die Gesetzesreform für das Masterstudium Psychologie ist die künftige Approbationsprüfung, mit der das Studium abschließt. Zudem gibt es neue Auflagen, um den Masterabschluss Psychologie zu erlangen. Diese betreffen sowohl Leistungen im Rahmen von Lehrveranstaltungen als auch Praktika. Um diese Leistungen bei einem Wechsel vom aktuellen in den neuen Master nachzuholen, entstünde Ihnen ein Mehraufwand. Da der neue Master mit dem Wintersemester 2021/2022 erstmalig startet, hätten Sie zudem keine Möglichkeit, in ein höheres Semester zu starten und bräuchten ein Jahr länger, auch wenn Sie bereits erbrachte Leistungen anrechnen lassen könnten. Der Vorteil eines solchen Wechsels steht daher nach aktuellen Informationen infrage.

Sie können auf dem aktuellen Master aufbauend während der im Gesetz festgelegten Übergangszeit von 12 Jahren (bzw. 15 in „Härtefällen“) die Ausbildung zum/zur Psychotherapeut_in an jedem deutschen Ausbildungsinstitut regulär und mit der neuen Gesetzeslage gleichberechtigt abschließen. Zwar endet der neue Master mit einer Approbation, diese berechtigt aber ausschließlich zur Patientenbehandlung im Rahmen der anschließenden Weiterbildung. Erst nach Abschluss dieser Weiterbildung sind Sie berechtigt, beispielsweise in eigener Praxis Patient_innen zu behandeln.

Auch die Dauer der Ausbildung wird sich nach dem neuen Gesetz nicht wesentlich ändern. Insbesondere in der analytischen Psychotherapieausbildung entsteht der größte zeitliche Aufwand durch die eigene Behandlungstätigkeit unter Supervision, theoretische Seminare usw. Durch Veränderungen im Lehrplan wird aller Voraussicht nach keine signifikante Zeitersparnis entstehen können.

Schließlich ist die Finanzierung der neuen Weiterbildung im Gesetzestext nicht näher definiert. Ob Sie insgesamt mit einem höheren Verdienst rechnen können, ist zurzeit noch nicht festzustellen. Für das erste praktische Jahr im Rahmen der aktuellen Psychotherapieausbildung wurde im Gesetz eine Mindestentlohnung von 1000€ pro Monat für eine Vollzeitstelle festgelegt. Damit soll die aktuelle Finanzierungssituation verbessert werden. Diese Bezahlung gilt ebenfalls bis zum Ende der oben genannten Übergangszeit.

Wenn Sie aktuell im Bachelor Psychologie Ihren Abschluss machen, können Sie im kommenden Wintersemester 2020/2021 noch nach der aktuellen Gesetzeslage den Master Psychologie beginnen.In den neuen Master Klinische Psychologie und Psychotherapie können Sie ab dem Wintersemester 2021/2022 starten, wenn Sie die entsprechenden gesetzlichen Voraussetzungen dafür erfüllen.Die Prüfung dieser gesetzlichen Voraussetzungen für die Gewährung der Approbation liegt bei den Landesprüfungsämtern – in Berlin künftig in der Hand des Landesamtes für Gesundheit und Soziales – und nicht bei der Universität. In den Master nach neuer Gesetzgebung mit einem Bachelor nach alter Gesetzgebung zu starten, können wir daher aktuell nicht empfehlen.

An der IPU ist ein lückenloser Übergang gewährleistet, wenn Sie während des Bachelorstudiums in die neu einzuführende Studien- und Prüfungsordnung wechseln und alle notwendigen Leistungen erbringen. Sie haben aber ebenso die Möglichkeit, den Master nach der bisherigen Gesetzeslage zu studieren. Zusatzleistungen fallen dann nicht an, ein Nachteil entsteht Ihnen nicht, Sie können – wie in Fall 1 beschrieben – die Ausbildung gleichberechtigt und ohne Nachteil bis zum Ende der 12-jährigen Übergangszeit absolvieren.

Nach aktueller Rechtsprechung ist zur Berechtigung für die Psychotherapieausbildung ein Masterabschluss in Psychologie notwendig. Das hat das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig entschieden. Die Entscheidung fiel zugunsten einer Studierenden, die geklagt hatte, da im Gesetzestext ein konsekutives Bachelor- und Masterstudium nicht explizit festgehalten ist. Dementsprechend besteht die Möglichkeit, den Master Psychologie auch in Folge eines nicht rein psychologischen Bachelorstudiums zu beginnen. Das betrifft beispielsweise Fächer wie Erziehungswissenschaften, Soziologie, Soziale Arbeit oder ähnliche Fachbereiche. An der IPU müssen Sie für die Zulassung zum Master Psychologie solide Vorleistungen im Fach Psychologie im Umfang von 60 ECTS nachweisen, die auch in Brückenkursen aufgeholt werden können. Diese Möglichkeit besteht für Sie an der IPU, wenn Sie vor dem Wintersemester 2020/2021 zu studieren begonnen haben. Brückenkurse müssen vor Beginn des Masterstudiums erbracht sein. Wir bitten Sie um frühzeitige Bewerbung, damit die Zulassungsvoraussetzungen geklärt werden und Sie mögliche Brückenkurse vor Studienbeginn absolvieren können.

Fragen und Antworten zum Reformgesetz

Nein. Der Bachelor wird polyvalent angelegt sein. Das heißt, es werden Inhalte gelehrt, die sowohl für den MA Klinische Psychologie und Psychotherapie als auch einen Master Psychologie mit einem anderen inhaltlichen Schwerpunkt ausreichend vorbereiten. Die Entscheidung Psychotherapeut_in zu werden, wird mit der anschließenden Bewerbung auf einen Masterplatz getroffen.

Die neue Psychotherapieausbildung auf einen Blick:

  • Dreijähriger (polyvalenter) Bachelor mit darauf aufbauendem zweijährigem Master Psychotherapie
  • Approbation nach bestandener staatlicher Prüfung am Ende des Studiums (als Berechtigung zur Behandlung von Patienten im Rahmen der anschließenden Weiterbildung)
  • Weiterbildung als Psychotherapeut_in in stationären oder ambulanten Einrichtungen
  • Nach Abschluss der Weiterbildung: Eintrag ins Arztregister und Möglichkeit zum Antrag auf Zulassung zur ambulanten psychotherapeutischen Versorgung im System der gesetzlichen Krankenkassen

Durch das Reformgesetz beginnt die Ausbildung zum/zur Psychotherapeut_in bereits während des Studiums. Der Master in Klinischer Psychologie und Psychotherapie endet dann mit einer staatlichen Approbationsprüfung, die bei Bestehen zur Behandlung von Patient_innen im Rahmen der an das Studium anschließenden Weiterbildung berechtigt. In dieser Weiterbildung folgt eine Spezialisierung auf ein psychotherapeutisches Verfahren (z. B. Psychoanalyse, Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, Verhaltenstherapie). Ebenso entscheiden sich die Masterabsolvent_innen mit der Wahl ihrer Weiterbildung, ob sie schwerpunktmäßig Erwachsene oder Kinder und Jugendliche behandeln wollen. Die Berufsbezeichnung wird jedoch vereinheitlicht: Psychotherapeut bzw. Psychotherapeutin. Ärzt_innen können sich als ärztliche Psychotherapeut_innen bezeichnen.

Der Status als Praktikant_in der Auszubildenden während der Praktischen Tätigkeit I im stationären Kontext soll mit der Gesetzesänderung abgeschafft werden. Künftig sollen die Weiterbildungskandidat_innen während dieser Tätigkeit in einem Angestelltenverhältnis vergütet werden. Genaueres über diese Vergütung ist noch nicht festgelegt. Die Weiterbildungsstätten müssen im späteren Verlauf der Ausbildung den Kandidat_innen mindestens 40% der Krankenkassenhonorare auszahlen, die für die Behandlung von Patient_innen gezahlt werden.

Aktuell ist der 1. September 2020 als Datum für das Inkrafttreten des Gesetzes zur Reform der Psychotherapeutenausbildung angesetzt.

Ja. Es wird einen Übergangszeitraum geben, in dem die Ausbildung zum/zur Psychologischen Psychotherapeut_in im Rahmen der derzeitigen Gesetzeslage absolviert werden kann. Als Nachteilsausgleich wurde zudem beschlossen, dass Psychotherapeut_innen in Ausbildung (PiA) während ihrer 1.200 Stunden Praktische Tätigkeit I (PsychThG §2 Abs. 2 Nr. 1) mindestens 1000€ pro Monat gezahlt bekommen müssen. Diese Vergütung gilt für eine Vollzeitbeschäftigung und verringert sich bei Teilzeit entsprechend.

Das neue Psychotherapiestudium wird einen polyvalenten Bachelor beinhalten, der dem aktuellen Bachelor stark ähneln wird. Dennoch müssen alle Leistungen nach den neuen gesetzlichen Vorgaben erbracht sein, bevor eine Zulassung zum anschließenden MA Psychologie mit Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie möglich ist. Diese Vorgaben werden vom Landesamt für Gesundheit und Soziales geprüft. An der IPU ist für aktuelle Bachelorstudierende ein Wechsel in die neue Studienordnung möglich.

Selbstverständlich werden alle bisher erbrachten Studienleistungen für das künftige Studium angerechnet. Da der Master an der IPU bereits einen klinischen Schwerpunkt hat, sind IPU-Studierende gut für die Gesetzesreform vorbereitet.

Den MA Klinische Psychologie und Psychotherapie wird es an der IPU künftig erst einmal nur in Vollzeit geben.

Theoretisch ist ein solcher Wechsel möglich, aber nicht sinnvoll. Zunächst ist der Wechsel nicht praktikabel, weil Leistungen sowohl aus dem Bachelor- als auch aus dem Masterstudium Psychotherapie nachgeholt werden müssten. Dieser zusätzliche Aufwand entfällt, wenn Sie als aktuelle Masterstudierende den Ausbildungsweg nach dem noch bis 2020 gültigen Gesetz gehen. Daher bringt ein Wechsel in den neuen Studiengang für aktuelle Studierende auch keinen Vorteil.

Aus dem aktuellen B.Sc. Psychologie in den neuen MA Klinische Psychologie und Psychotherapie einzusteigen, ist unter Umständen möglich, aber nicht empfehlenswert. Im neuen Gesetz sind neue Leistungsvorgaben geregelt, die erfüllt sein müssen und von den Landesämtern geprüft werden. Das Studium nach der neu einzuführenden Studien- und Prüfungsordnung zu beenden, ist daher ratsam.

Theoretisch ja, aber nicht empfehlenswert. Durch einen Wechsel müssten Zusatzleistungen erbracht werden, die einen Mehraufwand bedeuten, aber keinen Vorteil im Ausbildungsgang. In der Übergangszeit, die nach aktuellen Angaben 12 bis 15 Jahre (in "Härtefällen") beträgt, können Sie mit einem Masterabschluss in Psychologie alle Arten der Psychotherapieausbildung absolvieren. Es entsteht kein Nachteil gegenüber der neuen Gesetzeslage.

Die Übergangsregelung und damit die 12-jährige Übergangszeit zum Absolvieren der Psychotherapieausbildung gilt für alle Studierenden, die vor dem 1. September 2020 ihr Psychologiestudium begonnen haben. Ebenso gilt die Übergangszeit für alle, die mit einem nicht-psychologischen Bachelorabschluss und ausreichenden Vorleistungen in Psychologie im Umfang von 60 ECTS in den MA Psychologie nach "altem" Recht an der IPU einsteigen möchten.

Bitte beachten Sie folgende Hinweise, bevor Sie das Kontaktformular nutzen

1. Bitte lesen Sie sich die Angaben zu Beispielsituationen und die bereits gestellten und beantworteten Fragen auf dieser Seite durch, bevor Sie das Kontaktformular für eine Frage nutzen.
2. Bitte nutzen Sie das Kontakformular ausschließlich für Fragen rund um die Gesetzesreform.

Ihre Fragen zum Reformgesetz und zum neuen Studiengang

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