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Öffentlicher Vortrag von Jürgen Hardt

Dr. Jürgen Hardt (Dipl.-Psych.) spricht über „Die gefährdete Grundregel – von Außen und von Innen“

Wir laden herzlich ein zum Vortrag „Die gefährdete Grundregel – von Außen und von Innen“ von Dr. Jürgen Hardt am Donnerstag, dem 8.12.2016 um 20.00 Uhr in der IPU, Hörsaal 1 in der Stromstr. 2, 3. OG, 10555 Berlin.

Jürgen Hardt ist Psychologischer Psychotherapeut, Lehr- und Kontrollanalytiker (DPV/IPA), Gruppenlehranalytiker (GAS, London), Supervisor und Organisationsberater (DAG) und Gründungspräsident der Psychotherapeutenkammer Hessen. Er hat gemeinsam mit anderen erfolgreich Verfassungsbeschwerde gegen das BKA Gesetz eingelegt, und dabei mit der besonderen Schutzbedürftigkeit des psychotherapeutischen Gespräches argumentiert.

Wir freuen uns auf Ihre Teilnahme.

Zum Inhalt des Vortrags

A Sigmund Freud eröffnete die analytische Behandlung mit einem Vertrag (der Grundregel), in dem sich der Patient zu völliger Aufrichtigkeit und der Analytiker zu strenger Diskretion verpflichten. Damit wird eine lebensweltliche Vereinbarung getroffen, die auf gegenseitiger Anerkennung und Vertrauen beruht. Gefährdungen der Vereinbarung sind intern zu handhaben und Gegenstand des analytischen Prozesses.

Durch das Eintreten der Analyse in den öffentlichen Raum (Fremdfinanzierung) wurde die private Vereinbarung in geltendes Recht übersetzt (Berufsgeheimnis, Berichte an Gutachter, Dokumentationspflicht, Einsichtsrecht…)  In die psychoanalytische Situation zogen Rechtsnomen ein. Damit wurde sie zu einem öffentlich regulierten Gegenstand und verlor ihren bloß privaten Charakter. Die Durchdringung der Analyse mit der Logik des Systems (Habermas) setzte sich über die Jahre fort und stellte immer neue Anforderungen an die Verantwortlichen.

Spätestens mit dem BKA-Gesetz wurden in bestimmten Ausnahmefällen (internationaler Terrorismus) Möglichkeiten eröffnet, von staatlicher Seite in die analytische Situation einzudringen, ohne dass Analytiker das wahrnehmen oder abwenden können; sie müssen nicht darüber unterrichtet werden,. Das heißt, sie können allein aus eigener Verfügung keine strenge Diskretion mehr garantieren.
Nach dem Erfolg der Verfassungsbeschwerde gegen das BKA-Gesetz ist eine umfangreiche Novellierung vom Gericht verlangt, für die es notwendig sein wird, Belange der analytischen Situation rechtskonform zu artikulieren, damit sie im politischen Entscheidungsprozess berücksichtigt werden.

Von Seiten der Psychoanalyse aus gilt es, die lebensweltliche und fachlich begründete Vereinbarung der Grundregel rechtskonform zu artikulieren, um den für den Patienten nötigen Schutz und die Verantwortung des Analytikers zu sichern.

B Die analytische Situation, basierend auf der Vereinbarung von Aufrichtigkeit gegen Diskretion, ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Gefährdungen der Analyse bestehen, ohne dass Analytiker davon Kenntnis nehmen, weil sie auf die private Vereinbarung setzen. Die analytischen Belange müssen in der Sprache des Rechts artikuliert werden, dazu ist Übersetzungsarbeit und systemkonformes Wissen erforderlich.