Wer ist ...


Dr. phil. H. Joachim Bretz

1. Welche sind Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre?

Wissenschaftlich arbeite ich zurzeit an kulturell bedingten Verzerrungen bei der diagnostischen Klassifikation von Patienten mit einem Migrationshintergrund und an Problemen der Emotionsdifferenzierung und Adhärenz bei Patienten mit einer Borderline Persönlichkeitsstörung. Daneben bin ich an methodischen Fragen der Aufmerksamkeitsdiagnostik interessiert und entwickele Testverfahren zur Diagnostik von Konzentrationsstörungen. Mein methodisches Hauptinteresse besteht in der Kombination von intra- und interindividuellen Analysetechniken sowie metaanalytischen Verfahren. Der Schwerpunkt meiner Lehre an der IPU liegt in der Vermittlung von Kompetenzen der quantitativen Methodenlehre.

2. Worum geht es in Ihren Studienfächern?

Ich unterrichte die Fächer Statistik I und Statistik II bzw. Wissenschaftstheorie und Methodenlehre des Moduls 2 (Statistik, Wissenschaftstheorie und Methodenlehre) des BA Psychologie sowie den Brückenkurs Methoden der Psychologie im MA Klinische Psychologie/Psychoanalyse. Die Inhalte der Lehrveranstaltungen beziehen sich auf die Vermittlung statistischen Grundlagenwissens und allgemeiner methodischer Kompetenzen aus den Bereichen der quantitativen Forschung. Die Lehrveranstaltungen haben mehrere Lernziele, die natürlich miteinander verbunden sind. Das erste Ziel besteht darin, das quantitative methodische Basiswissen der Psychologie zu vermitteln. Darüber hinaus sollen die Studierenden dazu befähigt werden, die methodischen Fragen und die Ergebnisse wissenschaftlicher Arbeiten mit einem quantitativen Fokus zu verstehen und bewerten zu können. Als letztes Ziel soll die grundlegende Kompetenz vermittelt werden, wissenschaftliche Fragen durch die Anwendung eindeutiger methodischer Vorgehensweisen selbstständig zu beantworten. Die Veranstaltungen dieses Bereichs werden als Vorlesungen mit begleitenden Tutorien und Seminaren abgehalten und durch Klausuren überprüft.

3. Was können Studierende von Ihnen persönlich lernen?

In meiner Studienzeit hat die "qualitative" und die "quantitative" Sichtweise in der Psychologie einen scheinbar unvereinbaren Widerspruch aufgebaut. Für mich hat das qualitative Vorgehen in der therapeutischen Praxis niemals einen Gegensatz zu der statistisch orientierten, psychologischen Methodenlehre bedeutet, sondern die qualitative Arbeit am Einzelfall und das statistische Grundlagenwissen bieten für mich eine optimale Möglichkeit, zwei nur scheinbar verschiedene Aspekte zu kombinieren, die für mich einen sehr hohen Stellenwert einnehmen. In der Psychotherapie geht es wie in jeder konkreten Arbeit im klinischen Kontext immer um ein Verständnis des Einzelnen. Die Wissenschaft beschäftigt sich darüber hinaus mit dem Erkennen und Erklären von Gesetzmäßigkeiten, die nicht nur für eine oder wenige Personen eine Gültigkeit beanspruchen, sondern eine allgemeine Aussage über einen Gegenstand darstellen. Wenn man in der Wissenschaft beansprucht, eine Aussage zu fällen, die für alle oder viele Menschen gültig sein soll, muss man auch fähig sein, eine derartige Aussage empirisch zu überprüfen. Ich hoffe, dass ich Ihnen das Interesse an dem methodischen Grundlagenwissen vermitteln kann, damit Sie befähigt werden, das Vorgehen bei der Untersuchung allgemeiner Gesetzmäßigkeiten zu verstehen und vielleicht sogar Lust bekommen, selber ihre Annahmen über die Wirklichkeit empirisch zu testen.

4. Was begeistert Sie an der Psychoanalyse/Psychologie?

Als ich mit meinem Psychologiestudium begann, ging ich davon aus, dass Psychologie und Psychoanalyse eigentlich das Gleiche sind. Dass es sich um zwei unterschiedliche Begriffe für verschiedene Gegenstandsbereiche handelt, die sich nur teilweise überschneiden, musste ich erst lernen. Was mich am meisten an der Psychologie und der Psychoanalyse faszinierte und immer noch fasziniert ist der recht einfache Gedanke, dass sich vieles "verteilt", eigentlich alles, was wir mit dem Begriff "Merkmal" oder "Eigenschaft" bezeichnen. Und zwischen den Verteilungen verschiedener Merkmale bestehen vielfältige Muster, die man zwar oft nicht direkt beobachten, aber dennoch untersuchen kann. Der Weg, wie man dazu kommt, von einem derartigen Merkmal zu sprechen und es zu erheben sowie die Methoden, wie man die Zusammenhänge oder Unterschiede verschiedener Merkmale untersucht, begeistern mich häufig am meisten.

5. Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Ein Lebensmotto? Das ist eine sehr schwere Frage. Vielleicht ist ein Gedicht einfacher. Den "Alten Tibetteppich" finde ich wunderschön. Aber den erzähle ich hier nicht, den soll man selber suchen.

Kontakt

Dr. H. Joachim Bretz

Dozent für Statistik, Wissenschaftstheorie und Methodenlehre

IPU Berlin
Stromstr. 3
10555 Berlin

Tel.: +49 30 617 414-10 (privat)
Fax: +49 30 300 117-509

E-Mail: joachim.bretz@ipu-berlin.de

Sprechstunde: nach Vereinbarung

Dr. H. Joachim Bretz - Dozent für Statistik, Wissenschaftstheorie und Methodenlehre