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Illusion, Tabu und ozeanisches Gefühl

Religionswissenschaftliche und psychoanalytische Vorlesungsreihe an der Freien Universität Berlin

Religionswissenschaft und Psychoanalyse sind in mehrfacher Hinsicht auf einander verwiesen. In beiden wird Religion unter anderem als eine kulturelle Form betrachtet, mit der Menschen Hilfe und metphysischen Halt suchen, etwa in Krisen, bei Unsicherheitserfahrungen und existenzieller Hilflosigkeit, insbesondere angesichts von Sterben und Tod.

In beiden wird mit kulturtheoretischen Konzepten gearbeitet, die dazu beitragen können, traditionell institutionalisierte Religion ebenso wie privatisierte Formen von einem beharrlichen Subjektbegriff aus zu denken. Die Vorlesungsreihe geht diesem komplexen Wechselverhältnis der beiden Disziplinen nach.

Was?
Interdisziplinäre Vorlesungsreihe mit drei Professor/-innen der IPU Berlin im Mai und Juni an der Freien Universität Berlin.

Wann?

  • (Freitag, 5. Mai 2017: Prof. Dr. Lilli Gast: „Ich habe nun ein recht entwurzeltes Gefühl.“ Freud und die Philippson-Bibel)
  • (Freitag, 19. Mai 2017: Prof. Dr. Andreas Hamburger: Totem und Tabu: Freuds Lamarckismus und die jüdische Erfahrung)
  • (Freitag, 2. Juni 2017: Prof. Dr. Dr. Michael Buchholz: Psychoanalyse als „weltliche Seelsorge“ (Freud))
  • (Freitag, 16. Juni 2017: Prof. Dr. Almut-Barbara Renger: Cocteau vs. Freud. Zu einer poetischen Form der Selbstermächtigung des religiösen Subjekts)
  • Freitag, 30. Juni 2017: Prof. Dr. Susanne Lanwerd: Wissensgeschichtliche Anmerkungen zu „ozeanischem Gefühl“ und „Magie“


Die Vorlesungen finden jeweils vormittags von 10.00 bis 12.00 Uhr statt. Die Veranstaltungen sind öffentlich, der Eintritt ist frei.

Wo?
Freie Universität Berlin, Fabeckstr. 23/25, Raum 2.2063, 14195 Berlin, U-Bhf. Dahlem-Dorf (U3).

Im Zentrum der Veranstaltung steht das Werk Sigmund Freuds, der unbewusste psychische Vorgänge individualpsychologisch und kulturtheoretisch analysierte, und der Gottesvorstellungen, die mit metaphysischen Gewissheiten verbunden sind, im Bereich der „Illusion“ verortete. Freud sah es als Aufgabe der Wissenschaft an, den Menschen mit der schwer erträglichen Einsicht in die Begrenztheit des Lebens zu konfrontieren. Freud, der sich als „gottloser Jude“ sah und bekundete, ihm persönlich sei das „ozeanische“ religiöse Empfinden fremd, hat sich dennoch eingehend mit religiösen Vorstellungen und Handlungen beschäftigt sowie hiermit verbundenen Regeln und Verhaltensnormen. Dies zeigt nicht zuletzt sein Begriff „Tabu“, der Kultur- und Religionsgeschichte, Soziologie und Psychoanalyse in einer kühnen Spekulation zu verbinden sucht.

Konzipiert wurde die Reihe von der Religionswissenschaftlerin Prof. Dr. Almut-Barbara Renger von der Freien Universität und Prof. Dr. Andreas Hamburger, Professor für Klinische Psychologie an der IPU.