Banter in der Psychotherapie

2019 – 2023 / Leiterin: Prof. Dr. Dr. Dorothea Huber


Projektbeschreibung

Diese Forschungsübersicht bildet Teil 2 einer vierteiligen Dissertation, die sich mit „Banter“ (keine genaue Übersetzung möglich; neutrale Neckereien oder positive Stichelei beziehungsweise gutgemeintes aber kritisches Scherzen über eine andere Person) in der Psychotherapie befasst. Der erste Teil umfasst eine systematische Literaturanalyse und die Grundlage für die anderen Teile. Aufbauend auf diesen Ergebnissen untersucht Teil 2, ob sich die in Teil 1 festgestellten Ergebnisse auch in empirischen Daten aus naturalistischen Psychotherapie-Sitzungen wiederfinden. Alle in Teil 2 gefundenen Beispiele für „Banter“ bilden die Grundlage, auf deren Basis in Teil 3 ein „Banter“-Fragebogen entwickelt wird. Dieser Fragebogen würde dann in einem weiterführenden klinischen Setting genutzt werden, um weitere Daten über die tatsächliche Anwendung von „Banter“ in naturalistische Settings zu sammeln.

Teil 1 - Wesentliche Ergebnisse
Der erste Teil dieser Studie zeigte diverse Anhaltspunkte für Beispiele oder Nuancen von „Banter“ in der Literatur. Abgesehen von den ausdrücklich als „Banter“ bezeichneten Beispielen, die in dieser Studie als „spielerischer und freundlicher Austausch von neckenden Bemerkungen“ definiert wurden, gab es auch viele Nuancen dessen oder „Banter“-ähnliche Beschreibungen, zum Beispiel:
 

  • Spötteln, Ironie mit positiven Absichten
  • Aggressiver Humor [Wenn ich jemanden nicht mag, wende ich oft Humor oder Hänseleien an, um ihn zu erniedrigen]
  • Therapeuten necken, um ihre wahrgenommene Menschlichkeit zu verstärken und die Angst vor ihnen oder der Therapie selbst zu verringern
  • Alberne Beschreibungen des Patienten


In einer kürzlich durchgeführten Studie haben Yonatan-Leus, Tishby, Shefler, and Wiseman (2018) eine positive Korrelation zwischen der Anwendung von aggressivem Humor und dem Ergebnis der Therapie aufgezeigt. Ein weiteres Ergebnis dieses Berichtes war ein erstes theoriebasiertes Kategoriensystem für „Banter“ in der Psychotherapie, das in der Tabelle unten dargestellt ist.

Name der Kategorie Frequency
K1: Challenging 2
K2: Förderung/Unterstützung der Therapie 17
K3: Authentische Harmonie zwischen den Therapeuten 2
K4: Riskante, aber erforderliche Interventionen 14
K5: Zustandsveränderung durch Konfrontation 13
K6: Humanisieren des Therapeuten 1
K7: Negative „Banter“ oder „Banter“ ähnliche Humor 3

Teil 2 - Zusammenfassung des Forschungsplans
Wenn „Banter“ oder „Banter“-ähnlicher Humor in der Psychotherapie eine Rolle spielt, würden wir davon ausgehen, dass wir in einer deduktiven Inhaltsanalyse Beispiele für die Kategorien (oder weitere zusätzliche Kategorien) finden. Die in der Münchner Psychotherapiestudie (Huber, Zimmermann, Henrich, & Klug, 2012) erhobenen empirischen Daten sind aufgrund der täglichen klinischen Praxis durch erfahrene Psychotherapeuten, der Daten zu den Therapieergebnissen sowie die blind  Ausführung der Studie in Bezug auf die Behandlungsmodalität eine ausgezeichnete Quelle für diesen Zweck. Die Ziele von Teil 2 dieser Studie lauten: Überprüfung der Kategorien aus Teil 1, Berechnung von Häufigkeitsstatistiken für „Banter“ sowie Aufschlüsselung dieser Ergebnisse nach Behandlungsmodalität und Therapeut. Außerdem sollen die Ergebnisse von Yonatan-Leus et al. (2018) insofern repliziert werden, als ermittelt wird, inwieweit die Anwendung von „Banter“ mit positiven Therapieergebnissen in Zusammenhang steht.

References
Huber, D., Zimmermann, J., Henrich, G., & Klug, G. (2012). Comparison of cognitive-behaviour therapy with psychoanalytic and psychodynamic therapy for depressed patients–a three-year follow-up study. Zeitschrift für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie, 58(3), 299-316.
Yonatan-Leus, R., Tishby, O., Shefler, G., & Wiseman, H. (2018). Therapists’ honesty, humor styles, playfulness, and creativity as outcome predictors: A retrospective study of the therapist effect. Psychotherapy Research, 28(5), 793-802.

Studienleitung

Verantwortliche Betreuung IPU
Prof. Dr. Dr. Dorothea Huber
International Psychoanalytic University
Stromstraße 3b
10555 Berlin
Email: dorothea.huber(at)ipu-berlin.de

Studienzentrale und Gesamtkooperation
Universität Klagenfurt
Team Klagenfurt:
Prof. Dr. Sylke Andreas
Doktorand: Adrian Brooks