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Lilli Gast

Prof. Dr. phil., Vize-Präsidentin, Theoretische Psychoanalyse, psychoanalytische Subjekt- und Kulturtheorie

1. Welche sind Ihre Schwerpunkte in Forschung und Lehre?
Psychoanalytische (Erkenntnis-) Theorie und Metapsychologie, Ideen- und Theoriegeschichte der Psychoanalyse sowie der psychoanalytischen Subjekt- und Geschlechtertheorie.
Aktueller Forschungsschwerpunkt: ethische Dimensionen der PsA und ihre Verbindung zur philosophischen Anthropologie.

2. Worum geht es in Ihrem Studienbereich?
Ich vertrete an der IPU im Vollzeit- und Teilzeitstudiengang Klinische Psychologie/Psychoanalyse den Studienbereich I: Theoretische Psychoanalyse, psychoanalytische Subjekt- und Kulturtheorie. In diesem Studienbereich geht es um die Eigenheit psychoanalytischen Denkens und die Besonderheit ihrer Erkenntnisgewinnung. Die Veranstaltungen dieses Studienbereiches behandeln die Theorie der Psychoanalyse, ihre Geschichte, ihr Erkenntnisinteresse und ihre Erkenntnismethode. Es wird ferner gezeigt, wie produktiv die Psychoanalyse auch in nicht-klinischen Anwendungsfeldern sein kann: als Human- und Kulturwissenschaft und als psychoanalytische Sozialpsychologie.

Der Studienbereich setzt sich aus zwei Modulen zusammen:
Modul 1: Wissenschafts- und Wirkungsgeschichte der Psychoanalyse und die Begründung ihres Gegenstandes.

Modul 8: Psychoanalytische Theorie des Subjekts, psychoanalytische Erkenntnistheorie und Psychoanalyse als Geistes-, Human- und Sozialwissenschaft.

3. Was können Studierende von Ihnen als Wissenschaftlerin lernen?
Die Lust am Denken, das Denken in Zusammenhängen und die Orientierung in psychoanalytischen und geisteswissenschaftlichen Denkwelten.

4. Was begeistert Sie an der Psychoanalyse/Psychologie?
Die Psychoanalyse ist, neben ihrer klinischen Anwendung, ein großes intellektuelles Abenteuer. Als vielleicht letzte Vertreterin einer radikalen Vernunftkritik ist sie eine Meisterin im Aufwerfen nicht nur neuer, sondern auch beharrlich wiederkehrender, unabschließbarer Fragen. Die Psychoanalyse schickt das Denken hinaus ins Offene, Ungewisse, ins Nicht-Gewusste, vielleicht auch nicht Wißbare; sie vertäut es nicht im sicheren Hafen des Vorhersehbaren und der Gewissheit. Ihre Erkenntnisquelle ist das Unbewußte, das dem direkten Zugriff Entzogene, der verborgene Sinn; ihr Denken folgt nicht dem manifesten Haupttext, sondern seiner Entstellung; psychoanalytisches Denken verharrt nicht bei der Erscheinungsweise eines Phänomens oder eines Symptoms in seiner konkreten Gestalt, sondern erforscht den unbewußten Subtext; ihre Aufmerksamkeit gilt auch dem, was unterbleibt, dem Abwesenden; es sucht Unverstandenes, Noch Nichtverstandenes aktiv auf, um Bedeutung dort zu dechiffrieren statt sie vordergründig in der Performanz oder der Phänomenologie der Dinge abzulesen.

5. Haben Sie ein Lieblingszitat?
Ich habe zwei Zitate, die zusammengehören:

"Denken heißt nicht, die Höhle verlassen, auch nicht, die Ungewißheit der Schatten durch die Umrisse der Dinge selbst ersetzen, den zitternden Schein einer Flamme mit dem Licht der wahren Sonne vertauschen. Denken heißt, ins Labyrinth eintreten, einen Irrgarten erstehen lassen. Denken heißt, sich in den Gängen verlieren, die es nur deshalb gibt, weil wir sie unablässig graben." (C. Castoriadis, 1981)
und
"Man kann sich doch einem Gedankengang hingeben, ihn verfolgen, soweit er führt, nur aus wissenschaftlicher Neugierde oder, wenn man will, als advocatus diaboli, der sich darum doch nicht dem Teufel selbst verschreibt." (S. Freud, 1920g)

Foto Lilli Gast