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Beziehungen von jungen Müttern und ihren Kindern stärken

Internationale Psychoanalytische Vereinigung fördert IPU-Forschungsprojekt

Wenn es Eltern schlecht geht, dann leiden auch ihre Kinder. Was nach einer naheliegenden Tatsache klingt, ist von großer Bedeutung für die Psychotherapie von Eltern mit sehr jungen Kindern.

In den ersten Lebensjahren entwickeln Kinder ihre Bindungsfähigkeit. Bindungen sind die ersten und daher intensiven Beziehungserfahrungen, die ein Mensch macht. Um sichere Bindungen eingehen zu können, benötigen Kinder vertrauensvolle Bezugspersonen – meist sind das in erster Linie die Eltern. Diese frühen Bindungserfahrungen werden als das Fundament für die spätere gesunde psychische Entwicklung gesehen. Kommt es in dieser frühen Entwicklungsphase zu Problemen, kann das für die Kinder weitreichende Folgen haben.

Prof. Dr. Christiane Ludwig-Körner von der IPU erforscht solche frühen Beziehungserfahrungen in zwei Forschungsprojekten mit der von ihr entwickelten Eltern-Säugling-Kleinkind-Psychotherapie (ESKP). Die Internationale Psychoanalytische Vereinigung (IPA) hat Ludwig-Körners Engagement jetzt mit einer Förderung in Höhe von 7000$ gewürdigt. Die Förderung dient ihrem Forschungs-projekt „Eltern-Säuglings-Kleinkind-Psychotherapien mit Bewohnerinnen gemeinsamer Wohnformen gemäß § 19 SGB VIII von Mutter/Vater-Kind-Einrichtungen“.

Im Projekt wird die Psychotherapie von hauptsächlich jungen Müttern untersucht, die aufgrund ihrer Persönlichkeitsentwicklung Unterstützung bei der Versorgung ihres Kindes benötigen und dazu mit ihren Kindern in Mutter/Vater-Kind-Einrichtungen leben. Sind Mütter oder Väter depressiv, leiden unter Ängsten, Zwangsgedanken oder zeigen eine geringe Feinfühligkeit gegenüber ihren Kindern, kann die Eltern-Kind-Beziehung darunter leiden und die emotionale und kognitive Entwicklung des Kindes gefährdet sein.

„Feinfühlige Eltern können die Signale und Bedürfnisse ihres Säuglings wahrnehmen, interpretieren und darauf angemessen und zeitnah reagieren“, erklärt Janna Mattheß, wissenschaftliche Mitarbeiterin in Ludwig-Körners Projekt. Solche Signale können beispielsweise Augenreiben oder Gähnen als Zeichen für Müdigkeit sein, woraufhin eine angemessene Reaktion der Eltern wäre, ihr Kind in den Arm zu nehmen und in den Schlaf zu begleiten. „Weniger feinfühlige Eltern nehmen diese Anzeichen für Müdigkeit beispielsweise nicht wahr oder missinterpretieren sie als Langeweile und beginnen mit dem Kind zu spielen“, so Mattheß weiter.

Der feinfühlige Umgang der Eltern mit ihren Kindern ist besonders wichtig, da er den Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung unterstützt und eine psychisch gesunde Entwicklung des Kindes fördert.  So haben auch schon frühere Studien gezeigt, dass die Verbesserung der Feinfühligkeit der Eltern den Aufbau einer guten Bindung zur Mutter oder zum Vater unterstützen. Die ESKP hat sich dabei als eine Therapieform erwiesen, die verglichen mit anderen Behandlungsformen eine bessere Wirkung zur Förderung der kindlichen Entwicklung zeigt.

Die Umsetzung der Studie ist mit besonderen Schwierigkeiten verbunden. Vor allem junge Frauen sind oft skeptisch gegenüber der Erforschung psychotherapeutischer Behandlungsmöglichkeiten. Die Stressbelastung in den Einrichtungen ist oftmals recht hoch und viele Mütter schaffen es nicht, mit ihrem Säugling in eine psychotherapeutische Praxis zur Behandlung zu gehen. Zudem wird eine aufsuchende Psychotherapie von den Krankenkassen bisher nicht bezahlt. Mithilfe des Zuschusses der IPA sollen die Psychotherapien innerhalb der Einrichtung finanziert werden.

Die Förderung und Unterstützung der Beziehung zwischen Eltern und Kindern in dieser frühen Lebensphase ist von großer Bedeutung für das weitere Leben. Für die IPA war dies der ausschlaggebende Grund zur Unterstützung des Projekts, das im Vergabekomitee ein „sehr hohes Ranking in einem Forschungsfeld mit viel Konkurrenz“ erreicht habe. Das Research Committee der IPA fördert Projekte, deren Hauptmerkmal die Erweiterung psychoanalytischen Wissens ist.

Ansprechpartnerinnen für weitere Informationen zur ESKP und zum Forschungsprojekt:
Prof. Dr. Christiane Ludwig-Körner
christiane.ludwig-koerner(at)ipu-berlin.de

Janna Mattheß, M.A.
janna.matthess(at)ipu-berlin.de

Telefon: +49 30 300 117-721