Ambulanz

Psychotherapeutische Hochschulambulanz der IPU

Psychodynamische Psychotherapie von Patienten ab dem 60. Lebensjahr mit Generalisierter Angststörung

seit 11/2016 / Leiterin: Prof. Dr. Simone Salzer

Wissenschaftliche Mitarbeit: Charline Logé, M.A.
Finanziert durch: Förderung der IPU und Heidehof-Stiftung

Hintergrund der Studie
Obgleich es sich bei der Therapie älterer Patienten um ein bedeutendes Forschungsdesiderat handelt, das u.a. gerade auch angesichts der demografischen Entwicklung in Deutschland dringend in den Fokus der Psychotherapieforschung gerückt werden sollte, wurde diese Patientengruppe im Kontext der psychodynamischen Wirksamkeitsforschung bislang vernachlässigt. Bevölkerungsvorausberechnungen für Deutschland prognostizieren für die Altersgruppe ab dem 60. Lebensjahr für das Jahr 2020 einen Bevölkerungsanteil von 29,5%, der bei sinkender Gesamtbevölkerungszahl im Jahr 2030 bereits auf 34,6 % ansteigen werde (Statistisches Bundesamt, 2015; vgl. auch Andreas et al., 2013).

Angststörungen stellen mit insgesamt 15,3% die größte psychische Störungsgruppe der 18- bis 79-jährigen Erwachsenen in Deutschland dar (vgl. Jacobi et al., 2014a). In einer großen holländischen Stichprobe von Beekman et al. (1998) wurde eine 6-Monatsprävalenz von 7,3% für die Generalisierte Angststörung (GAD) als häufigster Angststörung der 55- bis 85-Jährigen gefunden. Aktuellere Angaben zur 12-Monats- Prävalenz der GAD in einer deutschen Stichprobe liegen bei 3,4 % für die Altersgruppe der 50- bis 79-Jährigen (Jacobi et al., 2014b). Im Unterschied zu vielen anderen psychischen Störungen, die vornehmlich in der Adoleszenz oder im jungen Erwachsenenalter erstmalig auftreten, scheint die Wahrscheinlichkeit der Erstmanifestation einer GAD ab dem 5. Lebensjahrzehnt am höchsten zu sein (Lieb et al., 2005).

Die Metaanalyse von Keefe et al. (2014) zur Wirksamkeit psychodynamischen Psychotherapien (PDT) bei Angststörungen konnte zeigen, dass PDT bei dieser Störungsgruppe ebenso wirksam ist wie andere bona fide Behandlungen (für eine Übersicht s. auch Leichsenring, Klein & Salzer, 2014a,b). Zur Wirksamkeit der PDT bei GAD existieren zum gegenwärtigen Zeitpunkt allerdings lediglich erste Befunde aus den Studien von Crits-Christoph et al. (1996, 2005) sowie von Leichsenring, Salzer et al. (2009) und Salzer et al. (2011). Dabei betrug der Altersdurchschnitt in den Studien 42,4 Jahre (Crits-Christoph et al., 2005) bzw. 42,5 Jahre (Leichsenring et al., 2009; Salzer et al., 2011). Wirksamkeitsbelege zur PDT bei älteren Patienten mit GAD fehlen bislang völlig.

Methode
Studiendesign: Machbarkeitsstudie zur psychodynamischen Behandlung der GAD bei älteren Patienten ab dem 60. Lebensjahr. Anpassung und Implementierung eines manualisierten alterssensiblen Behandlungskonzepts (vgl. Leichsenring & Salzer, 2014) für ältere Patienten. Prä-Post-Vergleiche, Prozesserhebungen und 3-Monats-Katamnese, regelmäßige Studiensupervision, Erfassung der Behandlungsintegrität.

Intervention: Durchführung einer ambulanten manualisierten tiefenpsychologisch fundierten Kurzzeittherapie im Rahmen der Psychotherapie-Richtlinie mit bis zu 24 (+4 probatorischen) Sitzungen oder Beobachtung der Patienten für 8 Monate unter treatment as usual.

Stichprobe: N=20 Patienten ab 60 Jahren (n1=10, n2=10), welche die diagnostischen Kriterien einer GAD (Primärdiagnose nach ADIS, DiNardo et al., 1993) nach DSM-5 (Falkai & Wittchen, 2015) erfüllen und über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen.

Ausschlusskriterien: akute Suizidalität, Indikation zur stationären Psychotherapie, hirnorganische Störung, psychotische Störung, Substanzabhängigkeit, lebensbedrohliche somatische Erkrankung, Abklärungsbedarf kognitiver Defizite nach MMST und Uhren-Zeichen-Test.

Assessment: standardisierte Diagnostik nach DSM-5, Erfassung der Symptomatik in Fremd- und Selbsteinschätzung. Screening, Einschlussdiagnostik und Baseline-Erhebung, anschließend Erhebungen alle zwei Monate bis zum Ende der Therapie bzw. nach 8 Monaten sowie eine drei-Monats-Katamnese.

Ziele der Machbarkeitsstudie
1) Aussagen liefern zur Durchführbarkeit des Studiendesigns und der Therapie; erste Orientierung liefern zum treatment as usual dieser Patientengruppe; Einschätzungen ermöglichen zur Bereitschaft für eine psychotherapeutische Behandlung der Betroffenen
2) eine erste Einschätzung liefern zu den Effektgrößen innerhalb der beiden Interventionsgruppen sowie zur Angemessenheit der Therapiedosis Kurzzeittherapie
3) basierend auf den ersten Therapien ggf. die gezielte Modifikation und Optimierung des Behandlungsvorgehens ermöglichen

Projektleitung
Prof. Dr. Simone Salzer
International Psychoanalytic University
Stromstraße 3b
10555 Berlin
Telefon: +49 30 300 117-717
simone.salzer(at)ipu-berlin.de

Projektmitarbeit
Charline Logé, M.A.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin
International Psychoanalytic University Berlin
Stromstr. 3b - Raum 1.44
10555 Berlin
Telefon: +49 30 300 117-766
E-Mail: charline.loge(at)ipu-berlin.de

Ambulanz Kontakt
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Koordination
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