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Multitasking: Eine Herausforderung für Körper und Geist

Innovatives interdisziplinäres DFG-Forschungsprojekt startet unter IPU-Beteiligung

Prof. Dr. Christine Stelzel von der IPU Berlin wird zur Projektleiterin im zweiten Teil des interdisziplinären Projekts „Effects of Modality Mappings within working memory on Postural control“ (MoMaP) im Rahmen eines Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zum Thema „Multitasking“.

Der zweite Teil des Forschungsprojekts startet im Oktober 2018 und vereint in bisher einzigartiger Weise die Untersuchung von kognitiven und motorischen Prozessen bei Multitasking-Anforderungen. Die Psycholog_innen Prof. Dr. Christine Stelzel (IPU Berlin) und Prof. Dr. Stephan Heinzel (FU Berlin) kooperieren dabei mit dem Trainings- und Bewegungswissenschaftler Prof. Dr. Urs Granacher und dem Sozial- und Präventionsmediziner Prof. Dr. Michael A. Rapp (beide Universität Potsdam). MoMaP ist eins von über 20 Forschungsprojekten zum Thema Multitasking, die von der DFG über einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren gefördert werden.

Die innovative Kombination der verschiedenen beteiligten Forschungsdisziplinen bei MoMaP erlaubt es, die Interaktion zwischen Hirnprozessen zu untersuchen, die einerseits Bewegungsabläufe betreffen sowie andererseits Denken, Aufmerksamkeit und Konzentration. Der Fokus liegt auf der Frage danach, wie sich die verschiedenen Vorgänge im Gehirn bedingen oder blockieren. „In der Straßenbahn stehen und gleichzeitig mit dem Handy telefonieren ist für ältere Menschen oft eine schwierige Aufgabe“, erklärt Projektleiterin Stelzel. Beim Anfahren der Bahn kann es dann zum Gleichgewichtsverlust kommen.

Statistiken zeigen, dass die Sturzhäufigkeit mit steigendem Alter immer weiter zunimmt. Während im jungen Alter Bewegung einen positiven Effekt auf die Denkfähigkeit haben kann, führt die Doppelbelastung, das sogenannte Dualtasking, im Alter häufig zu Problemen. Im ersten Teilprojekt wurde daher untersucht, inwiefern sich solche Belastungen durch gezieltes Training verbessern lassen.

Im zweiten Teil des Projekts sollen nun die Wirkungsmechanismen untersucht werden, die bedingen, dass älteren Menschen Multitasking schwerer fällt als jüngeren. Durch ein breites methodisches Spektrum, wie die Verwendung der funktionellen Magnetresonanztomographie sowie der Elektroencephalographie soll insbesondere das Verständnis für die zugrundeliegenden neuronalen Mechanismen altersbedingter Schwierigkeiten im kognitiv-motorischen Multitasking erweitert werden. Dabei soll die Untersuchung der Effekte von kognitiver vs. physischer Ermüdung Rückschlüsse auf die gegenseitige Abhängigkeit beider Bereiche erlauben.

„Wir verfolgen dabei die Hypothese, dass der Frontalkortex bei älteren Menschen stärker an Bewegungsaufgaben beteiligt ist“, so Stelzel. Dieses Hirnareal ist normalerweise für sogenannte exekutive kognitive Fähigkeiten zuständig, also Denken, Handeln, Entscheiden. Bei jüngeren Menschen laufen motorische Prozesse eher automatisch oder auf subkortikaler Ebene ab. Im Alter würde dann als Folge natürlicher Abbauprozesse das Frontalhirn dazu geschaltet. Dies könnte eine gegenseitige Störung motorischer und kognitiver Prozesse bedingen.