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Postmemory-Konzept der Trauma-Weitergabe

Vortrag von Prof. Dr. phil. Micha Brumlik zum Thema "Postmemory" – ein kulturwissenschaftliches Konzept zum Bewusstsein der Shoah in der dritten Generation

Können wir die Erinnerungen anderer Menschen erinnern? Die kulturwissenschaftliche „postmemory“-Forschung bejaht diese Frage.

Erinnerungen an traumatische Geschehnisse bleiben „lebendig“ und können das Leben derer kennzeichnen, die diese Traumata selbst nicht erlebt haben. Katastrophale zeitgeschichtliche Ereignisse werden von Kindern Überlebender nicht durch unmittelbares Rückerinnern „übernommen“, sondern durch “haunting* postmemories” (*häufig heimsuchend, herumgeisternd), vermittelt und vervielfacht durch Bilder, Objekte, Geschichten, Verhaltensweisen und Affekte, die innerhalb der Familie und der sie umgebenden Kultur weitergegeben werden. Protagonistin der kulturwissenschaftlichen „postmemory“-Perspektive ist Marianne Hirsch, PhD, Professorin an der Columbia University New York. (The Generation of Postmemory. Writing and Visual Culture after the Holocaust. New York 2012).

Prof. Dr. phil. Micha Brumlik ist emeritierter Professor für Allgemeine Erziehungswissenschaften der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main und hat sich auf diesem Gebiet u. a. im Sinne einer „advokatorischen“ Pädagogik für das Kindeswohl eingesetzt. Von 2000 bis 2005 war er zusätzlich Leiter des Fritz-Bauer-Institut, Frankfurt M., einem Studien- und Dokumentationszentrum zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. Seit 2013 ist er Senior Advisor am Zentrum Jüdische Studien Berlin-Brandenburg und Mitglied des Doktorandenkolloquiums der Humboldt-Universität zu Berlin (Prof. Dr. Christina von Braun). Er ist Stipendiaten-Gutachter mehrerer Stiftungen. Seine zahlreichen Buchveröffentlichungen gelten u. a. der Geschichte des Judentums und des Christentums, der Generationengerechtigkeit, dem Antisemitismus und der Psychoanalyse (Sigmund Freud. Der Denker des 20. Jahrhunderts, 2006). Er ist Mitherausgeber von „Babylon – Beiträge zur jüdischen Gegenwart“, der „Blätter für deutsche und internationale Politik“ sowie Autor und regelmäßiger Kolumnist der taz: „Gott und die Welt“.

Donnerstag, 11. Juni 2015
20.00 Uhr c. t.
IPU Berlin, Stromstraße 2, Hörsaal, 3. Etage, 10555 Berlin
 
Der Eintritt ist frei.