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Debatte über Zukunft der Psychotherapieausbildung

Auf Einladung des Vereins der Freunde und Förderer der IPU e.V. diskutierten Experten aus Universität, Berufspolitik und den Ausbildungsinstituten Ende August an der IPU Berlin über die kontroverse Frage der sogenannten "Direktausbildung". Dahinter verbergen sich Pläne des Bundesgesundheitsministeriums (BMG), die Ausbildung zum Psychologischen Psychotherapeuten in naher Zukunft an den Universitäten zu etablieren anstatt an der bisher üblichen Praxis der Ausbildung an den Instituten der Fachverbände festzuhalten, wie es in einem Forschungsgutachten im Auftrage des Bundesgesundheitsministeriums empfohlen wurde.

Das umstrittene Reformvorhaben ruft erwartungsgemäß sowohl Gegner als auch Befürworter auf den Plan. Während das BMG den Psychotherapeuten als "eindeutig akademischen Heilberuf" einstuft, befürchten Verbandsvertreter der Deutschen Psychoanalytischen Gesellschaft (DPG) oder der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung (DPV) eine daraus resultierende Abschwächung der bisherigen Ausbildungsqualität. Eine Akademisierung hätte zur Folge, dass die Psychotherapieausbildung analog zum Medizinstudium mit einer Approbation endet und nur noch die  Spezialisierung in Form einer Weiterbildung an den Ausbildungsinstituten anschließt. Vor allem die Dominanz der überwiegend verhaltenstherapeutisch orientierten Lehrstühle an den staatlichen Universitäten verhindere nach Ansicht von Dr. Thilo Eith (DPG) die Gewährleistung einer angemessenen Ausbildung. Dr. med. Ursula Reiser-Mumme (DPV) sprach sich für eine Verbesserung des gegenwärtigen Ausbildungssystems aufgrund von bestehenden Missständen aus.

Über die Notwendigkeit einer Reform der Psychotherapeutenausbildung waren sich die Podiumsteilnehmer weitgehend einig. Bereits jetzt werden in immer mehr Bundesländern Bachelor- statt Masterabsolventen zur Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) zugelassen, was in den Augen der Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) eine Verschlechterung der Qualität in der Kinderpsychotherapie darstellt. Für einen ausreichenden Kompetenzerwerb schlägt die Bundesärztekammer vor, den "klinischen Teil der Ausbildung zu verbessern und eine Bezahlung durchzusetzen".

Prof. Dr. Jürgen Körner, Gründungspräsident der IPU Berlin, erklärte, dass die Direktausbildung ein Studium ermögliche, "das vom ersten Semester an auf den Beruf des Psychotherapeuten vorbereitet". Dies sei derzeit weder im Medizinstudium noch im Psychologiestudium angemessen der Fall, so Prof. Körner.