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Erfassung von kognitiven Veränderungsprozessen bei delinquenten Jugendlichen

gemeinsam mit dem Institut für Hirnforschung, Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth

Im November 2010 haben Prof. Dr. Svenja Taubner, neu berufene Professorin an der IPU, und Prof. Dr. Jürgen Körner, Präsident der IPU, gemeinsam und in Zusammenarbeit u.a. mit Herrn Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth, Bremen und Herrn Prof. Dr. John Dylan Haynes, Charité Berlin, ein Forschungsprojekt zur Erfassung von kognitiven Veränderungsprozessen bei delinquenten Jugendlichen begonnen.

Es ist geplant, delinquente Jugendliche mit dem Denkzeit-Training zu betreuen und die Effekte dieser intensiven, sozialkognitiven Methode in bildgebenden Verfahren in einem Vorher-Nachher-Vergleich zu erfassen. Die gefundenen Veränderungen sollen mit denen zweier Kontrollgruppen verglichen werden; außerdem werden über einen längeren Zeitraum hinweg die registrierten Straftaten erfasst werden, um die Langzeitwirkungen messen zu können. Dieses Forschungsprojekt wird von einer Stiftung mit 200.000 Euro finanziert.

Die Wirksamkeit pädagogischer Interventionen:

Kognitive Veränderungsprozesse bei delinquenten Jugendlichen

von Silke Wolter, Karin Nadig, John Haynes, Jürgen Körner, Gerhard Roth, Svenja Taubner

Zusammenfassung
Aggressiv-delinquente Jugendliche scheinen in Interaktionen eingeschränkt, wenn es z. B. um die Perspektive des Anderen und um gezeigtes Mitgefühl geht. Soziale Kognitionen, insbesondere eine fehlerhafte Verarbeitung sozialer Informationen und das Konzept der "Theory of Mind", bieten eine Erklärung für die Entwicklung externalisierender Verhaltensstörungen. Um bei aggressiv-delinquentem Verhalten im Jugendalter pädagogisch zu intervenieren, ist das Denkzeit-Training entwickelt worden, ein manualisiertes Einzeltraining auf psychoanalytischer Grundlage, welches besonders die sozialen Kognitionen fördern soll.

Ziel
Vorliegende Studie, verfolgt das Ziel, die kognitiven Veränderungsprozesse bei delinquenten Jugendlichen, die an einem Denkzeit-Training teilnehmen, neben herkömmlichen Messverfahren, mittels modernen bildgebenden Verfahren der Neuropsychologie zu erfassen und somit "sichtbar" zu machen.

Methode
In einem Prä-Post-Vergleich, sollen 20 delinquente junge Männer im Denkzeit-Training, mit zwei Kontrollgruppen mit und ohne aggressiv-delinquentem Verhalten (je N=20) verglichen werden. Über einen längeren Zeitraum hinweg, werden die registrierten Straftaten erfasst, um die Langzeitwirkungen messen zu können. Während des fRMI-Scan´s werden den Probanden kurze Videosequenzen gezeigt, die aus dem Bremer Aggression Inventory (BrAIn, Fehr, 2010) entnommen werden. In allen Szenen geht es um Interaktionen zwischen dem Protagonisten (Ego-Perspektive) und einem anderen Mann. Es werden Szenen gezeigt, die sowohl neutrale, positive als auch aggressive Interaktionen enthalten. Nach dem fMRI-Scan findet eine Stimulus-Evaluation statt, die die emotionale Valenz der Stimuli abfragt. Die neurowissenschaftliche Analyse wird durch die Bearbeitung einer umfangreichen Fragebogen-Test-Batterie zu psychosozialen Risiken unterstützt (soziale Kognitionen, Emotionsregulation, entwicklungspsychopathologische Auffälligkeiten, das Ausmaß an proaktiver vs. reaktiver Aggression, Motive gewalttätigen Handelns, Bindungsrepräsentation).

Ergebnisse
Die Studie befindet sich in ihrer Anfangsphase. Die Datenerhebung soll nach einem Jahr abgeschlossen sein. Geplant ist, die Studie im Jahre 2013 abzuschließen.

Konklusion
Mit den Ergebnissen könnten Hinweise/ Erkenntnisse zur konkreten Wirksamkeit einer pädagogischen Maßnahme erlangt werden, da es unklar ist, wie eine Methode wirkt und wie sich die Persönlichkeit mit ihren Wertorientierungen, ihren kognitiven Kompetenzen und affektiven Reaktionsbereitschaften ändern muss, um von einer schon eingeschlagenen delinquenten "Karriere" Abstand nehmen zu können. Die geplante Studie könnte somit einen wesentlichen Beitrag zur Qualitätssicherung pädagogischer Maßnahmen beitragen.

Für die Studienteilnahme müssen bestimmte Teilnahmevoraussetzungen gegeben sein. Die folgenden Ein- und Ausschlusskriterien sind relevant.

Einschlusskriterien

  • männliche Teilnehmer zwischen 18-21 Jahre,
  • freiwillige Teilnahme an der geplanten Studie,
  • Kenntnis und Verständnis der deutschen Sprache,
  • Hauptwohnsitz in den kommenden 9 Monaten in Berlin und Umgebung, um an der Posttestung teilzunehmen,
  • vergleichbarer Bildungsstand

Ausschlusskriterien

  • neurologische oder sonstige psychiatrische Erkrankungen,
  • aktuelle psychotherapeutische Behandlung,
  • Intelligenzminderungen,
  • Drogen- oder Medikamentenabhängigkeit,
  • Platzängste oder sonstige Kontraindikationen für fMRI-Untersuchungen (Herzschrittmacher/ künstliche Herzklappen, Cochlea-Implantate, Metallsplitter oder Metallimplantate, großflächige Tätowierungen oder Permanentmakeup, nicht entfernbare Piercings und Zahnklammern, Akupunkturnadeln, Medikamentenpumpe, künstlicher Darmausgang, sonstiges nicht entfernbares Metall und Elektronik am oder im Körper (außer Zahnfüllungen) etc.),
  • operative Eingriffe am Herzen oder Gehirn,
  • der deutschen Sprache nicht mächtig

Das Forschungsteam der IPU

Jun. Prof. Dr. Svenja Taubner (Projektleitung)
IPU Berlin
Stromstraße 2
10555 Berlin
Tel.: +49 30 300 117-714
E-Mail: svenja.taubner@ipu-berlin.de

Silke Wolter M.A. (Koordination/ Durchführung)
IPU Berlin
Stromstraße 2
10555 Berlin
Tel.: +49 30 300 117-761
E-Mail: silke.wolter@ipu-berlin.de

Dr. Karin Nadig (Koordination/ Durchführung fMRI)
IPU Berlin
Stromstraße 2
10555 Berlin
Tel.: +49 30 300 117-761
E-Mail: karin.nadig@ipu-berlin.de

Carolin Kaspar
studentische Mitarbeiterin
Studiengang Bachelor of Arts (BA) Psychologie

Dennis Brüsch
studentischer Mitarbeiter
Studiengang Bachelor of Arts (BA) Psychologie

Samuel Bayer
studentischer Mitarbeiter
Studiengang Bachelor of Arts (BA) Psychologie

Kooperationen

Prof. Dr. John-Dylan Haynes
Professor for Theory and Analysis of Large Scale Brain Signals
Charité - Universitätsmedizin, Berlin
Bernstein Center for Computational Neuroscience

Prof. Dr. Dr. Gerhard Roth
Universität Bremen
Institut für Hirnforschung
Postfach 330440, 28334 Bremen

Denkzeit-Gesellschaft e. V.
Gesellschaft zur Förderung wissenschaftlich begründeter Methoden
psychosozialer Arbeit mit jungen Menschen
Stromstraße 3
10555 Berlin
Tel.: +49 30 300 117-880
E-Mail: info@denkzeit.com
www.denkzeit.com

Förderung

Gefördert wird das Forschungsprojekt durch die
Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur Hamburg.

Informationen für interessierte Jugendliche

Interessierte Jugendliche, die an der Studie teilnehmen, erhalten 100.- Euro.

Informationen für Studienteilnehmer

über die funktionelle Magnetresonanztomographie

Was ist Magnetresonanztomographie? 
Die Magnetresonanztomographie (MRT) ermöglicht es, dreidimensionale, anatomische Bilder des Körpers zu machen. Der große Vorteil dieser Technik ist, dass keine Röntgenstrahlen und keine Kontrastmittel benötigt werden. Dies macht MRT-Messungen besonders risikoarm. So hat sich MRT in den letzten Jahrzehnten als ein Routineverfahren in der Medizin und Forschung etabliert.

Wie läuft eine MRT-Untersuchung ab?
Vor der Untersuchung werden wir Sie umfassend informieren und all Ihre Fragen beantworten. Während der Untersuchung liegen Sie mit dem Oberkörper in einer speziellen Röhre. Diese Röhre ist vorn und hinten offen und hat einen Durchmesser von ca. 60 cm. Manche Menschen empfinden das als etwas ungewohnt, gewöhnen sich aber in der Regel nach wenigen Minuten daran. Es ist außerordentlich wichtig, dass Sie die gesamte Zeit über (30 bis 45 Minuten) sehr ruhig liegen und insbesondere den Kopf nicht bewegen, denn leider führen bereits Kopfbewegungen von weniger als einem Zentimeter zu unbrauchbaren Bildern (ähnlich dem Verwackeln beim Fotografieren). Bei der Untersuchung treten laute Geräusche auf. Dies hat technische Ursachen und ist völlig normal. Aus diesem Grund werden Sie während der Untersuchung Ohrstöpsel und schalldämmende Kopfhörer tragen. Das MRT-Gerät wird aus einem Nebenraum heraus bedient. Die Untersuchungsleiter können Sie während der Untersuchung durch ein Fenster und durch ein Kamerasystem sehen. Über eine eingebaute Gegensprechanlage können wir Sie hören und mit Ihnen reden.

Wegen des starken Magnetfeldes dürfen keine magnetischen oder metallhaltigen Gegenstände in den Untersuchungsraum mitgebracht werden. Solche Gegenstände (Kugelschreiber, Münzgeld, etc.) müssen vor der Untersuchung abgelegt werden. Dafür stehen in unseren Räumen Aufbewahrungsmöglichkeiten zur Verfügung.

Dies betrifft insbesondere:

  • Münzen und Geldscheine
  • Brille
  • Schlüssel
  • Schmuck (Piercings, Ringe, Ohrringe, Ketten)
  • Uhr
  • Gürtel
  • Handy
  • EC- und Kreditkarte (Magnetstreifen werden gelöscht!)
  • Kugelschreiber, Stifte
  • Zopfgummi
  • herausnehmbarer Zahnersatz / herausnehmbare Zahnspange
  • Büroklammern
  • Hörgerät
  • Taschenmesser
  • Nikotinpflaster
  • andere Metallteile

Unproblematisch sind in der Regel metallhaltige Zahnfüllungen sowie Reißverschlüsse, Knöpfe und Nieten an Hosen.