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Wie Vorurteile, Rassismus und Antisemitismus zu Merkmalen von Geisteskrankheit wurden

Öffentlicher Vortrag von Prof. Sander L. Gilman am 1. Dezember 2017

Warum hassen Menschen Juden und Schwarze? Die Frage nach dem Hass auf Juden und auf Menschen afrikanischer Herkunft ist ein Thema der Psychologie seit Mitte des 19. Jahrhunderts. Wie es sich manifestiert, war und ist abhängig vom Kontext, in welchem die Theorien darüber entwickelt wurden. 

Sigmund Freud dachte, das Problem sei eines von Gleichheit und (zu) enger Nachbarschaft; seine Tochter Anna sah es in den Reaktionen jener, die sich „mit dem Aggressor identifizierten“. Psychoanalytiker der Frankfurter Schule, wie Erich Fromm und Theodor Adorno, die nach 1933 nach Amerika emigriert waren, passten ihr wissenschaftliches Interesse dem neuen Kontext an – von dem am Antisemitismus zu dem an Fremdenfeindlichkeit und „Ethnozentrismus“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Studien jüdischer und schwarzer Wissenschaftler der Columbia University über den Rassenhass zur Basis für den bedeutendsten Prozess gegen rassistische Verhältnisse in der modernen amerikanischen Geschichte: Im „Fall Brown gegen den Schulbezirk Topeka, Kansas“, wurde die Rassentrennung an öffentlichen Schulen für ungesetzlich erklärt. „Wer uns hasst, bestimmt, wer wir sind“, war das Mantra.

Die Debatte über die Bedeutungen des Hasses und die Unterschiede und Ähnlichkeiten in seiner Ansprache an Juden und schwarze Amerikaner setzt sich bis heute fort. Sind wir so weit, wie einige Kliniker schon argumentierten, ein „Heilmittel“ gegen Rassismus zu haben?

Sander L. Giman ist Literaturwissenschaftler und Kulturhistoriker, lehrte und lehrt an Universitäten u. a. in Nordamerika, Südafrika, Großbritannien, Deutschland, Israel, China und Neuseeland. Er hat über neunzig Bücher zur deutschen Literatur seit dem 18. Jahrhundert veröffentlicht. Seine Themen sind die Kultur-, Sexualitäts- und Psychiatriegeschichte, Antisemitismusforschung und Judaistik, Rassismus und die Physiognomik – insbesondere von Geisteskranken.

Freitag, 1. Dezember 2017
Beginn 20:00 Uhr
Der Eintritt ist frei.


Der Vortrag „Sind Rassisten verrückt? Wie Vorurteile, Rassismus und Antisemitismus zu Merkmalen von Geisteskrankheit wurden“ findet in englischer Sprache im Hörsaal 1 in der IPU Berlin statt (Stromstr. 2, 10555 Berlin).

Eine Veranstaltung der IPU und des Promotionsprogramm PSAID – Postgraduate Studies for the Advancement of Individual Dissertations in Kooperation mit der Bundeszentrale für politische Bildung